Probstsee in Stuttgart-Möhringen Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

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Schilf und Schlamm im Probstsee sind für die Verwaltung kein Problem. So steht es in einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage aus dem Bezirksbeirat Stuttgart-Möhringen. Wir haben die Fakten.

Der Probstsee ist ein Kleinod und ein Sorgenkind zugleich. Foto: Archiv Kai Müller
Der Probstsee ist ein Kleinod und ein Sorgenkind zugleich. Foto: Archiv Kai Müller

Möhringen - Der Probstsee ist Kleinod und Sorgenkind zugleich. Einst war er die Lehmgrube der früheren Ziegelei Probst. Seit 1961 gehört der See der Stadt. Sie wies diesen und die umliegenden Bereiche als Landschaftsschutzgebiet aus. Seit 2003 ist der See mit insgesamt 4,2 Hektar Fläche ein Naturdenkmal nach Paragraf 28 des Bundesnaturschutzgesetzes. So steht es in einer Anfrage des Bezirksbeirats Möhringen. Die Lokalpolitiker weisen darauf hin, dass die Röhrichtflächen am Probst­see die größten zusammenhängenden Bestände in Stuttgart seien. Aus ornithologischer Sicht sei der See wegen dieser Röhrichtbestände eines der bedeutsamsten Gebiete für den lokalen Vogelschutz.

Doch der Probstsee ist nicht besonders tief. „Der Seekörper nimmt eine Fläche von etwa drei Hektar ein und weist im Mittel eine Wassertiefe von einem Meter auf“, heißt es in der Anfrage des Bezirksbeirats. Natürliche Zuläufe gebe es nicht. „Als sogenannter Himmelsteich war er ursprünglich zu- und abflusslos und drohte aufgrund der hohen Verdunstungsverluste im Sommer immer wieder zeitweise trocken zu fallen“, schreiben die Lokalpolitiker. Erst seit Anfang der 1970er Jahre werde das Dachflächenwasser eingeleitet, seit 1993 zudem Baudrainagewasser aus dem nördlichen Siedlungsgebiet. Trotzdem schwanke der Wasserspiegel im Mittel zwischen lediglich 70 Zentimetern und 1,50 Metern.

Schilfbestand hat sich kaum verändert

In seiner Anfrage wollte der Möhringer Bezirksbeirat von der Verwaltung wissen, wie die Stadt mit dem Problem der Verschilfung und Verschlammung des Sees umgehe und wer für die Beseitigung zuständig sei. Zudem fragten die Lokalpolitiker, wer die Kosten übernehmen, wenn die Feuerwehr Wasser einspritze, um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen.

Inzwischen liegt die Antwort der Stadt vor. Zuständig für die Gewässerunterhaltung ist das Tiefbauamt. Dort ist man aber nicht der Meinung, dass im Probstsee Schilf oder Schlamm entfernt werden muss. „Wie Luftbildaufnahmen zeigen, haben die Schilfbestände ihren Flächenanteil über Jahre hinweg nicht nennenswert verändert. Eine auch teilweise Beseitigung von Schilf ist nicht zulässig, da die Flächen gemäß Paragraf 28 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt sind.“ Die Nährstoffeinträge in den See dürften als gering angenommen werden, da lediglich Grundwasser aus Bauwassererhaltungen und Niederschlagswasser von Dachflächen eingeleitet werden. „Hohe Schlammzuwachsraten und damit Schlammdicken sind im See nicht zu erwarten. Im Fall des Probstsees ist davon auszugehen, dass eine Entfernung der Schlammauflage eher nachteilige Wirkungen hat, da ein Eingriff in die Sohle erfolgen würde und daher ein vermehrter Sickerverlust von Seewasser in das Grundwasser anzunehmen ist“, schreibt die Verwaltung und ergänzt: „Darüber hinaus wäre mit einer Schlammentnahme ein Ablassen und eine längere Trockenlegung des Sees zur Schlammtrocknung verbunden.“

Fischbesatz muss angepasst werden

Richtig sei, dass die geringe mittlere Wassertiefe von etwa einem Meter eine schnelle und starke Erwärmung das Wassers in den Sommermonaten begünstige. Damit verbunden sei ein geringer Sauerstoffgehalt. „Da Dritte als Verursacher von Sauerstoffdefiziten ausscheiden, sind die Feuerwehrkosten durch denjenigen zu tragen, der Belüftungsmaßnahmen anfordert“, heißt es in der Antwort der Stadt. Die Randbedingungen des Probstsees seien praktisch nicht veränderbar. „Die Sauerstoffproblematik ist daher über einen angepassten Fischbesatz zu mildern.“

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