Programm in Weinstadt Jazztage wollen Lust auf Livekultur befriedigen

Joo Kraus und Marialy Pacheco treten am 12. März auf. Foto: /Sebastien Anex

In Weinstadt wird nach zwei Jahren Pause wegen Corona wieder gejammt. Dabei bekommen die Besucher erstmals täglich Programm geboten – auch Poesie und Film.

Weinstadt - Guter Dinge sind Hartmut Lenz und Luz Weber vom Jazzclub Armer Konrad (Jak) und der städtische Kulturamtsleiter Jochen Beglau. Optimistisch blicken sie auf die Jazztage Weinstadt, die vom 10. bis 20. März zum 24. Mal stattfinden sollen. Nach zwei Jahren coronabedingter Abstinenz habe man sich wieder dran gewagt, die Veranstaltungsreihe mit Kultcharakter zu organisieren, gemeinsam mit der Musikschule Unteres Remstal, dem Kommunalen Kino Weinstadt und dem Remstalgymnasium, sagt Beglau.

 

Dabei sind die 24. genau genommen erst die 23. Jazztage. Denn 2020 durchkreuzte Corona alle Planungen. Am Abend vor dem Start der Veranstaltungsreihe habe man diese komplett absagen müssen, erinnert sich Luz Weber, der beim Jak für die Programmplanung zuständig ist. Die polnische Band, die das Eröffnungskonzert hätte spielen sollen, meldete sich mit der Hiobsbotschaft, dass sie nicht ausreisen dürfe. In den folgenden Tagen gab die deutsche Bundesregierung dann die ersten Corona-Maßnahmen bekannt, die einen „Kahlschlag im kulturellen Mittelstand“, wie Beglau es bezeichnet, einleiteten. „Viele, die an der Schwelle zur Solo-Selbstständigkeit waren, sind inzwischen raus aus dem Metier.“

Als Musiker und Gäste „glasige Augen“ bekamen

Umso wichtiger sei es, jetzt wieder Programm anzubieten. „Der Jazz wie die Kunst existiert nicht im Vakuum. Die Leute wollen Livekultur und die Musiker rauf auf die Bühne.“ Diese Erfahrung haben auch Lenz und Weber beim „Jak-Sommer“ im Stiftshof gemacht. Aus der Not 2020 geboren, erfreute sich die Open-Air-Konzertreihe auch 2021 großer Beliebtheit. „Alle, Musiker und Gäste, haben glasige Augen bekommen“, berichtet Weber. Nun rechnen alle damit, dass die Karten für die Jazztage-Konzerte ebenso restlos weggehen wie die Tickets für die bisherigen kulturellen Veranstaltungen der Stadt Weinstadt in diesem Jahr – auch wenn der Vorverkauf bislang noch zögerlich laufe. Verunsichert durch sich ständig ändernde Verordnungen entschieden sich viele erst relativ kurzfristig für Veranstaltungsbesuche, so Beglaus Beobachtung.

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Wer aber sicher ein Konzertticket haben wolle, solle rasch zuschlagen, rät Weber, vor allem für den Hauptact mit dem Trompeter und Komponisten Joo Kraus und der kubanischen Pianistin Marialy Pacheco. Zum 40. Geburtstag des Jak 2020 hatten die beiden mit dem Streichquartett Lady Strings ein eigenes Programm arrangiert, das wegen der Pandemie bislang keiner hören konnte.

Doch die Jazztage 2021 profitieren auch vom Virus: Das Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg, kurz Lajazzo, wollte eigentlich im Januar in Stuttgart sein 40-jähriges Bestehen feiern, musste das Konzert aber wegen der Pandemie absagen. Nun gastieren die Nachwuchsmusiker in Weinstadt. Dabei gibt es einen Stabwechsel. Reiner Tempel, der bisherige Dirigent und Professor für Jazz-Komposition an der Musikhochschule Stuttgart, reicht den Taktstock an Klaus Graf, der an der Hochschule für Musik in Nürnberg eine Professur innehat und in der SWR-Big-Band spielt, weiter.

Eine Huldigung an Ernst Jandl

Um den Festivalcharakter der Jazztage zu verstärken, findet nun an jedem Tag eine Veranstaltung statt, auch montags. Darüber hinaus wolle man auch die inhaltliche Bandbreite erweitern, erläutert Beglau. So ist etwa ein Abend mit Jazz und Poesie geplant. Norbert Rentsch und Andreas Nickl huldigen an Saxofon und Piano dem österreichischen Dichter und Jazzliebhaber Ernst Jandl, der zu Lebzeiten selbst seine Gedichte mit Jazz verknüpft hat. Zudem werden die vom Institut Français ausgerufenen Französischen Wochen 2022 aufgerufen, indem das Kommunale Kino zwei französische Musikfilme mit deutschem Untertitel präsentiert.

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