Problemzonen des TVB Stuttgart Platzt das Kiel-Spiel?

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Der TVB Stuttgart ist derzeit im Trainingslager im Zillertal. Doch auch dort holt den Handball-Bundesligisten die Realität ein. Am 1. September beim Spiel gegen den THW Kiel droht eine Terminkollision.

Jürgen Schweikardt hat Personal- und Terminprobleme. Foto: Baumann
Jürgen Schweikardt hat Personal- und Terminprobleme. Foto: Baumann

Stuttgart - Samuel Röthlisberger zieht einsam seine Kreise im Sport-Becken des Hotels Theresa in Zell am Ziller, wo der Handball-Bundesligist TVB Stuttgart diese Woche zum ersten Mal sein Trainingslager absolviert. Die 25-Meter-Bahn scheint aufgrund ihrer geringeren Wassertemperatur bei den übrigen Feriengästen nicht ganz so beliebt zu sein wie der Garten-Pool. Gut so. Schließlich kuriert der Schweizer Nationalspieler noch die Folgen seiner Ellbogenverletzung aus, die er sich im letzten Spiel der vergangen Saison gegen den HC Erlangen zugezogen hat. „Im Moment liege ich im Plan“, sagt der Defensivspezialist, soll heißen bis zum Pflichtspielauftakt am 17. August im DHB-Pokal sollte er wieder dabei sein, wenn alles gut läuft.

Noch schlechter sieht es bei Rudolf Faluvegi aus, dem etablierten Neuzugang, ungarischer Nationalspieler und schon beim HBC Nantes in der Champions League dabei. Das kann sich sportlich sehen lassen. Doch in der Praxis wird es wohl Mitte September werden, bis der Rückraumspieler erstmals ins Geschehen eingreifen kann. Noch im Mai musste er sich als erste Amtshandlung in Stuttgart am Sprunggelenk operieren lassen: „Ich brauche eben etwas Geduld.“ Immerhin ist auch der 25-Jährige im Trainingslager dabei.

Derzeit fehlen vier Spieler verletzt

Im Gegensatz zu David Schmidt und Robert Markotic, die ihre Leisten- und Knieprobleme derzeit zu Hause in der Reha auskurieren. Damit fallen aktuell gleich beide Linkshänder im Rückraum aus, so dass die Hoffnungen auf dieser Position auf dem erst 17-jährigen Louis Foege ruhen, von dem man aber noch keine Wunderdinge erwarten darf. Klingt alles nicht optimal. Und diese Konstellation gilt für den TVB nicht nur im Personalbereich, sondern auch beim Terminkalender. Nicht genug damit, dass der Saisonauftakt für die Wild Boys beim HC Erlangen erst eine Woche nach dem allgemeinen Bundesligastart erfolgt, weil den Franken zuvor die Halle nicht zur Verfügung stand. Jetzt droht auch noch die lukrative Heimpremiere am 1. September (13.30) in der Porsche-Arena zu platzen. Grund: Gegner THW Kiel hat eine Wildcard für die Vereinsweltmeisterschaft „Super Globe“ beantragt, und der Weltverband IHF stattete den amtierenden EHF-Pokalsieger auch damit aus, so dass der Bundesligist vom 27. bis 31. August beim Turnier in Dammam (Saudi-Arabien) dabei sein wird. Das Finale wäre also nicht einmal 24 Stunden vor dem angesetzten Termin in Stuttgart, wobei die Chancen der Kieler auf das Erreichen nicht gerade gering sind. Jetzt ist guter Rat teuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich hat der TVB die Halle bereits gemietet, was einen Betrag von zwischen 20 000 und 30 000 Euro kostet, und zudem schon 4000 Karten abgesetzt. „Eine Rückabwicklung wäre extrem schwierig“, sagt Trainer Jürgen Schweikardt in seiner Funktion als Geschäftsführer. Organisatorisch und wirtschaftlich. Weshalb der Verein vorsorglich schon mal eine Kostenrechnung aufgestellt hat, falls es zu einer Verlegung kommen sollte.

Die HBL steht auf dem Standpunkt, die beiden Clubs sollen sich einigen. Leichter gesagt als getan. Wobei der finanzielle Aspekt die Kieler wohl am wenigsten tangieren dürfte. Sollten sie das Turnier gewinnen, wären sie um rund 350 000 Euro reicher – da würde eine Entschädigung für den TVB relativ leicht fallen.