Programmänderung bei SWR 2 Radio im Kugelhagel

In der Kritik: SWR-Intendant Kai Gniffke Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Der SWR plant am Samstagabend Krimis statt Geistlicher Musik. Das stößt bei einigen Musikliebhabern auf Unverständnis.

Manteldesk: Mirko Weber (miw)

Stuttgart - Tendenziell hat, obwohl es sie noch gibt, am Wochenende die Anzahl der konsequenten Autowäscher zu „Heute im Stadion“-Grundierungsklang abgenommen, wie auch die Zahl der Kirchgängerinnen und Kirchgänger am Samstagabend oder Sonntag in der Früh stark rückläufig ist. Erhöht wiederum hat sich, relativ gesehen, die Masse der Menschen, die privat ihren Sonntagabend mit dem „Tatort“ im Fernsehen beschließt. Morde, Nachtruhe, Montagmorgen: Lebbe geht weider.

 

Warum das Format tilgen?

Wie prägend das auch sonst zu fast allen Zeiten präsente Krimiwesen mittlerweile für die ARD-Anstalten geworden ist, deren Crews zwischen Tel Aviv und dem mittleren Skandinavien im Prinzip kein konstruiertes Verbrechen auslassen, offenbart ein Ansinnen, gegen das jetzt vom evangelischen Landeskirchendirektor über den Stuttgarter Musikübervater Helmuth Rilling bis hin zum Karlsruher Avantgarde-Komponisten Wolfgang Rihm etliche Menschen in einem Offenen Brief an den SWR-Intendanten Kai Gniffke Sturm laufen. Zugunsten eines Krimihörspiels nämlich plant der Sender gen Herbst die Abschaffung der Sendung „SWR 2 – Geistliche Musik“ am Samstagabend. Die Pläne, das Format zu tilgen, heißt es, stünden in einem deutlichen Missverhältnis zum kulturellen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Wer die Sendung auch nur einmal nachdenklich vernommen hat, weiß, dass sie eben keine Einübung zu strikter und strenger Frömmigkeit darstellt, sondern – im Sinne des barocken Theologen Franz von Sales – beständig musikalische Aufrufe zur Weitherzigkeit startet. Sie macht dabei spartenübergreifend keinen Unterschied zwischen sehr verschiedenen Traditionen – und bewahrt sich vor allem ein Interesse für alles, was anders ist, als wir es von der Bachkantate her (Sonntag: 8.03 Uhr) kennen.

Rest an Weihe und Würde

Ein besserer Übergang zu einem Ruhetag, der – für viele Menschen, auch und gerade hierzulande – einen Rest an Weihe und Würde hat, ist kaum denkbar. Allgemeiner ausgedrückt: Vielleicht sollte nicht jede subtile Schwingung, die das Radio noch hervorbringt – vermeintlich quotentauglich – in einem weiteren kolossalen Kugelhagel untergehen.

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