Angesichts der Debatte um Sparmaßnahmen an Musikhochschulen im Südwesten sorgt eine neue Professur in Stuttgart für Aufregung. Der Leiter der Bachakademie soll die Professorenstelle bei seinen Vertragsverhandlungen gefordert haben. Nach StZ-Informationen stimmt das jedoch nicht.
Stuttgart - Seit einigen Monaten gärt es unter Lehrenden und Studierenden an der Stuttgarter Musikhochschule. Dem künstlerischen Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart (BA), Hans-Christoph Rademann, 2011 zum Nachfolger von Helmuth Rilling gewählt und seit diesem August im Amt, wird unterstellt, er sei allein unter der Bedingung nach Stuttgart gekommen, dass ihm eine Professur an der Musikhochschule zugesichert werde. Am Mittwoch hat ein Medienbericht aus diesem brodelnden Gerüchtetopf geschöpft und den Vorgang als Tatsache verkauft. Fälschlicherweise.
Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um Sparmaßnahmen an den Musikhochschulen in Baden-Württemberg hätte das allerdings einen Ruch gehabt. Am Donnerstag bemühte sich die Kunstministerin Theresia Bauer bei einer Pressekonferenz allgemein um Beruhigung. Sie bestätigte, dass das Ministerium in Absprache mit der Bachakademie Anfang des Jahres bei der Musikhochschule Stuttgart „eine engere Kooperation der beiden Institutionen als gewinnbringend und zum beiderseitigen Vorteil“ angeregt hat. Da für dieses Projekt keine Professorenstelle vakant sei, habe das Ministerium eine Überbrückungsfinanzierung aus Ministeriumsmitteln gewährt, insgesamt 180 000 Euro für drei Jahre.
Die Hochschule hat daraufhin eine Teilzeitprofessur für „Chorleitung und Chordirigieren, insbesondere unter Berücksichtigung der geistlichen Musik und der Pflege Bach’scher Musik“ ausgeschrieben. Nach Angaben von Theresia Bauer seien zwanzig Bewerbungen eingangen: „Natürlich hat Hans-Christoph Rademann gute Chancen,“ sagte die Ministerin am Donnerstag.
Rademann hat nie eine Professur in Stuttgart gefordert
Doch leider versäumte Bauer richtig zu stellen, dass Hans-Christoph Rademann bei seinen Vertragsverhandlungen vor zwei Jahren bei keiner Gelegenheit gefordert hat, dass er eine Professur an der Stuttgarter Musikhochschule erhalte. Erst anschließend bestätigte ein Ministeriumssprecher der Stuttgarter Zeitung, dass Rademann niemals entsprechendes gefordert hat. Nach StZ-Informationen ist im Gegenteil die Initiative von den Zuschussgebern der Bachakademie ausgegangen. Der gestrige Medienbericht über ein Junktim, so heißt es aus dem Umfeld des Dirigenten, habe Hans-Christoph Rademann, der kürzlich mit seiner Familie von Dresden nach Stuttgart gezogen ist, tief getroffen.
Stadt und Land seien sich einig gewesen, dass sie einem hochkarätigen Kandidaten wie Rademann, der eine volle C-4-Professur in Dresden inne hatte (und inne hat, bis zum 31. August 2014 ist er jedoch beurlaubt) „etwas bieten“ müsse, unter anderem eine Kooperation mit der Musikhochschule, möglicherweise eine Professur. Der damalige Rektor der Musikhochschule, Werner Heinrichs, habe die Idee unterstützt, zumal er Spielraum im Stellenplan gesehen habe. Nach dem Rektorenwechsel Anfang 2012 scheint dieses Projekt in der Hochschule schlecht vermittelt worden zu sein.