Probleme in Marbach Transporter vor dem Haus lösen Ängste und Ärger aus
Martha Niehaves aus Marbach (Kreis Ludwigsburg) zittert, wenn sie mit dem Auto aus ihrer Einfahrt rollt. Firmenwagen behindern die Sicht – eine einfache Lösung gibt es nicht.
Martha Niehaves aus Marbach (Kreis Ludwigsburg) zittert, wenn sie mit dem Auto aus ihrer Einfahrt rollt. Firmenwagen behindern die Sicht – eine einfache Lösung gibt es nicht.
Martha Niehaves schaut auf die geparkten Autos vor ihrem Haus, die eine lange Linie bilden. „Ich kann durch sie beim besten Willen nicht hindurchschauen“, sagt die Marbacherin. Elf Wagen der benachbarten Firma Kiefer Gebäudetechnik GmbH zählt sie an der Erdmannhäuser Straße. Die Transporter versperren nicht nur ihr die Sicht – auch ihre Nachbarn klagen ständig. Die Stadtverwaltung hält sich bei der Suche nach Lösungen zurück.
Aus der Einfahrt des Mehrfamilienkomplexes quälen sich täglich etwa 15 Autos der Bewohner. Martha Niehaves sagt, sie taste sich ganz vorsichtig auf die Straße, auf der täglich wohl Tausende unterwegs sind. Es ist eine der Hauptverkehrsadern Marbachs. Die Erdmannhäuser Straße gilt als laut und notorisch zu schnell befahren. Martha Niehaves zeigt Leserbriefe, die das belegen. „Die Autos sind für uns nicht das Gefährliche, es sind die Fahrräder und E-Scooter, die mit einem Affenzahn heruntersausen.“
Ein Spiegel am Straßenrand könnte für mehr Überblick sorgen, doch müssten die Anwohner diesen selbst bezahlen – und für ihn haften. Das heißt, sie stünden unter anderem in der Pflicht, ihn im Winter von Schnee und Eis zu befreien. „Das ist nicht machbar“, sagt Martha Niehaves. Was noch schwerer wiege: Bei einem Unfall könnten die Anwohner unter Umständen eine Mitschuld zugesprochen bekommen, wenn mit dem Spiegel etwas nicht stimme.
Einen Spiegel hatte die Stadt Marbach schon vor zehn Jahren unter diesen Voraussetzungen genehmigt, erklärt Andreas Seiberling, Ordnungsamtsleiter in der Schillerstadt. Er weist auf die Straßenverkehrsordnung hin: „Man muss sich langsam vortasten – notfalls einweisen lassen.“ Ein Rat, der Martha Niehaves nicht weiterhilft: „Ich bin meistens allein am Steuer und habe niemanden, der das für mich tun könnte.“
Zum Termin an der Ausfahrt hat Martha Niehaves ihren Nachbarn Rolf Benneweg mitgebracht. Er zeigt auf die Wagen, die rechts und links auf markierten Flächen am nächsten zur Einfahrt stehen. „Es würde schon helfen, diese beiden Parkplätze wegzunehmen“, sagt der 82-Jährige.
Besonders ärgerlich sind die parkenden Transporter der Firma Kiefer. „Es ist wohl für die Mitarbeiter einfacher, die Wagen nicht auf dem Innenhof der Firma abzustellen“, sagt Rolf Benneweg. Er deutet auf das Schild mit dem eingeschränkten Halteverbot in den Hauptverkehrszeiten: „Diese Transporter stehen tagelang auf dem Parkstreifen – das geht so nicht.“
Offenbar haben aber nicht nur die Anwohner, sondern auch die Firma ein Problem mit der momentanen Parkordnung. „Wir sind stark expandiert“, sagt Mile Grubesic, einer der Geschäftsführer von Kiefer. Auf dem Innenhof gebe es nur zehn Parkplätze, aber die Firma sei seit dem Jahr 2006 von 23 auf rund 60 Mitarbeiter gewachsen. Sie seien nicht mehr nur mit zwölf, sondern mit 22 Fahrzeugen unterwegs – nur zehn Firmenwagen passen laut Grubesic auf den Hof.
„Wir würden am liebsten Anwohner-Parkausweise von der Stadt kaufen – dann hätte die Stadt Einnahmen und wir die Sicherheit, immer in der Nähe Parkplätze zu finden.“ Das Unternehmen wolle unbedingt am Standort bleiben: „Hier fahren täglich rund 30.000 Fahrzeuge vorbei – da werden wir gesehen.“
Würden Anwohner-Parkausweise für Kiefer auch Martha Niehaves und Rolf Benneweg etwas bringen? Sie stimmen zu, wollen aber in der Nähe ihrer Wohnungen auch weiterhin Parkplätze für Besucher haben.
Benneweg hat grundsätzlich Verständnis für die Probleme des Unternehmens, übt aber auch Kritik: „Transporter gelten nicht als Pkw und dürften gar nicht erst auf den Parkplätzen stehen.“
Doch das stimme nicht, sagt Mile Grubesic und verweist auf die Kennzeichnung seiner Firmenwagen in den Fahrzeugpapieren. In was sich die Gesprächspartner einig sind: Ein Bündel von Maßnahmen der Stadtverwaltung könnte die Situation nachhaltig verändern.
Die Betroffenen der Erdmannhäuser Straße sehen die Stadtverwaltung jetzt am Zug: Für die Firma Kiefer wären Anwohner-Parkausweise sinnvoll. Die Bewohner der Erdmannhäuser Straße 17 wünschen sich ein oder zwei störende Parkplätze weniger, zudem solle auf der Straße abschnittsweise eine Tempobeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde umgesetzt werden – auch wegen der Nähe zum Zebrastreifen, der an einem Schulweg liegt.
Planung
Der Entwurf des Lärmaktionsplans in Marbach sieht vor, auf der Erdmannhäuser Straße auf einem 600 Meter langen Abschnitt von der Einmündung in die Rielingshäuser Straße und der Hardtstraße Tempo 30 einzuführen.
Zeitplan
Der Entwurf ist im Dezember 2022 vom Ausschuss für Umwelt und Technik des Marbacher Gemeinderats genehmigt worden. Der Plan ist aber bis jetzt noch nicht umgesetzt worden.