Problem in Möhringen Gänse machen viel Dreck am Probstsee

Der Probstsee ist im Frühjahr eine Kinderstube für Graugänse. Foto: Alexandra Kratz

Die Wasservögel haben sich rund um das Möhringer Kleinod stark vermehrt. Das führt zu Beschwerden. Was tut die Stadt Stuttgart dagegen?

Edeltraud Bertsch liebt den Möhringer Probstsee. Er sei ein kleines Juwel auf der wasserarmen Filderebene und ein beliebtes Naherholungsgebiet. Doch leider gerate der See „immer mehr aus dem ökologischen Gleichgewicht durch vor einigen Jahren zugewanderte Gänse“, die sich stark vermehren würden. Edeltraud Bertsch hat beobachtet, dass die Tiere gern Ausflüge in die umliegenden Felder und Wiesen und neuerdings auch schon in die Gärten machen. „Damit hinterlassen sie auf den Wegen große Kotmengen, denen Fußgänger, Radfahrer, Rollatoren und Rollstühle kaum ausweichen können“, erzählt Edeltraud Bertsch und fügt hinzu: „Ich will diesen Dreck weder mit meinen Schuhen noch mit dem Rollator in mein Zimmer tragen.“

 

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Die Seniorin weiß: „Die schönen Tiere können nichts dafür, und viele Leute freuen sich über die Vielfalt an Wasservögeln.“ Aber Mensch und Natur müssten sich den weniger werdenden Lebensraum teilen, und es liege an der Stadt, ein Gleichgewicht zu erhalten.

Auch in Freibädern fühlen sich die Gänse wohl

Die Pressestelle bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Im gesamten Stadtgebiet und weit darüber hinaus ist eine stark steigende Gänsepopulation insbesondere bei Nilgänsen, aber auch bei den Graugänsen zu verzeichnen.“ Auch in den Freibädern fühlten sie sich mittlerweile wohl, und vielerorts würden sie wegen ihrer Exkremente als problematisch empfunden. Zudem gebe es Probleme durch Fraßschäden an landwirtschaftlichen Flächen.

Dies alles sei der Stadtverwaltung bekannt. Dennoch sehe man die Zahl der Gänse derzeit noch nicht als kritisch an. Die Besucher des Probstsees, wo vor allem Graugänse beheimatet seien, könnten selbst einen kleinen Beitrag dazu leisten, um die Zahl der Tiere nicht noch mehr steigen zu lassen: „Indem sie Wasservögel nicht füttern“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.

Theoretisch können Krankheitserreger im Gänsekot sein

Auf die Frage, ob von den Hinterlassenschaften der Tiere eine Gefahr für die Gesundheit ausgehe, antwortet die Stadt: „Theoretisch kann der Gänsekot wie auch anderer Vogelkot Erreger enthalten, die auch Menschen befallen“, so zum Beispiel Influenza-Viren, Salmonellen oder Chlamydien, die Erreger der Ornithose oder Papageienkrankheit. Momentan sei aber nicht bekannt, dass ein solcher Erreger in der Population grassiere. Eltern sollten ihre Kinder aber dennoch dazu anhalten, nach dem Spielen im Freien die Hände zu waschen.

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Im Fall des Probstsees könne bei vielen Gänsen auch die im Wasser anfallende Kotmenge problematisch werden, räumt die Stadtverwaltung ein. Denn weil der See nicht durch einen Bach gespeist werde, verbleiben die durch den Kot eingebracht Nährstoffe im Wasser. Sie können so zu einem übermäßigen Algenwachstum und im schlimmsten Fall im Sommer bei Sauerstoffmangel zu einem Umkippen des Gewässers führen. Dann ersticken in dem See die Fische. Daten zur aktuellen Gewässerbelastung und damit zur aktuellen Gefährdung der Fische seien aber nicht bekannt, schreibt die Stadt.

Dürfen die Gänse geschossen werden?

Maßnahmen gegen die Gänse sind nur im Einklang mit dem Gesetz möglich. Nilgänse, Graugänse und Kanadagänse unterliegen dem Jagdrecht, können also unter Berücksichtigung der Schonzeiten grundsätzlich geschossen werden. Das Regierungspräsidium erarbeitet derzeit in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Fachämtern eine Konzeption zur Populationskontrolle. Eine Bejagung mit Schusswaffen direkt am Probstsee sei aufgrund der dortigen Bebauung und der starken Frequentierung der nahen Feldwege durch Fußgänger und Radfahrer aus Sicherheitsgründen aber „sehr schwierig bis unmöglich“. Zudem könnten dort ansässige unter Artenschutz stehende Vogelarten durch die Jagd beeinträchtigt werden.

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Nilgänse, die als invasive Art gelten, am Probstsee aber nur selten vorkommen, sollen künftig stärker bejagt werden können. Grundlage dafür ist eine zum 1. Juli 2021 eingeführten Rechtsänderung. Diese sieht vor, die Jagd auf Jungtiere einschließlich des Eingriffs in Nester und Lebensräume auch außerhalb der Jagdzeiten zuzulassen. Allerdings muss dafür eine von der unteren Jagdbehörde genehmigte Gänse-Managementkonzeption vorliegen. „Konkrete Festlegungen, welche Kriterien diese erfüllen muss, damit sie von der unteren Jagdbehörde genehmigt werden kann, stehen vom Gesetzgeber, dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, noch aus“, schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme.

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