Problem beim Autokauf Rabenschwarzes Autojahr in Sicht

Der Tesla Model 3 war im vergangenen Jahr das meistverkaufte E-Auto in Deutschland. Foto: picture alliance//pa

Der vom Chipmangel verursachte Engpass in der Produktion verursacht lange Lieferfristen und weiter steigende Preise. Das Kfz-Gewerbe im Südwesten rechnet mit einem Rückgang der Pkw-Neuzulassungen um mehr als zehn Prozent in diesem Jahr.

Nach einer sehr schwachen ersten Hälfte zeichnet sich ein rabenschwarzes Jahr auf dem deutschen Automarkt ab. „Es gibt beim Neuwagenverkauf im Vergleich zum Vorjahr bislang keine Entschärfung der Lage. Die Situation bleibt angespannt und in der zweiten Hälfte dieses Jahres ist keine Besserung in Sicht“, sagte Michael Ziegler, Verbandschef des Kraftfahrzeuggewerbes im Südwesten in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Ziegler rechnet wie etliche andere Branchenexperten damit, dass die Pkw-Neuzulassungen nach dem ohnehin schwachen Vorjahr 2022 um mehr als zehn Prozent einbrechen werden.

 

Wie das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte, kamen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt rund 1,2 Millionen Autos neu auf die deutschen Straßen. Das waren elf Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

In diesem Juni allein wurde mit rund 225 000 Neuzulassungen das zweitniedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung – bezogen auf diesen Sommermonat – verzeichnet. Weniger waren es nur im Juni 2020, als harte Coronamaßnahmen zu einem massiven Einbruch auf dem Neuwagenmarkt führten. Die Marke Mercedes-Benz erreichte im Juni gegen den negativen Trend ein Plus von 9,5 Prozent bei den Neuzulassungen, der Porsche verbuchte ein Minus von 3,5 Prozent.

Der Mangel an Chips verursacht lange Lieferfristen

Die schwache Zwischenbilanz in diesem Jahr ist nicht auf eine fehlende Nachfrage, sondern auf ein zu knappes Angebot zurückzuführen. Der Mangel an Chips behindert weiterhin die Produktion, hinzu kommen fehlende Zulieferteile aus der Ukraine. Der Engpass führt dazu, dass die Hersteller und die Händler auf einem dicken Auftragspolster sitzen und Kunden viel länger als üblich auf ihren neuen Wagen warten müssen. „Die Autohäuser haben nach wie vor enorm hohe Auftragsbestände, die zum Teil mehr als das Doppelte des Normalniveaus übersteigen“, erläutert Michael Ziegler vom Landesverband des Kfz-Gewerbes.

Lieferfristen von drei bis vier Monaten seien normal, so der Branchensprecher. Derzeit seien die Lieferfristen bei allen Herstellern jedoch deutlich länger. Zum Teil müssten Autokäufer bei manchen Modellen ein Jahr oder länger auf ihren Neuwagen warten, auch wenn die Auftragseingänge insbesondere bei den Bestellungen von Privatkunden laut Ziegler mittlerweile deutlich abnehmen.

Die Autos werden immer teurer

Die Knappheit führt dazu, dass Rabatte derzeit kein Thema sind und die Preise steigen. Verbandspräsident Ziegler rechnet mit weiter steigenden Preisen. Das meint auch Ferdinand Dudenhöffer, der Chef des Duisburger Forschungsinstituts CAR. „Autos werden auch in den nächsten Monaten deutlich teurer, denn die Autobauer werden Materialpreissteigerungen mit in die Listenpreisrunden aufnehmen“, sagt Dudenhöffer.

Die Chipkrise sei längst auch im Elektrosegment angekommen und bremse dort ebenfalls die Produktion, sagt der Autoexperte Peter Fuß vom Beratungsunternehmen EY. Die Autobauer hatten zunächst lange versucht, die knappen Chips – wo es technisch möglich ist – von den Verbrennern zu den Stromern umzuleiten, um ihre Elektrooffensiven nicht zu gefährden.

Plug-in-Hybride sind weniger gefragt

Die Neuzulassungen reiner Elektroautos nahmen im Juni gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent ab. Bei den Plug-in-Hybriden mit kombiniertem Antrieb aus Verbrenner und Elektromotor gab es einen wesentlich deutlicheren Rückgang um 16,3 Prozent. Peter Fuß wies darauf hin, dass bei den Plug-in-Hybriden auch die Diskussion über ein Auslaufen der staatlichen Kaufprämien in der rot-grün-gelben Berliner Regierungskoalition die Bestellungen bremse. „Immer deutlicher zeigt sich, dass die Blütezeit dieser Antriebsart offenbar relativ kurz war“, meint der Autoexperte von EY. Ohne Steuerbonus und Umweltprämie dürften Plug-in-Hybride nach seiner Einschätzung deutlich weniger attraktiv sein – gerade für Dienstwagenfahrer.

Zusätzliche Verunsicherung verursacht nach Angaben von Kfz-Verbandschef Ziegler, dass für die Förderzusage nicht der Zeitpunkt der Bestellung eines Wagens mit Hybridantrieb, sondern die Auslieferung entscheidend ist. Mancher Käufer könnte leer ausgehen, wenn er seinen Wagen mit Hybridantrieb erst im nächsten Jahr erhält, weil die Lieferfristen sehr lang sind. „Die Förderung war bei den Kunden aber mit einkalkuliert und war Grundlage der Kaufentscheidung“, kritisiert Ziegler.

Weitere Themen