Pro und Contra Muss Niclas Füllkrug jetzt von Beginn an spielen?

Niclas Füllkrug gelang gegen die Schweiz in der Nachspielzeit der Ausgleich. Foto: imago/Jan Huebner

Mit seinen Jokertoren hat sich Niclas Füllkrug bei der EM 2024 aufgedrängt. Ist nun die Zeit reif für einen Startelf-Einsatz im Achtelfinale? Ein Pro und Contra unserer Reporter.

Spätestens mit dem 1:1-Ausgleichstreffer von Niclas Füllkrug gegen die Schweiz hat die Stürmerdiskussion rund um die deutsche Mannschaft bei der EM eine neue Dynamik erhalten. Sollte Bundestrainer Julian Nagelsmann im Achtelfinale am Samstag auf Füllkrug im Sturmzentrum setzen statt wie bisher auf Kai Havertz? Unsere Reporter haben hierzu unterschiedliche Auffassungen.

 

David Scheu meint: Ja, Ein echter Mittelstürmer erweitert das offensive Repertoire entscheidend.

Keine Frage, bislang gibt der Erfolg dem Bundestrainer Recht. Niclas Füllkrug funktioniert als Joker, er trifft verlässlich nach Einwechslungen. Aber: Niemand sollte sich darauf verlassen, dass diese Rechnung weiter aufgeht. Nicht jedes Mal gelingen Tore in so wenigen Einsatzminuten wie gegen die Schweiz, als Füllkrug erst in der Nachspielzeit traf – das hätte auch schief gehen können. Dass mehr Spielzeit des Stürmers die Chance auf Tore erhöhen würde, legt seine starke Quote nahe – alle 58 Minuten hat er bisher im Nationaltrikot getroffen, auch Startelf-Einsätze waren hier dabei.

Auf die Treffsicherheit alleine lässt sich der Einfluss des Dortmunder Angreifers aber nicht reduzieren. Das deutsche Spiel mit Füllkrug ist ein anderes, ein schwerer auszurechnendes. Gegen die Schweiz ergaben Flanken in der Endphase auf einmal Sinn, weil sie im Zentrum einen kopfballstarken Abnehmer hatten. Das muss mitnichten eine Absage an das Kombinationsspiel durchs Zentrum sein, Jamal Musiala und Florian Wirtz können ja weiter wirbeln. Füllkrug aber hat in seinen Einsätzen bei der EM das deutsche Offensivrepertoire entscheidend erweitert – und den Wert eines echten Mittelstürmers und Zielspielers aufgezeigt.

Kai Havertz ist das nicht, er entwickelt Torgefahr eher nach Pässen in die Tiefe. Es ist deshalb an der Zeit für einen Wechsel im Sturm. Für BVB-Profi Füllkrug wäre ein Startelf-Einsatz im Achtelfinale in seinem Heimstadion in Dortmund fraglos eine ganz besondere Sache, womöglich auch ein Motivationsschub. Dieses emotionale Argument aber braucht es gar nicht. Niclas Füllkrug muss am Samstag unabhängig davon von Beginn an spielen. Aus sportlichen Gründen.

Carlos Ubina meint: Nein, mit einer klassischen Neun wird das deutsche Spiel eindimensionaler.

Keine Frage, es gibt gute Gründe für den Bundestrainer, den Angreifer Niclas Füllkrug vom Anpfiff weg in das Sturmzentrum zu stellen. Dafür reicht schon allein der Hinweis auf dessen Torquote – in Verein und Verband. Der 31-Jährige hat nach anfänglichen Schwierigkeiten in Dortmund eine beachtliche Saison auf höherem Niveau als zuvor in seiner Karriere gespielt. Und an seiner Präsenz im Strafraum ist nicht zu mäkeln, vor allem wenn der Ball hoch hereinfliegt.

Die Nationalelf von Julian Nagelsmann spielt aber nun mal flach. Von hinten heraus und auch vorne passen die Außenverteidiger die Kugel oft mit Graskontakt nach innen. Für diese Spielidee stellt der Bundestrainer Kai Havertz auf die Neun. Ein flexibler Techniker, der diese Rolle auch beim FC Arsenal ausfüllt. Bestens, während der 25-Jährige in der Nationalmannschaft gerne unterschätzt wird – oder seine Fähigkeiten nicht zum Tragen kommen.

Lange musste Havertz nach seiner Position in der Nationalelf suchen. Die Irrungen der Bundestrainer haben den Hochbegabten sogar mal kurz auf den Posten des Linksverteidigers gebracht. Doch der Offensivallrounder fühlt sich jetzt als Mittelstürmer. Nagelsmann hat ihm dieses Rollenprofil in der Stammbesetzung zugeschrieben. Das schafft Vertrauen.

Füllkrug sollte dagegen die Spezialkraft dahinter bleiben. Mit der Stoßrichtung, Abwehrreihen durchbrechen und überspringen zu können. Und seien wir ehrlich: Mit einer klassischen Neun wird das Spiel nicht variabler. Es wird eindimensionaler. Das hat auch Borussia Dortmund erkannt. Füllkrugs Arbeitgeber sucht ja gerade deshalb einen weiteren Mittelstürmer auf dem Transfermarkt, weil variabler gespielt werden soll.

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