Produktionszentrum Tanz und Performance „Viele freie Tänzer verlassen Stuttgart“

Von Anne Abelein 

Isabell Ohst, die neue Leiterin des Stuttgarter Produktionszentrums Tanz und Performance, über den Raummangel in der freien Tanzszene in Stuttgart.

Isabell Ohst Foto: blende 11 Fotografen
Isabell Ohst Foto: blende 11 Fotografen
Frau Ohst, wie wirkt sich die andauernde Raumnot auf die freie Szene aus? Zieht es die freien Tänzer verstärkt in andere Städte?
Viele verlassen Stuttgart. Manche halten sich nur noch sporadisch hier auf und sind sonst in Berlin. Einige resignieren auch und produzieren nur noch wenig. Wer gut vernetzt ist, streckt die Fühler nach Heidelberg, Mannheim, Nürnberg oder Augsburg aus. Gleichzeitig steigt die Mitgliederzahl im Produktionszentrum – weil Proberäume fehlen. Der Saal ist zu hundert Prozent ausgelastet.
Wie verhält es sich mit Gastspielen in Stuttgart? Wer organisiert eigentlich die Auftritte?
In der Regel laden die Theaterintendanten Tanzproduktionen ein oder die Choreografen geben den Anstoß zu Gastspielen. Ich versuche, Räume zu vermitteln. Manchmal suchen die freien Tänzer auch nach Kooperationen. Oft gibt es Anfragen am Kooperationszentrum. Leider müssen wir diese aus Platz- und Geldgründen leider absagen.
Auf welchen Bühnen können die Stuttgarter Freien und Gäste momentan auftreten und zu welchen Bedingungen?
Das Theater Rampe ist Produktionshaus für das freie Theater und den freien Tanz, ist aber voll ausgelastet. Die Bedingungen sind dort am besten. Im Theaterhaus steht die freie Szene meistens im Schatten der großen Produktionen und tritt in der Halle T4 auf, im kleinsten Raum. Die Kosten sind außerdem hoch, die Einnahmen reichen nicht, und so zeigen die Choreografen dort nur geförderte Projekte. In Ludwigsburg kann die freie Szene in der Tanz- und Theaterwerkstatt auftreten, aber die Bühne ist klein und für Theater gedacht, genauso wie das FITZ.
Welche Räume kommen sonst noch in Frage?
Im Produktionszentrum können nur vereinzelt Auftritte stattfinden und nur von Mitgliedern, etwa, um sich Förderern und Interessenten zu präsentieren. Wir verstehen uns nicht als Spielstätte, und es schränkt den Probebetrieb ein. Außerdem haben wir keinen Zuschauerraum, keine Garderobe, keine Kasse, kein Personal, keine Technik und keine Verdunklung. Deshalb können wir auch keine hohen Eintrittspreise verlangen.