ExklusivPro und Kontra zum verkaufsoffenen Sonntag Idee für verkaufsoffenen Sonntag umstritten

Der Anlass für den bislang letzten verkaufsoffenen Sonntag in der Stuttgarter Innenstadt war die Fußball WM 2006. Foto: Achim Zweygarth
Der Anlass für den bislang letzten verkaufsoffenen Sonntag in der Stuttgarter Innenstadt war die Fußball WM 2006. Foto: Achim Zweygarth

Den bislang letzten verkaufsoffenen Sonntag gab es in der Stuttgarter Innenstadt zur Fußball-WM 2006. Nun könnte es erneut einen Shopping-Sonntag in der City geben – mit einem weit weniger denkwürdigen Anlass.

Lokales: Sven Hahn (hah)
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Stuttgart - Das probate Mittel gegen die Konkurrenz aus dem Internet – genau das soll der ­verkaufsoffene Sonntag sein. Mit diesem Argument zumindest will die City-Initiative Stuttgart (CIS) dafür werben, dass die Geschäfte in der Innenstadt am 2. Oktober des kommenden Jahres geöffnet haben. Kritische Stimmen kommen jedoch nicht allein von den Kirchen, sondern auch vom Handel selbst.

„Es besteht eindeutig der Bedarf, sonntags Waren zu erwerben“, analysiert Bettina Fuchs, die Stuttgarter Citymanagerin. Aus zahlreichen Untersuchungen sei bekannt, dass die Bestellraten im Onlinehandel sonntags am höchsten sind. Die CIS hat aus diesem Grund alle Händler innerhalb des Cityrings angeschrieben und deren Bereitschaft abgefragt, 2016 erneut einen verkaufsoffenen Sonntag in Angriff zu ­nehmen. Doch trotz stagnierender ­Umsätze im stationären Handel und anhaltender Zuwächse im Internet ist in der ­Innenstadt offenbar nur jeder zweite ­Einzelhändler bereit, mitzumachen.

Menschen für die Innenstädte begeistern

„Wenn wir dieses Format wieder aufleben lassen, muss es ein Erfolg werden“, sagt Fuchs. Als Gewinn würde es die Citymanagerin wohl werten, wenn im Oktober 2016 möglichst viele Händler der Stadt tatsächlich ihre Läden öffnen würden. „Wir versuchen gerade, diejenigen, die momentan skeptisch sind, mit einem Motivationsschreiben umzustimmen“, erklärt Fuchs. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir die Menschen für die Innenstädte begeistern, um den Wachstumstrend im Online-Handel zumindest ein Stückchen auszubremsen“, erklärt sie und fügt hinzu: „Das ­gelingt aber nur, wenn man gemeinsam etwas auf die Beine stellt.“

Kritik an den Plänen kommt ausgerechnet von etablierten, alteingesessenen ­Betrieben. „Es ist nicht so, dass wir es nicht nötig hätten“, heißt es aus der Chefetage eines traditionsreichen Modegeschäfts mit der Bitte, den Namen der Firma nicht zu nennen. „Doch wir wollen das unserer ­Belegschaft nicht aufbürden.“ Viele Mitarbeiter hätten Familie, darauf wolle man Rücksicht nehmen, so die Argumentation.

Kritik der Kirchen

Erwartungsgemäß kritisieren die Kirchen die Pläne, den Sonntag für den Einzelhandel in der City erneut zu öffnen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir in Bezug auf die Familie und die Gesellschaft einen Tag in der Woche brauchen, der dem Konsum entzogen ist“, erklärt der evangelische Stadtdekan Søren Schwesig und zeigt zugleich Verständnis für die ­Bemühungen der CIS. „Ich habe große Sympathie für den Handel und entscheide mich beim Einkaufen ganz ­bewusst gegen das Internet, um meinen Beitrag für eine lebendige Innenstadt zu leisten“, erklärt der Stadtdekan. Angesichts der Entwicklung im Netz sei es für ihn deutlich schwieriger geworden, kategorisch Nein zu einem verkaufsoffenen Sonntag zu sagen, als noch vor zehn Jahren, gibt Schwesig offen zu. „Trotzdem wiegt das gesellschaftliche Interesse für mich noch schwerer als das der Händler“, sagt er.

Fakt ist, die CIS ist bei ihrem Bestreben auf eine breite Zahl an Mitstreitern angewiesen. Nach dem Ladenöffnungsgesetz ist es im Südwesten nur erlaubt, „Verkaufsstellen aus Anlass von örtlichen Festen, Märkten, Messen oder ähnlichen Veranstaltungen an jährlich höchstens drei Sonn- und Feiertagen“ zu öffnen. Einfach nur die Tür aufsperren und auf Kunden warten, reicht also nicht. Ein Rahmenprogramm muss organisiert werden. Die Kosten werden auf bis zu 80 000 Euro geschätzt. Umso breiter sich die finanzielle Belastung verteilen lässt, desto besser für die Händler.

Fokus auf lange Einkaufsnächte

Der bislang letzte verkaufsoffene Sonntag in der Innenstadt wurde zur Fußball Weltmeisterschaft 2006 veranstaltet. Danach wurde dass Event zu Gunsten der langen Einkaufsnächte, die samstags stattfinden, nicht weiter betrieben. Um die Veranstaltung am ersten Sonntag im Oktober 2016 tatsächlich wiederbeleben zu können, muss Bettina Fuchs spätestens Mitte September einen entsprechenden Antrag beim Amt für öffentliche Ordnung stellen. „Wir haben uns noch nicht endgültig entschieden“, sagt Fuchs auf Anfrage und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass wir noch viele Händler für unsere Idee gewinnen können.“

Ist der Antrag einmal bei der Stadt ­eingegangen, prüft das Amt den Termin – Osterfeiertage oder Weihnachten sollen außen vor bleiben – und holt die Meinung der Kirchen, Gewerkschaften und Handelsverbände ein. Am Ende entscheidet das Amt dann selbst über die Genehmigung. „Ich sehe keinen Grund für eine Ablehnung, sollte der Antrag aus der Innenstadt kommen“, sagt Amtsmitarbeiter Klaus Kaiser. Denn nach einem Beschluss des Gemeinderats seien zwei verkaufsoffene Sonntage pro Stadtbezirk grundsätzlich möglich, so Kaiser weiter.




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