Pro und Kontra zum Handyverbot Kontra von Daniela Eberhardt: Unzeitgemäß

„Ich muss wirklich aufs Klo“, beschwert sich Kater Tom. Kurz darauf fragt er scheinheilig: „Hast du mich vergessen?“ „Die Eier können eingesammelt werden“, fordert mich meine virtuelle Farm bei Hay Day auf. Und die Ernte sei ebenfalls reif. Mein Handy ist zurzeit sehr mitteilsam. Per SMS erfahre ich, mehr oder minder freiwillig, den aktuellen Spielstand meiner Tochter, die sich gern mal mein Mobiltelefon ausleiht. Das Handy piept, und ich sende ein Stoßgebet zum Himmel, dass in ihrer Grundschule ein Handyverbot herrscht.

Schülern einen verantwortungsvollen Umgang zutrauen

Was die weiterführende Schule angeht, halte ich allerdings nichts von einem generellen Handybann. Von Schülern, die das Periodensystem der Elemente und die physikalischen Grundgesetze lernen, werde ich doch wohl erwarten können, dass sie einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Mobilfunkgerät beherrschen. Dazu gehört selbstverständlich, dass es während des Unterrichts und in der Regel möglichst auch in den Pausen im Rucksack stecken bleibt.

Ganz ehrlich: können wir Erwachsene uns heute ein Leben ohne Handy vorstellen? Wie praktisch ist es doch, kurz per SMS Bescheid zu geben, dass es etwas später wird. Und wie oft war es schon ein Segen, auch unterwegs erreichbar zu sein. Unsere Kinder wachsen in einer Generation auf, in der das Handy selbstverständlich zum Familienalltag gehört. Und da soll es in der Schule komplett verboten sein? Das halte ich nicht nur für unzeitgemäß, sondern auch für illusorisch.

Wir wohnen nicht in der Stadt, meine Tochter wird später ihre weiterführende Schule nur mit Bus und Bahn erreichen können. Die S-Bahn fährt jede halbe Stunde, der Bus pendelt meist sogar bloß im Stundentakt. Im Falle eines Falles, und das ist für mich das entscheidende Argument, möchte ich, das mein Kind mich kurz anrufen oder mir eine SMS schicken kann: „Mama, hab’ die Bahn verpasst.“

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