Probleme mit Stuttgarts größtem Gewässer Warum der Max-Eyth-See Wasser verliert
Das Volumen des Sees schrumpft. Das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart sucht derzeit nach den Ursachen und pumpt vermehrt Grundwasser in den Hofener See.
Das Volumen des Sees schrumpft. Das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart sucht derzeit nach den Ursachen und pumpt vermehrt Grundwasser in den Hofener See.
Wie der Bootsverleiher Horst Bauer festgestellt hat, ist der Wasserspiegel des Max-Eyth-Sees in Stuttgart-Hofen seit drei Wochen am Sinken. Er hat beobachtet, dass der Pegel bisher 25 Zentimeter niedriger ist als üblich. Die Stadtverwaltung bestätigte auf Nachfrage, dass sich der Wasserspiegel um diese Zahl gesenkt habe. Dennoch seien ihr keine Nutzungseinschränkungen bekannt.
Bauer hat seit 12. Mai nicht nur Probleme mit den vielen Wasserpflanzen und Fadenalgen im See. Die Flora macht es unmöglich, dass seine Elektro-Boote fahren können, weil sich das Grünzeug in den Propellern der Motoren verheddert und sie dadurch blockiert. Der Geschäftsmann klagt zugleich, dass die Bootsgäste nicht mehr gut ein- und aussteigen können, wenn der Pegel des Sees weiter sinkt. Derzeit kann er trotz Mäharbeiten nur Ruder- und Tretboote verleihen. Zwischen dem 10. und 31. Juli hatte sich der Wasserspiegel bereits um 24 Zentimeter abgesenkt. Jeden Tag sinke er etwa einen halben Zentimeter bis einen Zentimeter, so Bauer. Der Max-Eyth-See hat laut der Stadt eine mittlere Wassertiefe von 2,50 Metern.
Auch das Tiefbauamt hat den Rückgang des Wasserspiegels festgestellt. Üblich seien im Sommer nach stärkeren Regenfällen Schwankungen von bis zu zehn Zentimetern. Doch für das in jüngerer Zeit insgesamt recht große Absinken suche das zuständige Tiefbauamt der Stadt noch nach den Ursachen. Man könne auch keine genaueren Angaben machen, seit wann der Spiegel sinkt. Und ob dieser Prozess anhält. Dazu müsse man den See längere Zeit beobachten, heißt es.
Auf die Frage, ob auch andere Gewässer in Stuttgart zurzeit einen solchen Wasserverlust wie der Max-Eyth-See vorzuweisen haben, erklärt eine Stadtsprecherin, dass es in Seen natürliche Wasserspiegelschwankungen vor und nach Regenfällen gebe, wenn sie natürliche Zuflüsse und Bäche haben. Doch solche Schwankungen wie in Hofen seien nicht beobachtet worden.
Was macht die Stadt nun gegen den Wasserverlust? Die Sprecherin erklärt, dass täglich extern Wasser zugeführt werde und dies letzte Woche am Max-Eyth-See nochmals deutlich erhöht worden sei. So werde den Angaben zufolge 18 Stunden am Tag 40 Liter Grundwasser pro Sekunde hinzugefügt, das über die Bodenschichten durch Wasserfiltrat aus dem Neckar gespeist wird. Der Bootsverleiher Bauer sieht die Angabe der Zuführmenge zunächst kritisch. Er habe am Montag, 5. August, festgestellt, dass sich die Absenkung des Wasserspiegels seit drei Tagen bei etwa 25 Zentimetern eingependelt habe. Doch wenn tatsächlich 18 Stunden lang 40 Liter pro Sekunde hineingepumpt würden, wäre der Spiegel längst schon wieder weit mehr angestiegen, meint der Bootsverleiher. Am Dienstag lag der Wasserspiegel hingegen immer noch 25 Zentimeter tiefer als sonst üblich.
Die Stadt erklärt, dass es zudem Untersuchungen am querenden Kanal unter dem Max-Eyth-See gebe und weitere mögliche Austrittsmöglichkeiten rund um den See und im See gesucht werden. Die aktuellen Probleme lassen auch die Diskussion wieder aufkommen, die geschlossene Verbindungsschleuse zum Neckar wieder zu öffnen. Die Stadt hatte das bisher immer abgelehnt. Der Grund: Sie wollte dem See nur nährstoffarmes Quellwasser zuführen. Sonst drohte der Max-Eyth-See leichter zu kippen.
Hans-Hermann Schock vom Württembergischen Anglerverein (WAV), der am Max-Eyth-See beheimatet ist, rätselt ebenfalls, warum der Pegel so stark gesunken ist. Er vermutet, dass der Damm zwischen dem See und Neckar undicht ist. Dass er beschädigt ist, auch wegen der starken Pegelschwankungen. Schock ist dafür, den Damm zum Neckar hin auf einer größeren Breite, vom Bootsliegeplatz bis zur Schleuse, zu öffnen. Dann gebe es auch keine Sauerstoffprobleme im See mehr und das Gewässer wäre wie ein Nebenarm des Neckars mit Fischgebiet, sagt Schock. Er sieht derzeit weniger in einer möglicherweise abnehmenden Wassertiefe ein Problem für die Fische im See. Vielmehr steige in geringerer Tiefe die Wassertemperatur. Er ist besorgt, dass sich der See aufheizt, wenn es weitere heiße Tage gibt. Schock ist gegen das Entfernen der Wasserpflanzen, die den Anblick des Gewässers zurzeit bestimmen. Sie verhinderten, dass sich der See aufheizt.
Größe
Der Max-Eyth-See ist mit seinen 17,3 Hektar Fläche nach Angaben der Stadt Stuttgarts größtes Gewässer. Er ist rund 60 Meter lang. Er ist entstanden durch den Abbau von Kies- und Sandschichten in den 1920er Jahren.
Geschichte
1934/35 wurde das Gebiet zur Sport- und Badeanlage erweitert. Dort war ein Strandbad mit Leuchtturm. Seit 1961 ist der Bereich unter Landschaftsschutz einschließlich der Vogelinsel mit dem Natura-2000-Gebiet. Dennoch ist er nach wie vor ein Naherholungsgebiet mit Seglervereinen, Bootsverleih und einem bewirtschafteten Sandstrand auf der Halbinsel.