Am Eugensplatz ereignen sich in einer SSB-Baustelle in zwei Wochen drei ähnliche Verkehrsunfälle. Trotz Beschilderung wird das Durchfahrtsverbot missachtet oder übersehen.
Sebastian Steegmüller
28.10.2025 - 11:05 Uhr
Am Eugensplatz in Stuttgart-Ost sind in den vergangenen zwei Wochen drei Autofahrer bei Dunkelheit mit ihren Wagen in einer Baustelle der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gelandet und dort stecken geblieben. Dass das wiederholt passiert ist, wirft Fragen nach der Verkehrssicherheit und der Eindeutigkeit der Warnhinweise auf.
Zuletzt musste am vergangenen Montag der BMW eines 54 Jahre alten Mannes mithilfe eines Abschleppwagens aus dem offenen Gleisbett gehoben werden. Er war gegen 6 Uhr bergab in Richtung Innenstadt unterwegs. Bereits am Mittwoch, 22. Oktober, war ein Suzuki eines 85-Jährigen aus der SSB-Baustelle abgeschleppt worden, der gegen 18.45 Uhr in derselben Richtung unterwegs gewesen war. Am Montag, 13. Oktober, konnte eine 82 Jahre alte Frau ihren VW nicht mehr eigenständig von den Schienen befreien. Sie war gegen 20.30 Uhr stadtauswärts unterwegs gewesen.
Während der VW im Gleisbett steckte, fuhren mehrere Fahrzeuge durch die Baustelle. Foto: privat
Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand. Die Schadenhöhe an den Fahrzeugen ist nicht bekannt, Flüssigkeiten sind nicht ausgelaufen. Im Gleisbereich entstand kein Schaden. Während der Bergungsarbeiten kam es jeweils für mehr als zwei Stunden zu Behinderungen im Bereich der Stadtbahnlinie U 15. Die Unfallursachen sind unklar.
In Stuttgart-Ost wird die Vollsperrung der Alexanderstraße im Haltestellenbereich bereits an der Geroksruhe angekündigt und auf die Umleitung hingewiesen. Aus Richtung Innenstadt kommend passieren Autofahrer ab dem Olgaeck mehrere Warnbaken und Durchfahrtsverbotsschilder, bis sie den Bereich der Baustelle erreichen. Lediglich Stadtbahnen dürfen den Bereich in beide Richtungen befahren.
Baustelle von Ordnungsamt abgenommen
Die Polizeisprecherin Kara Starke relativiert jedoch die mögliche Schuld der Autofahrer. Sie verweist auf die Einschätzung einer Kollegin der Verkehrspolizei, die die Baustelle wegen der Häufung der Unfälle unter die Lupe genommen habe. Deren Befund: „Es ist alles richtig beschildert. Aber gerade bei Dunkelheit ist es schwer zu erkennen, dass das Gleisbett dort aufgegraben ist“, sagt Starke.
Die SSB sehen sich hingegen auf der sicheren Seite. Die Unternehmenssprecherin Birgit Kiefer betont auf Anfrage: „Die Ausschilderung rund um den Eugensplatz entspricht dem Verkehrszeichenplan, der die Anordnung und Art von Verkehrszeichen sowie die Sicherungsmaßnahmen festlegt. Diese verkehrsrechtliche Anordnung zur Einrichtung und Absicherung der Baustelle wurde vom Amt für öffentliche Ordnung abgenommen“, sagt Kiefer.
Viel Zeit zum Nachbessern bliebe aber ohnehin nicht. Die Arbeiten sollen laut Baustellenkalender der Stadt in dieser Woche abgeschlossen werden.
Dass der ein oder andere Verkehrsteilnehmer das Durchfahrtsverbot nur als Empfehlung ansieht, hat sich indes beim ersten Unfall gezeigt. Während die Polizisten auf den Abschleppdienst warteten, fuhren drei Autofahrer innerhalb von sechs Minuten durch die Baustelle und direkt an den Beamten vorbei. Stadteinwärts war das Gleisbett noch nicht geöffnet und die Fahrbahn noch intakt. Eine Anzeige erhielten sie dennoch.