Wenn an diesem Freitag gegen 17.30 Uhr beim Rockxplosion der erste Akkord erklingt, sind sie dafür verantwortlich: Project Helix. Und wer auf dem Warmbronner Waldsportplatz von Anfang an dabei ist, kann sich davon überzeugen: Es wird von Beginn an laut, brachial, aber keineswegs unintelligent oder gar stumpf. Project Helix spielen harten, modern aufgezogenen Metalcore und bilden mit ihren textlichen Themen dabei stets entweder ihr ganz eigenes Konzept ab – oder, wie jüngst mit dem Antikriegssong „Children of Peace“ und vor allem dem Video dazu, den Zustand der Welt.
Könnte die Menschheit nicht einfach nur ein kleines Experiment sein?
Die Mitglieder der Gruppe kommen allesamt aus der Region. Sänger Tim Gallion lebt in Mundelsheim, Gitarrist Till Weinert in Magstadt. Gitarrist Sebastian Schult kommt aus Remshalden. Das Strohgäu vertritt Drummer Ralf Muhler als Ditzinger. Bassist Timm Coerrens ist aus Weil der Stadt. Er erklärt den Bandnamen: „Man muss sich vorstellen, dass die Menschheit nur ein kleines Experiment ist, wie die Ameisenfarm eines Wissenschaftlers auf einer Fensterbank. Alles, was einem wichtig erscheint, ist eigentlich unwichtig.“ Diesem – teils zynischen – Thema habe man sich auch textlich genähert. Musikalisch blitzen ab und zu die US-Amerikaner von Fear Factory durch in Sachen Vibe und Klangästhetik. Auch wenn Project Helix deren Kälte im Sound nicht erreichen oder sogar bewusst vermeiden.
Seit Anfang der 2010er-Jahre besteht die Band, anfangs war sie ein reines Projekt. Und wie sich das gehört, spielte man zu Beginn auch die ein oder andere Coverversion im Proberaum, etwa von Lamb Of God oder System Of A Down. Es wechselte die Besetzung, jedoch stets auf freundschaftlicher Basis, bis ein paar Jahre später schließlich Bandname und Stil feststanden. Ralf Muhler ist das einzige Mitglied aus der Urbesetzung der Gruppe. „Es funktioniert jetzt schon seit Jahren menschlich und musikalisch wunderbar“, sagt der 34-jährige Schlagzeuger. Daher solle die Band auch bewusst ein Hobby bleiben.
Der Proberaum hat eine kleine Bar, an der Ideen entstehen
Songs entstehen inzwischen in Gemeinschaftsarbeit, gerne auch an der kleinen Bar im Zuffenhäuser Proberaum. So wie „Children of Peace“. „In Friedenszeiten vergisst man, wie schlimm der Krieg war“, kommentiert Timm Coerrens. Im Stück heißt es: „They crawled through dirt and bone, but you don’t care at all, no learning curve, no foresight, until the bombs will fall.“ (auf deutsch: „Sie sind durch Dreck und Knochen gekrochen, aber das ist euch völlig egal, keine Lernkurve, keine Voraussicht, bis die Bomben fallen.“) Der Basser betont: „Die Idee war vorher da, dann kam der Ukrainekrieg und dann Gaza.“ All das habe etwas mit den Bandmitgliedern gemacht. „Wir wollen keine politischen Statements setzen“, wie Coerrens hinzufügt, „aber die Welt hat sich so gedreht, dass es sehr nah dran kommt.“
Das Video zu „Children of Peace“ ist, abgesehen von den Sequenzen mit Sänger Tim Gallion und Gastsänger Elfi Davis (Decreate), komplett mit künstlicher Intelligenz entstanden: Familien beim Picknick, während im Hintergrund Granaten explodieren, Kinder, die ihre Schaukel an Panzerrohren festgebunden haben, und eine Bäuerin, die ohne Regung Bomben statt Gemüse erntet. Produziert wurde es einmal mehr von Stefan Nacke und dessen Firma Videoheadz. „Er ist fast wie ein zusätzliches Bandmitglied, wir sind happy mit dem, was er macht“, so Coerrens.
Vielleicht wird es Zeit für positivere Themen
„Das Video kam übrigens erst deutlich später als der Song“, ergänzt Gitarrist Till Weinert. Ähnlich sei die Abfolge mit dem Stück „We are the Virus“ gewesen. Schon damals wurde aus dem Lied-Thema erschreckende Realität. „Vielleicht sollten wir mal damit anfangen, positivere Songs zu schreiben – dass wir die Hungersnot besiegen oder so“, sagt Weinert.
Infos gibt’s online auf: https://projecthelix.de (inklusive der sehenswerten Videos) und auf: https://rockxplosion.de .