Profigolfer Stefan Wiedergrün Grün ist die Hoffnung

Von Nathalie Mainka 

Stefan Wiedergrün hat den Sprung in das Profigolf-Geschäft gewagt. Noch ist er weit entfernt von den Stars der Szene.

Stefan Wiedergrün aus Waiblingen ist ins Profigolf-Geschäft eingestiegen. Foto: Gunnar Breier
Stefan Wiedergrün aus Waiblingen ist ins Profigolf-Geschäft eingestiegen. Foto: Gunnar Breier
Waiblingen - Er ist fünf Minuten früher da als vereinbart. Den geliehenen Mittelklasse-Wagen seines Onkels parkt er vor dem Ludwigsburger Golfclub Monrepos. Dunkle Regenwolken türmen sich am Himmel. Er trägt eine helle Bundfaltenhose, ein rotes Polo-Shirt über dem Thermopulli und eine schwarze Schildkappe. Die Arbeitskleidung eines Berufsgolfers.

Wenn seine Freunde arbeiten, geht Stefan Wiedergrün mit seiner Schlägertasche auf die Runde. Ein entspanntes Leben für einen 25-Jährigen, könnte man meinen. Doch mit Entspannung hat das, was der junge Mann aus Waiblingen betreibt, nichts zu tun. Seit August vergangenen Jahres ist er Profi. Wie hart er für seinen Sport arbeitet, wie viel ihm seine Leidenschaft abverlangt, sieht man ihm nicht an, wenn er ruhig und konzentriert über den Platz geht.

Pünktlichkeit und Disziplin hat er in Amerika gelernt, wo er vier Jahre lang studierte und intensiv Golf spielte. Wer auch nur eine Minute zu spät beim morgendlichen Fitnesstraining auf der Matte stand, bekam eine Strafeinheit aufgebrummt: Joggen nachts um zwei. Die Dauer machte der Trainer von seiner momentanen Stimmung abhängig. "Da lernt man sehr schnell, sich an die Regeln zu halten", sagt Stefan Wiedergrün und lacht. Er musste jedenfalls nur ein einziges Mal antanzen.

"Seine Präzision ist seine Stärke"


An diesem Morgen ist er einer der ersten auf dem Golfplatz. Am ersten Abschlag, dem "Tee", nimmt Wiedergrün die Schlägerhaube in Form eines Plüschtigers von seinem Driver und stellt sich in Position. Einer eleganten Ausholbewegung folgen ein harmonischer Durchschwung und ein helles klickendes Geräusch - dann sieht man den kleinen weißen Ball in die schwarzen Wolken fliegen.

Anders als die Amateure, die hier brav auf der nach links geknickten Spielbahn bleiben, kürzt er das Fairway mit seinem ersten Schlag über die Bäume ab. Der Ball landet nach 240 Metern nicht weit vor dem Grün. Von dieser Position aus ist es für Wiedergrün ein Leichtes, ihn mit einem kleinen Eisen in Lochnähe zu platzieren.

"Stefans Stärke ist seine Präzision. Wenn ich sage, er soll einen bestimmten Punkt anspielen, macht er das auch", sagt Mike Strong. Wiedergrüns Trainer und Mentor begleitet seinen Schützling an diesem Morgen und gibt Tipps zur Platzstrategie. Der 52-jährige Amerikaner lebt seit 23 Jahren in Deutschland. Seit zwei Jahren ist er mit seiner Schule im Golfclub Monrepos.