Probleme bei der Briefzustellung So ungewöhnlich entschuldigt sich die Post für den Ärger

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Laut Bundesnetzagentur ist der Ärger über Probleme bei der Postzustellung 2019 erneut gewachsen. Auch auf den Fildern hat es viel Kritik gegeben. Die Post hat sich nun als Entschuldigung etwas Besonderes einfallen lassen.

Selbst wenn der Brief richtig frankiert gewesen ist, ist der eine oder andere in den vergangenen Wochen nicht angekommen. Foto: Horst Rudel
Selbst wenn der Brief richtig frankiert gewesen ist, ist der eine oder andere in den vergangenen Wochen nicht angekommen. Foto: Horst Rudel

Degerloch - Charlotte Schuh war völlig perplex. Dieser Tage klingelte es an ihrer Haustür, und als sie öffnete, stand der Briefträger davor. Er übergab ihr persönlich die aktuelle Post. Das allein war schon bemerkenswert. Noch mehr staunte die Heumadenerin aber, als ihr der junge Mann auch noch ein Schreiben der Deutschen Post übergab, dem zehn Briefmarken beigelegt waren. Damit wollte sich das Unternehmen bei seiner Kundin für die Probleme bei der Zustellung in den vergangenen Wochen entschuldigen.

Anfang Januar hatte sich Charlotte Schuh schriftlich bei der Deutschen Post beschwert. Denn sie hatte lediglich am 20. Dezember, dann erst wieder am 30. Dezember und schließlich am 3. Januar Post bekommen. Alle Abonnements von Zeitschriften fehlten, die Kontoauszüge kamen nicht, von Weihnachtspost ganz zu schweigen, formulierte sie in ihrem Brief. Das Problem betraf nach Schuhs Einschätzung die gesamte Straße, wenn nicht gar komplett Heumaden. „Es war ein Flächenbrand“, sagt sie auf Nachfrage. Doch nun habe sich die Post „doppelt und dreifach entschuldigt“.

Das bestätigt ihre Nachbarin Dorothee Hallmann. Auch sie hatte sich bei der Post wegen Mängeln bei der Briefzustellung beschwert, und auch sie bekam nun ein Entschuldigungsschreiben und Gratis-Briefmarken. Viel mehr freut sie sich aber darüber, dass die Postzustellung im Gebiet Brachetweg nun wieder reibungslos funktioniert.

Eine Geburtstagskarte ist nie angekommen

Der Ärger in den vergangenen Monaten reichte von Möhringen bis zur Rohrer Höhe, von Plieningen bis Birkach und von Plattenhardt bis Leinfelden. Auch Heidi Lehmann kann eine Anekdote erzählen. Sie ist Mitglied im Degerlocher Frauenkreis. Wie jedes Jahr wollte der Verein ihr eine Geburtstagskarte schicken. Diese kam aber nie an. Vor Kurzem überreichte ihr eine Bekannte die Glückwunschkarte schließlich persönlich. So konnte Heidi Lehmann nachvollziehen, dass diese am 17. Dezember aufgegeben worden war. Am 2. Januar notierte ein Briefträger schließlich, dass der Empfänger angeblich nicht zu ermitteln gewesen sei. Am 16. Januar – also einen Monat später – lag die Karte wieder beim Degerlocher Frauenkreis im Briefkasten. Dass sie ihre Geburtstagskarte viel zu spät bekam, könne sie freilich verschmerzen, sagt die Degerlocherin. Doch dass sie ihre Programmzeitschrift erst bekam, als die Fernsehwoche schon fast vorbei war, habe sie so geärgert, dass sie das Abo nun kündigen werde. „Obwohl der Verlag ja gar nichts dafür kann“, sagt Heidi Lehmann.

Mehr als 18 000 Beschwerden im Jahr 2019

Die vielen Beschwerden von der Filder­ebene passen ins bundesweite Bild. Denn just vermeldet die Deutsche Presse-Agentur, dass der Ärger über Probleme bei der Post-Zustellung 2019 erneut gewachsen sei. Demnach gingen bei der Bundesnetzagentur 18 209 Beschwerden ein. Das ist rund ein Drittel mehr als 2018. Im Vergleich zu 2017 mit 6 100 Beschwerden hat sich die Zahl sogar nahezu verdreifacht. Für den meisten Ärger sorgten dabei Briefe und Pakete, die zu spät oder gar nicht bei ihren Empfängern ankamen. Die Beschwerden bei der Bonner Regulierungsbehörde beziehen sich auf die ganze Branche – also auch auf die Wettbewerber der Deutschen Post. Allerdings ist die mit großem Abstand Marktführer, weshalb ihr die meiste Kritik zuzurechnen ist. Es bleibt unklar, ob die Zustellung tatsächlich immer schlechter klappt oder sich heute einfach mehr Menschen beschweren.

Ein Konzernsprecher der Deutschen Post betont gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Beschwerden, die bei der Deutschen Post selbst angekommen seien, in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen seien. Außerdem lägen die Beschwerden im Verhältnis zu den etwa 19 Milliarden versendeten Briefen und Paketen im Jahr 2019 gerade einmal im Promillebereich. Man werde aber weiter an der verbesserten Zustellung und Nachverfolgung von Sendungen arbeiten.




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