Profi-Fußballerin aus Herrenberg Die Leidensgeschichte der Kim Kulig

Von Frank Hellmann 

Die Fußball-Nationalspielerin Kim Kulig aus Herrenberg muss erneut operiert werden. Im ungünstigsten Fall droht sogar das Karriereende. Doch Kulig, der eine Zukunft als vielleicht weltbeste Strategin vorhergesagt wurde, geht pragmatisch an das neue Jahr heran.

Kim Kulig blickt auf eine schier unendliche Pechsträhne zurück. Foto: dpa
Kim Kulig blickt auf eine schier unendliche Pechsträhne zurück. Foto: dpa

Stuttgart – Ihr Elternhaus steht in Poltringen, einem Örtchen unweit von Tübingen. Kim Kulig ist hier mit drei Schwestern und zwei Brüdern aufgewachsen – und dort haben sich alle zu Weihnachten bei den Eltern getroffen. Zu Silvester tauschte die Fußball-Nationalspielerin dann allerdings die baden-württembergische Provinz gegen britische Weltstadt: Den Jahreswechsel feierte die 23-Jährige fast schon traditionell mit Freunden in London. „Ich war jetzt schon zum siebten Male dort, aber ich habe immer noch nicht alles gesehen“, sagt Kim Kulig. Die Frau mit den Locken liebt das Leben in der Metropole.

Nur das Lächeln will ihr nicht so recht über die Lippen. Kulig wirkt viel nachdenklicher als früher. Aber wer will ihr das verdenken? Ihre Krankenakte füllt mittlerweile Aktenordner, ihre Leidenszeit geht ins dritte Jahr. „Es hört sich nach viel an, was in meinem Knie kaputt ist – und das ist es im Prinzip auch.“ Diese Bemerkung macht sie eher beiläufig. Äußerlich ruhig wirkt sie, wenn sie über etwas spricht, was sie beschäftigt und beeinträchtigt. „Vielleicht ist mein Knie ein bisschen speziell.“

Kreuzbandriss bei der Heim-WM 2011

Ihre Pechsträhne begann mit einem Kreuzbandriss bei der Heim-WM 2011, dem weitere Komplikationen, eine erneute Operation und eine 14-monatige Auszeit folgten. Als sie sich für die EM 2013 gerade wieder ins Nationalteam zurückgekämpft hatte, hielt die eingesetzte Plastik der Belastung nicht stand. „Seit zwei Jahren stecke ich in einem Teufelskreis drin. Bei mir ist eben nicht alles glatt gegangen“, sagt Kim Kulig. Wohl wahr: als das Gelenk im Rahmen der Turniervorbereitung vermehrt schmerzte, vermuteten die Mediziner bei der Mittelfeldspielerin zunächst einen Meniskusschaden. Doch die Wahrheit war viel schlimmer.

In dem vor einem halben Jahr vom 1. FFC Frankfurt verbreiteten Bulletin stand: „Neben dem Auffüllen der Bohrkanäle der gerissenen Kreuzbandplastik mit spongiösen Knochen wurden der Außenmeniskus geglättet sowie der Gelenkknorpel bearbeitet.“ Kulig führt seitdem ein Leben ohne Kreuzband – mit all den Einschränkungen. Ja, sie kann beschwerdefrei auf dem Ergometer fahren. Nein, sie kann nicht schmerzfrei Treppen steigen. In ihrer Wohnung im Frankfurter Westend hat sie einen Fahrstuhl, den sie auch benutzt, wenn sie nur eine Etage zu bewältigen hat. „Mir ist egal, was die Leute denken.“