Pro & Contra: Black Friday Kaufrausch oder Seele streicheln?

Freitag, der Schnäppchentag Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE/Christian Beutler

Wie sinnvoll oder überflüssig ist der Black Friday, der Konsumenten zum Kaufen lockt? Ein Pro und Contra unserer Redakteure.

Den letzten Tag im November ruft der Handel zum Black Friday aus, mittlerweile sogar schon die Tage zuvor zur Black Week. Die Kundschaft wird mit Schnäppchen zum Einkaufen gelockt – wie sinnvoll ist das eigentlich?

 

Ja zum Seelenstreicheltag

Christian Gottschalk meint: Man kann das Phänomen inzwischen ja sogar wissenschaftlich erklären. Dass da im Gehirn ein Stoff ausgeschüttet wird, der zu einem Glücksgefühl führt, wenn man ein gutes Geschäft gemacht hat. Oder gemacht zu haben glaubt. Schnäppchen streicheln also die Seele, irgendwie. Und der Black Friday ist somit gar nicht so düster, wie es sein Name suggeriert. Er ist ein Seelenstreichelfreitag. Ein Tag, nachdem man sich gut fühlen kann. Und da ist es dann doch fast schon egal, ob das Schnäppchen wirklich ein Schnäppchen gewesen ist.

Denn ja, natürlich, man muss schon ein wenig aufpassen. Manche Angebote nutzen dem Verkäufer mehr als dem Kunden. Aber erstens ist das an den übrigen 364 Tagen im Jahr nicht anders. Zweitens darf ein bisschen Mitdenken vorausgesetzt werden. Was ja nicht nur beim Einkaufen, sondern immer im Leben gilt. Und drittens, ist das Glücksgefühl ja nicht nur für diejenigen reserviert, die am Freitag einkaufen. Manch ein Verkäufer hat in den Coronajahren gedarbt und verdient es nun ebenso, dass seine Seele gestreichelt wird.

Und dann kommt dieser Freitag natürlich genau zur richtigen Zeit. Das gilt zumindest für all die Planenden, Vorausschauenden, Preisvergleichenden, die schon seit Mitte Mai genau wissen, was sie den Liebsten unter den Christbaum legen wollen. Wenn man schon den Geldbeutel zücken muss, dann können doch wenigstens ein paar Scheinchen stecken bleiben.

Leider ist das Datum aber auch das einzige Problem: Es bräuchte für all diejenigen, die von Weihnachten wieder einmal völlig überrascht werden, einen zweiten Seelenstreichlertag. Vielleicht am 23. Dezember.

Nein zum Kaufrauschtag

Bettina Hartmann meint: „Hammerpreise!“, „So günstig wie nie!“, „Bis zu 70 Prozent Rabatt“ – für den Black Friday ballert der Handel die Kundschaft mit scheinbar unschlagbaren Sonderangeboten zu: Man soll kaufen, ehe es zu spät ist. Und in der Tat, die Masche wirkt.

Ausgehend von den USA, wo am Tag nach Thanksgiving traditionell das Weihnachtsgeschäft startet, hat sich der Black Friday zu einem weltweiten Phänomen mit Milliardenumsatz entwickelt. Die Kunden schlagen zu. Weil die Werbung Druck macht – und weil schon das Wort Schnäppchen das Belohnungssystem im Hirn aufhorchen lässt.

Ist der neue Kaschmirpulli, Saugroboter oder Lego-Rennwagen nötig? „Was soll’s! Supergünstig ist’s allemal!“, sagt das Teufelchen im Ohr. Der Körper schüttet Glückshormone aus, man fühlt sich berauscht. Um einen Kauf kommt man kaum drumrum.

Hinterher folgt oft Katerstimmung. Denn in Wahrheit hat man nur seinen Geldbeutel belastet. Und wieder ein paar Dinge mehr im Haus, die man gar nicht braucht. Ärgerlicherweise entpuppt sich das Mega-Angebot häufig noch als überteuert erstandenes Auslaufmodell. Händler nutzen Schlussverkäufe auch, um die Lager leer zu bekommen.

Da sich der Black Friday hauptsächlich online abspielt, belastet er zudem die Umwelt, etwa durch riesige Mengen Verpackungsmüll. Sollte man ihn also boykottieren? Nein, aber sein Konsumverhalten überdenken. Es lohnt sich, rechtzeitig zu überlegen, was man wirklich braucht und möchte. Und weniger zu kaufen, dafür in Qualität zu investieren. Geiz ist nämlich nicht geil, sondern fördert die Discount-Gesellschaft. Und keine Sorge, die nächste Schnäppchen-Schlacht kommt bestimmt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Black Friday Schnäppchen Kommentar