Der geplante Neubau des Schul-Campus der privaten beruflichen Schule Progenius an der Göppinger Hohenstaufenstraße fällt kleiner aus als ursprünglich gedacht. Dafür stieß er bei den Architektur-Experten des Göppinger Gestaltungsbeirats auf wesentlich mehr Zustimmung. Wenn im Bebauungsplanverfahren alles glatt läuft, könnte schon Anfang 2025 mit dem ersten Bauabschnitt zwischen der Hohenstaufenstraße und dem Edeka-Verbrauchermarkt begonnen werden. Das Schulhaus soll 20 Klassenzimmer samt Verwaltung und Nebenräume enthalten und den zu klein geworden derzeitigen Standort an der Freihofstraße ersetzen. Ein zweiter Bauabschnitt an der Hohenstaufenstraße ist möglich.
Vorgeschichte: Im Februar hatte der Gestaltungsbeirat die ersten Entwürfe für den Schulkomplex als viel zu massiv zurückgewiesen. Außerdem hatten die Beiräte vorgeschlagen, den Baumbestand des Areals unbedingt zu erhalten. Nur wenige Tage nach dieser Sitzung hatte dann ein Kahlschlag der Bäume auf dem Grundstück Empörung hervorgerufen. Der Bildungsträger versicherte, der damalige Grundstückseigentümer habe das veranlasst.
Im April kam Progenius mit deutlich reduzierten Plänen des inzwischen beauftragten Stuttgarter Büros Bodamer Faber Architekten wieder in das Gremium – und stieß auf mehr Wohlwollen. In der nun bereits dritten Sitzung des Beratergremiums stellten die Architekten dieses Büros die weiter überarbeiteten Pläne vor. Wichtigste Botschaften: Die ursprünglich geplante Sporthalle kann wegfallen. Das Hauptgebäude in Form eines Quadrates mit Innenhof konnte auf jeder Seite um zweieinhalb Meter gekürzt werden, wie Architekt Alexander Faber erklärte. Und der zweite Bauabschnitt sei „derzeit kein Thema“ nur noch langfristig von Bedeutung. Das heißt: Grundschule und Kita werden zunächst nicht verwirklicht. Dafür kann östlich des Neubaus eine deutlich größere Grünzone entstehen.
Alte Frabrikgebäude können nicht erhalten werden
Progenius möchte weg vom Wohngebiet in der Göppinger Nordstadt. Sein Sitz ist im ehemaligen Arbeitsamt an der Ecke Freihof-/Ulrichstraße. 2004 hat die Familie Engel das Gebäude gekauft und betreibt dort als privater Schulträger eine „staatlich anerkannte Ersatzschule“. Das neue Grundstück ist eine alte Industriebrache, die man von der Straße nicht wahrnimmt. Zur Straße hin steht die 1860 gebaute Villa der gegenüber liegenden Firma Wissner. Die historischen, aber maroden Fabrikgebäude, die an der Hangkante Richtung Verbrauchermarkt stehen, können nach Auskunft Fabers allerdings nicht erhalten werden. Absicht des Bauherren sei es jedoch, die Ziegelsteine bei der Gestaltung des Eingangsbereichs am Neubau zu verwenden.
Liza Heilmeyer vom Gestaltungsbeirat ging noch einmal auf die abgeholzten alten Bäume ein und sprach von einem „schmerzlichen Verlust an Bäumen, die der Schule gutgetan hätten.“ Der dreigeschossige Neubau soll mit einer lindgrünen Fassade aus Metall versehen werden, erklärt die Architektin Sandra Golinksi. Das Aluminium „beständiger gegen Vandalismus“, sagte sie. Denn unter den jugendlichen Schülern sei Graffiti ein großes Thema. Die Mitglieder des Gestaltungsbeirats fanden hingegen einen Sockel aus Beton pflegeleichter.
Auch ansonsten ging es in der Sitzung eher um Details wie Parkplatzanordnung, die Abgrenzung zur ehemaligen Fabrikantenvilla der Firma Wissner oder die Farbe der Fassade. Die grobe Planung fanden die Beiräte gelungen und lobten, dass die Bauherren die Volumen gegenüber den ersten Plänen deutlich reduziert hatten. „Jeder Meter tut gut“, sagt Liza Heilmeyer. Beiratsvorsitzender Peter Cheret: „Dieses neue Schulhaus wird in der Öffentlichkeit stehen, deshalb tut ihm eine gewisse Eleganz gut.“ Baubürgermeisterin Eva Noller regte an, dass es bis Januar weitere Abstimmungen geben soll. Dann könnte das Bebauungsplanverfahren starten.
Private berufliche Schulen Progenius
Schule
Schulträger der Progenius Privaten Beruflichen Schulen ist das Gemeinnützige Institut für Berufsbildung Dr. Engel GmbH (ifb) mit Sitz in Ulm. Derzeit ist Progenius in der Göppinger Nordstadt an der Freihofstraße vertreten. Dort gehört dem Unternehmen seit knapp 20 Jahren das ehemalige Arbeitsamt, das zum Schulgebäude umgebaut wurde.
Bildungswege
Angeboten werden bei Progenius in Göppingen derzeit die Abschlüsse allgemeine Hochschulreife, die Fachhochschulreife und die Fachschulreife.
Standorte
Außer in Göppingen ist Progenius in Baden-Württemberg und Hessen vertreten: in Böblingen, Darmstadt, Heidenheim, Heilbronn, Karlsruhe, Offenbach, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart und Ulm. In Aalen wurde der Standort vor einigen Jahren aufgegeben.