Probleme mit Anhydrit Erdwärme hebt in Rudersberg langsam den Untergrund an
Nach den Bodenbewegungen im Zumhof gerät jetzt auch der Teilort Steinenberg in den Fokus. Der Rems-Murr-Kreis lässt die in den Boden gebohrten Sonden untersuchen.
Nach den Bodenbewegungen im Zumhof gerät jetzt auch der Teilort Steinenberg in den Fokus. Der Rems-Murr-Kreis lässt die in den Boden gebohrten Sonden untersuchen.
Zwei Jahrzehnte nach den Bohrungen für den Einbau von Erdwärmesonden sollen die Bodenbewegungen im Rudersberger Teilort Steinenberg untersucht werden. Das hat das Waiblinger Landratsamt in einer Mitteilung bekannt gemacht. Geklärt werden soll, ob die Anhebung des Bodens in dem Gebiet mit der als umweltfreundlich geltenden Energiegewinnung zu tun hat.
Vom 12. und 13. Januar an finden deshalb Vorarbeiten für die Untersuchung statt. Laut der Pressestelle des Landratsamts werden Schächte gesetzt und die Köpfe der im Ortsteil Steinenberg eingesetzten Erdwärmesonden freigelegt. Die eigentlichen Messungen können erst im Mai oder gar im Juni erfolgen.
Grund ist, dass die Temperatur des Untergrunds möglichst unbeeinflusst sein soll. Weil die Erdwärmesonden zuvor für mindestens 14 Tage außer Betrieb genommen werden müssen, finden die Untersuchungen bewusst erst weit nach Ende der Heizperiode statt.
In dem betroffenen Gebiet waren in den Jahren 2005 bis 2007 mehrere Erdwärmesonden eingesetzt worden. Vermutet wird, dass über eventuell unzureichend abgedichtete Bohrungen Wasser in anhydritführende Gesteinsschichten gelangt. Das könnte Umwandlungsreaktionen von Anhydrit zu Gips ausgelöst haben.
Dieser chemische Prozess ist mit einer Zunahme des Volumens verbunden und führt in der Regel zu einer Anhebung des Geländes. Schäden an Gebäuden und Infrastruktur können dabei die Folge sein. In der Region ist der Engelbergtunnel für die A 81 beim Leonberger Dreieck ein bekanntes Beispiel für den Effekt. In Rudersberg galt bisher der Zumhof als neuralgischer Punkt für die Anhydrit-Problematik.
Bei einer landesweiten Auswertung von Satellitendaten waren bereits im Jahr 2019 diverse Geländehebungen im Bereich des Ortsteils Steinenberg festgestellt worden. Seither wird die Entwicklung dieser Geländehebungen mittels weiterer Satellitendaten sowie mit regelmäßigen geodätischen Geländevermessungen verfolgt und erfasst.
Das Landratsamt Rems-Murr befindet sich seit der Feststellung der Geländehebungen in regelmäßigem Austausch mit Fachleuten des Regierungspräsidiums Stuttgart, des Umweltministeriums sowie des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. Gesprochen wird über eine mittlere Hebungsgeschwindigkeit von etwa acht Millimetern pro Jahr. Anhaltspunkte, die auf eine natürliche Ursache für diese Hebungen schließen lassen, konnten die Behörden nicht feststellen.