Pro und Kontra zum Akademiehof Ludwigsburg Mit Polizei und Flutlicht gegen die Jugend?

Die Polizei ist auf dem Akademiehof präsent – zu oft? Foto: Simon Granville/Simon Granville

Seit seiner Eröffnung gibt es immer wieder Probleme auf dem Akademiehof, einem zentralen Ludwigsburger Platz – zuletzt wieder häufiger. Darauf reagieren Stadt, Polizei und Hochschulen. Aber welcher Weg ist der richtige?

Ludwigsburg - Lange gibt es den Akademiehof in Ludwigsburg eigentlich noch nicht. 2009 wurde er eröffnet – und erhitzt seitdem immer mal wieder die Gemüter. Politik und Polizei haben bislang noch keine Lösung für die Probleme gefunden, erhöhen nun aber den Druck auf diejenigen, die nur kommen, um nachts Krawall zu machen. Darunter leiden auch andere, die sich einfach treffen und eine gute Zeit verbringen wollen.

 

Ist das Vorgehen von Polizei und Ordnungsamt auf dem Akademiehof zu hart? Werden unschuldige Jugendliche und junge Erwachsene gar kriminalisiert? Ein Für und Wider.

Pro Flutlicht und Polizeipräsenz: Der richtige Weg (Michael Bosch)

Die Verantwortlichen tun gut daran, den Akademiehof nicht sich selbst zu überlassen.

Mehrfach hat die Polizei in den vergangenen Wochen den Akademiehof geräumt. Vielen mag das übertrieben erscheinen. Nur, haben die Ordnungshüter eine Wahl? Den Akademiehof einfach sich selbst zu überlassen und dem Treiben nur zuzusehen, ist jedenfalls keine Option. Denn wer einmal einen Abend dort verbracht hat, der weiß: Es ist teils ein schmaler Grat zwischen fröhlicher Feier und fliegenden Flaschen. An einer Eskalation ändern im Zweifel auch ein paar Sozialarbeiter nichts.

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Für Verwaltung und Polizei ist die Situation ein Balanceakt. Auf der einen Seite möchten sie der Jugend – was richtig ist – weiter Raum geben, sich zwanglos zu treffen, auf der anderen Seite „einigen Chaoten“, von denen immer wieder die Rede ist, Einhalt gebieten. Andere Städte machen es sich leichter: In Stuttgart werden Plätze, an denen sich die Jugend sammelt, abgesperrt. Die Stadt tut gut daran, ein vermeintlich milderes Mittel zu wählen. Zusätzliche Scheinwerfer sollen helfen, das Treiben – droht es aus dem Ruder zu laufen – schnell zu beenden. Um die Lage einzuschätzen, müssen Beamte regelmäßig vorbeischauen – das ist aber allemal besser, als den Platz ganz dicht zu machen.

Contra Flutlicht und Polizeipräsenz: Das falsche Signal (Karin Götz)

Der Einsatz von Scheinwerfern rückt die jungen Menschen undifferenziert in die Ecke von Kriminellen.

Die vergangenen Wochen lassen den Brennpunkt Akademiehof wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Zu Recht. Denn für Gewalt, Alkohol, Drogen, Belästigungen darf es keinen Raum geben. Nicht in Ludwigsburg und nicht anderswo. Den Platz zu räumen und die jungen Leute im großen Stil mit Scheinwerfern zu vertreiben, ist jedoch der falsche Ansatz. Er greift zu kurz und wirkt beinahe wie ein Akt der Hilflosigkeit. Die Stadt sollte gezielt in mobile Jugendarbeit investieren – auch wenn das kostet. Polizeipräsenz ja, doch mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, wäre eine konsequente Präsenz von Sozialarbeitern auf dem Platz. Ein Signal an die jungen Menschen, ihr seid uns wichtig. Wir sind da für euch. Wir wissen um eure Situation. Und wir scheren nicht alle über einen Kamm. Wir differenzieren.

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Die Verantwortlichen täten gut daran, auf Katja Bodinek zu hören, die weiß, was es mit einem jungen Menschen macht, wenn er mit Scheinwerfern vertrieben wird und das Gefühl hat, nichts mehr zu dürfen. Die Jugendlichen sind die Verlierer der Pandemie. Diese Erkenntnis darf nicht nur in warmen Worten formuliert werden. Es müssen auch Taten folgen.

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