Programm der Ostfilderner Galerie Die Kunst als „lebendiges Gegenüber“

Von  

Auf die Besucher der Städtischen Galerie warten drei abwechslungsreiche Ausstellungen. Deren Werke befassen sich mit dem Lebensraum der eigenen Stadt, beziehen den Galerieraum mit ein und thematisieren das Verhältnis zu Insekten und Spinnen.

In der Ausstellung  „Facetten“ ist unter anderem der „Tortoise Beetle“ des Künstlers  Levon Biss zu sehen. Foto: Städtische Galerie Ostfildern
In der Ausstellung „Facetten“ ist unter anderem der „Tortoise Beetle“ des Künstlers Levon Biss zu sehen. Foto: Städtische Galerie Ostfildern

Ostfildern - Das Kunstjahr hat in Ostfildern gut angefangen mit der Ausstellung „Brettspiele“, die Werke des Holzkünstlers Robert Steng zeigt. Doch nach der Schau ist vor der Schau, denn das Programm der Städtischen Galerie im Stadtteil Scharnhauser Park wartet bis zum Jahresende mit drei weiteren Ausstellungen zeitgenössischer Kunst auf. Die Galerieleiterin Holle Nann und ihr Team wollen mit ihrer Arbeit „Vermittler zwischen Kunst, Künstlern und Bürgern vor Ort“ sein. Mit ihren Themen wollen sie Kunst als „lebendiges Gegenüber“ präsentieren und einen Bezug „zur eigenen Zeit und zum Ort“ schaffen.

Bürger präsentieren ihre Sicht auf die Stadt

Etwa mit den Piktogrammen von Doris Graf, die vom 29. März bis zum 16. Juni unter dem Titel „City X – Ich, Ostfildern“ zu sehen sind. Dabei sind die Bürger eingeladen, ihre Sicht auf die Stadt Ostfildern zeichnerisch darzustellen. Mit Hilfe spezieller Computerprogramme verwandelt die Künstlerin die spontanen Einzelzeichnungen in sechs Piktogramme, die – in verdichteter Form – die Sicht der Bürger auf ihre Stadt reflektieren. Daneben wird auch eine Auswahl an Einzelzeichnungen ausgestellt. Das Projekt, zu dem die Galerie in Kooperation mit dem Bürgerverein „SchaPanesen“ einlädt, soll die Vielfalt und Komplexität von Ostfildern widerspiegeln. Ergänzt wird die Präsentation durch ausgewählte, von Doris Graf erstellte Piktogramme anderer Städte.

„Lichtfänger“ sind in den Sommermonaten (5. Juli bis 22. September) in den Galerieräumen zu sehen. Die Künstlerin Michelin Kober wird in ihre Arbeit „die Wand- beziehungsweise Bodenflächen des großen Galerieraums mit einbeziehen“ – auf dass dieser selbst Teil des Werks wird. Was die Besucher erwartet, wird im Programmflyer der Galerie anschaulich geschildert: „Das Morgenlicht bricht durch das Fensterband in den großen Galerieraum. Als gerastertes Muster kriecht es über die Wand, um dann im spitzen Winkel und in jähem Richtungswechsel über den mit Rissen durchwirkten Galerieboden zu wandern.“ Michelin Kobers Werke lassen sich laut einer Ankündigung „schwerlich in Kategorien zwängen“. Sie changierten zwischen Zeichnung und Malerei. Mit Tuschearbeiten auf Papier bereitet Michelin Kober ihre Bilder vor. Durch den wiederholenden lasierenden Auftrag verschmelzen Tuscheschichten dann zu weitreichenden Bildräumen. Unbehandelter, ausgesparter Blattraum wird zum lichten Zentrum.

Von Insekten und Spinnen

Gleich mehrere Künstler beteiligen sich mit ihren Exponaten an der Ausstellung „Facetten“, die am 11. Oktober beginnt. Bis zum 12. Januar nächsten Jahres ist zeitgenössische Kunst zu sehen, die „das ambivalente Verhältnis von Menschen, Insekten und Spinnen“ in den Fokus rückt. Einerseits sind die Reaktionen auf diese Arten oft von Distanz, Ekel und Angst bis hin zur Phobie geprägt. Andererseits spielen Insekten und Spinnen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Viele von ihnen sind bedroht, weil der Mensch die Umwelt im Wesentlichen nach seinen Bedürfnissen gestaltet. Auf diese Problematik gehen die Künstler ein, indem sie mit unterschiedlichsten Ansätzen dokumentieren, kommentieren, variieren, transformieren, konterkarieren und inszenieren. Letztlich will die Ausstellung „Facetten“ zu einem sensiblen Umgang mit bedrohten Arten anregen – sowohl mit Insekten als auch mit der Spezies der Künstler.

Zu allen Ausstellungen bietet die Galerie für Jugendliche, Erwachsene und Senioren kostenlose Sonderführungen mit einer Museumspädagogin an.