Warmduscher sind sie zwar keine, die Fußballer von der SV Böblingen. Aber nach einem verregneten Spiel auf dem matschigen Platz im Herbst sind viele über eine warme Dusche sicherlich trotzdem nicht böse. Schon seit Jahren heißt es da immer wieder: Pustekuchen! Oft schon mussten die Fußballer mit kalten Duschen rechnen – ganz unabhängig vom Ergebnis ihrer Spiele. Das sorgte für Unmut bei allen Beteiligten.
Zwischendurch hätten sie sich, das ist anzunehmen, allerdings sogar über eine kalte Dusche gefreut. „In den letzten Wochen kam gar kein Wasser mehr“, sagt Michael Korac, sportlicher Leiter Jungs bei der SV Böblingen, in der vergangenen Woche. Was dazu führt, dass nach dem Spiel alle ungeduscht nach Hause fahren mussten. Im Herbst und Winter tut das natürlich weh. Und es ist besonders ärgerlich für gegnerische Teams, die von weiter her kommen.
SV Böblingen ist für Gegner und Schiedsrichter der Buhmann
Betroffen sind da vor allem die A-Junioren, die in der Oberliga spielen und regelmäßig Gäste aus ganz Baden-Württemberg willkommen heißen. „Das bedeutet halt, dass Freiburg bei null Grad herfährt und nach einem Spiel im Regen ungeduscht wieder eine bis anderthalb Stunden nach Hause fahren muss“, sagt er. Da sei die SV Böblingen natürlich der Buhmann. Mittlerweile sei es auch schwierig, dagegen zu argumentieren. „Es ist ja Dauerzustand.“
Inzwischen sei Böblingen bereits bekannt für seine kaputten Duschen. „Manche Mannschaften planen sogar schon ein, ungeduscht wieder nach Hause zu fahren“, sagt Michael Korac. Das sei total unangenehm. Und auch den Schiedsrichtern gegenüber könne man es nicht wirklich rechtfertigen.
Doch auch um die eigenen Spieler ist er besorgt. Da spielen schließlich acht Teams mit jeweils etwa 23 Spielern, darunter auch Kinder im Alter von fünf Jahren. „Die Spieler in den höheren Jugenden kommen teilweise aus Stuttgart, Fellbach oder Waiblingen und müssen nach dem Training noch S-Bahn fahren“, sagt Michael Korac. Manche waschen sich am Waschbecken mit kaltem Wasser. „Das ist schon extrem.“
Immer wieder betont er, die Stadt sei „bemüht“. Auch der Verwaltung gefalle die Situation im Böblinger Stadion nicht, man sei immer wieder in Gesprächen. Er hat Verständnis dafür, dass es an Kapazitäten mangelt. Doch im Ergebnis bringe das halt nichts, wenn sich nichts tut.
Inzwischen kommt wieder warmes Wasser
Das hat es jetzt aber: „Die Heizungsanlage ist repariert, Duschen und Heizung sind wieder warm“, teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch mit. Für weitere Planungen seien Termine angesetzt. Kurz- und mittelfristige Lösungen werden derzeit geprüft – vermutlich, falls die Probleme wieder auftauchen. Dabei geht es um die Nutzung der Duschen an anderen Plätzen, die Installation von Duschcontainern oder die Nutzung von Sanitäranlagen in umliegenden Gebäuden.
Warum so lange nichts passiert ist? „In Böblingen gibt es viele Gebäude mit hohem Sanierungsbedarf“, so die Stadtverwaltung. Dazu zählen auch Schulen oder Kitas, auf die in den letzten Jahren ein Schwerpunkt gelegt worden sei. Bleibt zu hoffen, dass die Duschen möglichst lange warm bleiben und das Problem nicht – wie in den vergangenen fünf Jahren – immer wieder auftaucht.
Ungehalten ist Michael Korac aber noch wegen eines zweiten Problems: der Kunstrasenplatz oberhalb der S-Bahn-Gleise am Goldberg, der seit Mai saniert wird. Laut seinen Informationen sollte er im Oktober fertig werden – er ist aber immer noch eine Baustelle. Gefühlt gehe da nichts voran. Jetzt, im Herbst, seien die Rasenplätze aufgrund des Wetters vor lauter Matsch kaum noch bespielbar. Das bestätigt die Stadt: „Aufgrund der Witterung können die Naturrasenplätze nur noch in Einzelfällen für den Trainings-/Spielbetrieb zur Verfügung gestellt werden.“ Das bedeutet, dass die Böblinger Fußballer in der Zeit quasi keinen Platz zum Trainieren haben – und das, wo noch bis Anfang Dezember voller Spielbetrieb herrscht.
„Wir sind der Verein im Kreis, der in der Jugend am höchsten spielt“, sagt Michael Korac. „Auf dem Leistungsniveau, wo wir spielen sollen, ist die Situation aktuell dramatisch.“ Es gebe noch Bolzplätze, aber da könne man nicht richtig trainieren.
Zwischendurch gab es sogar einen Baustopp am Stadion
Wie es zu den Verzögerungen kommen konnte, will er wissen. Die Stadt: Weil die Bodenverhältnisse anders waren als gedacht, kam es zu Mehrarbeiten. Das hat man aber erst während der Bauarbeiten bemerkt. Zwischendurch gab es deshalb sogar einen Baustopp. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Platz Mitte Dezember fertig sein.