Probstsee und Riedsee in Stuttgart-Möhringen Den Fischen geht die Luft aus

Von Sandra Hintemayr 

Der Anglerverein Möhringen sorgt sich um die Fische im Probstsee und im Riedsee. Die Vereinsgewässer führen in diesem Jahr besorgniserregend wenig Wasser.

Das Idyll trügt: Der Wasserstand im Probstsee ist besorgniserregend niedrig. Foto: Sandra Hintermayr
Das Idyll trügt: Der Wasserstand im Probstsee ist besorgniserregend niedrig. Foto: Sandra Hintermayr

Möhringen - Mit großer Sorge beobachtet Manfred Wörner den Wasserstand des Probstsees. Der Vorsitzende des Anglervereins schätzt, dass der See im Schnitt noch einen Meter tief ist. Das sind 75 Zentimeter weniger als der markierte Höchststand. „Das gefällt mir gar nicht. Bei einem See, der sowieso nicht sehr tief ist, sind 75 Zentimeter gravierend“, sagt Wörner, dessen Verein den See gepachtet hat. Hauptursache für den niedrigen Wasserstand ist die geringe Niederschlagsmenge. „Der Probstsee wird durch Grund- und Regenwasser gespeist“, erklärt Wörner. Bei wenig Regen gelangt folglich weniger Wasser in den See. Doch selbst das regnerische Frühjahr hat die Pegelstände nicht steigen lassen, erzählt der Vereinsvorsitzende. Er hat keine Erklärung dafür, wo das Wasser abgeblieben ist.

Neben dem fehlenden Niederschlag hat Wörner eine zweite Vermutung, warum der Probstsee so wenig Wasser führt. Eigentlich, sagt er, sollen die Gebäude der Neubausiedlung Seepark ihr Oberflächenwasser in den See abführen. Darunter fällt zum Beispiel das Regenwasser von den Dächern der Häuser. „Die Rohre dafür wurden installiert. Aber es kommt kein Wasser im Probstsee an. Das haben wir überprüft“, sagt Wörner. Die Begründung dafür liefert ein Schriftverkehr zwischen dem Anglerverein und der Stadt. Während der Arbeiten im Seepark bemängelte der Anglerverein, dass Dreck von den Baustellen im See landet. Die Rohre wurden daraufhin verschlossen, um den See vor Verunreinigung zu schützen. „Eigentlich hätten sie nach der Fertigstellung der Siedlung wieder geöffnet werden sollen, aber das wurden sie wohl nicht“, sagt Wörner. Die fehlende Rückführung des Oberflächenwassers sei zwar nicht der Hauptgrund für die niedrigen Pegel, „aber sie trägt sicherlich dazu bei“, sagt der Vorsitzende des Anglervereins.

Unter der Eisdecke ist der Sauerstoff zu niedrig

Das zweite Vereinsgewässer des Anglervereins, der Riedsee, wird im Gegensatz zum Probstsee von einem natürlichen Zufluss mit Wasser gespeist. „Im Sommer ist der allerdings trocken“, erklärt Wörner. „Derzeit fließt wieder ein bisschen Wasser durch den Zufluss in den See, aber die Pegelstände sind trotzdem zu niedrig.“ Bei der Stadt, die Eigentümerin des Probst- und des Riedsees ist, ist das Problem bekannt. „Ich habe dem Tiefbauamt die niedrigen Wasserstände gemeldet. Die Mitarbeiter sind ebenfalls besorgt“, sagt Wörner. Wie man den Seen helfen könnte, weiß er nicht. „Ich kann nicht sagen, wie man die Wasserstände wieder verbessern kann, ich kann nur feststellen, dass die Pegel sinken“, sagt Wörner.

Für die Tiere, die in den Seen leben, könnte der bevorstehende Winter im flachen Wasser dramatische Folgen haben. „Wenn der Winter extrem kalt wird und sich eine dicke Eisdecke auf den Seen bildet, bleibt unter dem Eis nur wenig Wasser übrig, das nicht gefriert. Der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt“, erklärt Wörner. Zwar fahren die Fische ihre Aktivität auf ein Minimum herunter und brauchen dann weniger Sauerstoff. Aber werden sie durch äußere Einflüsse aufgeschreckt, etwa durch Schlittschuhläufer auf dem Eis, müssen sie ihre Aktivität wieder hochfahren. Doch dafür fehlt dann schlimmstenfalls der Sauerstoff. „Das Niedrigwasser könnte ein Fischsterben nach sich ziehen. Das wird sich allerdings erst zeigen, wenn die Eisdecke nach dem Winter wieder abgetaut ist“, sagt Wörner.

Im Sommer drohten die Seen zu kippen

Mit niedrigen Sauerstoffwerten haben die beiden Vereinsgewässer auch im Sommer zu kämpfen. In den vergangenen Jahren drohten die Seen umzukippen. Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass der Sauerstoffgehalt so niedrig ist, dass die im Wasser lebenden Organismen ersticken. Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) mussten anrücken, um die Seen mit Wasserpumpen umzuwälzen. Dabei wird Wasser aus dem See abgepumpt und mit Wasserwerfern wieder in den See geleitet. Dadurch wird das Wasser mit Sauerstoff aus der Luft angereichert. Um dem Umkippen von Probst- und Riedsee in Zukunft entgegenwirken zu können, hat der Anglerverein inzwischen in beiden Seen elektrische Pumpen und Schläuche installiert, die am Grund des Gewässers verlegt sind und aus denen Luftbläschen aufsteigen, die den Sauerstoffgehalt im Wasser hoch halten.

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