Pro und Kontra zum Modetrend Jumpsuit Der Strampler: bequem oder bescheuert?

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Jumpsuit, Einteiler, Overall oder Onesie: es gibt viele Begriffe für den Anzug, der auf immer mehr Sofas anzutreffen ist. Gleichzeitig formiert sich eine Front, die den Trend als infantil abtut. Eine nicht ganz ernstzunehmende der Betrachtung der StZ.

An dem Einteiler scheiden sich die Geister. Die einen schwören auf den gemütlichen Anzug, die anderen tun ihn als infantilen Quatsch ab. Foto: One Piece
An dem Einteiler scheiden sich die Geister. Die einen schwören auf den gemütlichen Anzug, die anderen tun ihn als infantilen Quatsch ab. Foto: One Piece

Stuttgart - Zuletzt hieß es, der neueste Trend sei Normcore. Angesagte New Yorker versuchten, so auszusehen wie Touristen, sagen wir mal, aus Buxtehude. Hauptsache unauffällig. So normal wie möglich, daher auch der Name (Normcore ist eine Wortmischung aus normal und hardcore, also harter Kern). Birkenstock und Holzfällerhemden, beigefarbene Jacken und Pullover ohne Markenaufdrucke.

Dazu passen Mom-Jeans, die es seit Kur- zem in immer mehr Läden zu kaufen gibt: karottenförmig geschnittene Hosen mit hohem Bund, wie man sie in den 80er und 90er Jahren getragen hat und von denen man geglaubt hatte, dass sie nie wieder in Mode kommen würden.

Aber wo ein Trend ist, gibt es auch einen Gegentrend. Und dieser nennt sich LOL-Core, abgeleitet von der englischen Abkürzung (LOL) für „Laughing Out Loud“, zu Deutsch: laut lachen. Auf die Mode übertragen sind damit Kleidungsstücke gemeint, über die man auch mal schmunzeln darf. Das können Oberteile sein, auf denen große Sprechblasen mit Comicausrufen abgebildet sind, Handtaschen in Form von Törtchen oder Ballerinas, die mit einem Mäusegesicht und Ohren bestickt sind. Die Teile sind meistens bunt oder auf andere Art auffällig und laut.

Auch die Redaktion der StZ ist gespalten

So wie Jumpsuits oder Onesies, um die es hier geht und die auch zu LOL-Core gezählt werden. Es ist nicht ganz klar, wann die Ganzkörpereinteiler aufgekommen sind, aber fest steht, dass sie polarisieren (auch die Redaktion der StZ, wie in dem Pro & Kontra zu sehen ist). Doch manche Prominente bekennen sich nicht nur öffentlich zu den Strampelanzügen, sie führen selbige auch öffentlich Gassi, Katy Perry zum Beispiel, Lilly Allen, Sadie Frost, Miley Cyrus und der vor Testosteron strotzende Fußballer Mario Balotelli (er hat im Camouflage-Strampler neben seinem Bentley posiert).

Jumpsuits gibt es einfarbig, bunt, billig, teuer, mit Tiermotiven (inklusive Ohren), Flaggen oder Pizzen bedruckt. In der Öffentlichkeit werden sie gerne im Rudel getragen (dann fällt es leichter, sich zu überwinden, und man wird nicht als Einzige angestarrt und ausgelacht). Zum Beispiel bei Junggesellinnenabschieden am Samstagabend auf der Königstraße, an Fasching sowieso und inzwischen sogar auch freitagabends in Clubs – wobei das immer auf die Türsteher ankommt.

Dabei ist es gar nicht so einfach, Jump­suits in Stuttgart zu kaufen. Magdalena Seiffer hat jedenfalls lange gesucht, bis sie einen gefunden hat. „Das ist mir zwar ein bisschen peinlich, aber ich habe ihn bei Primark gekauft“, sagt die 16-jährige Schülerin. Sie glaubt aber, dass es bald in vielen Läden die Einteiler gibt. „In meinem Freundeskreis haben immer mehr Leute einen Onesie. Die meisten tragen ihn aber nur zu Hause. Meine Eltern haben mir verboten, damit in die Schule zu gehen.“

In Skandinavien ist der Einteiler beliebter als hier

Dort, wo es oft kalt ist, sind sie besonders beliebt und groß geworden: in Skandinavien. Die Marke One Piece aus Norwegen bewirbt ihre Produkte denn auch mit dem Motto „Stay in your comfortzone“. Ähnlichen Erfolg verbucht das schwedische Label Oneswe mit seinen Einteilern. Ein Berliner Paar versucht, nach seinem Skandinavienurlaub den Erwachsenenstrampler unter dem Namen Strumpla in Deutschland alltagstauglich zu machen.

Die Bezeichnung Jumpsuit gab es übrigens schon vor diesem infantilen Trend. Er bezeichnet ursprünglich die Kleidung, die Fallschirmspringer tragen. Auch Overalls ist ein alter Begriff und war bisher meistens im Zusammenhang mit Astronauten, Skifahrern und Müllmännern in Gebrauch.

Wer sich fragt, ob ihm ein Jump-suit steht, kann natürlich einen anprobieren oder auf den Rat einer Modebloggerin hören. Die sagt, dass sehr kleinen Frauen von den Einteilern abzuraten sei, weil diese in den Jumpsuits schnell untergingen. Allerdings sei der Overall nicht nur Magermodels vorbehalten. Auch fülligere Frauen könnten das tragen – wenn die Taille nicht zu sehr betont wird . . .

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