Pro und Contra Sollen bestimmte Filme am Karfreitag nicht gezeigt werden dürfen?

Von und Jan Sellner 

Ist es ein Anachronismus oder eine Geschmacklosigkeit? Humanisten wollen an Karfreitag den Film „Das Leben des Brian“ zeigen. Dies ist verboten. Vertreter der Kirche finden die Idee auch einfach nur geschmacklos.

Eine Szene aus dem Film „Das Leben des Brian“, links der Hauptdarsteller Foto: mauritius
Eine Szene aus dem Film „Das Leben des Brian“, links der Hauptdarsteller Foto: mauritius

Stuttgart - Humanisten wollen an Karfreitag den Film „Das Leben des Brian“ zeigen – dies ist verboten. Sie wollen damit offenbar provozieren und darauf aufmerksam machen, dass in Deutschland große Teile der Bevölkerung keiner christlichen Kirche mehr angehören.

Sollen bestimmte Filme am Karfreitag nicht gezeigt werden dürfen? Unsere Ressortleiter aus dem Kultur- und dem Lokalressort haben dazu eine klare Meinung. Tim Schleider (Pro) und Jan Sellner (Contra) haben sich zu der Frage Gedanken gemacht.

Pro: Es geht auch mal alles eine Nummer leiser, bitte!

Zwei Dinge mal vorweg: „Das Leben des Brian“ ist ein sehr, sehr witziger Film und im Kern weitaus weniger ketzerisch, als es die evangelische Prälatin, aber offenbar auch die Giordano-Bruno-Crew glaubt. Und Letztere hat auf den ersten Blick vollkommen recht: Es gibt rein demokratietechnisch und völkerrechtlich überhaupt keinen habhaften Grund, warum man Menschen verbieten sollte, am Karfreitag, wenn sie es denn wünschen, diesen Film öffentlich zu schauen, oder im Club zu tanzen oder meinetwegen auf dem Bopser ein Feuerwerk zu zünden. Und trotzdem bleib’ ich ein Freund der Karfreitags-Feiertagsordnung. Ich finde, wir haben das ganze Jahr Halligalli in der Stadt, der Alltag als nicht enden wollende Kommerz-Knallerei, eben der „Unendliche Spaß“ (so ein Romantitel). Kurzum: Ich finde die zwei, drei Feiertage im Jahr, wo mal nicht „Anything goes“ regiert, absolut heilsam. Ich garantiere, wenn wir das jetzt auch noch abschaffen, wird unser Leben darum kein bisschen lustiger. Und: Ganz ohne Tradition ist auch nicht humanistisch. (Tim Schleider)

Contra: Über das aufregen, was wirklich empörend ist

Wer darauf pocht, dass Filme wie „Das Leben des Brian“ oder auch „Kalle Blomquist“ (!) am Karfreitag nicht öffentlich gezeigt werden dürfen, der möge einen Blick ins Fernsehprogramm werfen: ARD, 22.10 Uhr: „Tatort“, ZDF 20.15 Uhr: „Der Alte“. Das läuft bei den Öffentlich-Rechtlichen am Karfreitag. Überhaupt: Gewalt und Verbrechen sind im Fernsehen allgegenwärtig – auch bei den Sendern, deren gesetzlicher Auftrag in der unabhängigen Grundversorgung mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung besteht. Doch daran nimmt kaum jemand Anstoß. Wer sich „Humanist“ nennt, hätte Anlass, es zu tun, ebenso jene, denen der kirchliche Feiertag heilig ist. Oder ist Gewalt etwa nicht ketzerisch? Der aktuelle Streit zeigt nur, in welchen Widersprüchen wir uns eingerichtet haben. Über „Das Leben des Brian“ kann ich lachen, über die Provokation der Stuttgarter „Humanisten“ nur müde lächeln. Auch als Christ. Meine Empörung am Karfreitag gilt nicht Komödien, sondern den Tragödien an vielen Orten der Welt. (Jan Sellner)