Elterntaxis sind auch in Herrenberg ein umstrittenes Thema. Im sächsischen Bielatal wurde es mit diesem Schild gelöst. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Eigentlich ist es die Aufgabe von Stadtverwaltung und Schule: Sichere Schulwege zu gewährleisten. In Herrenberg erhalten die Verantwortlichen ehrenamtliche Unterstützung von Andreas Schütz und Daniel Schelb. Beide sind Mitglied im Gesamtelternbeirat – und haben passende Berufe.
Die Videoverbindung hakt. Also meldet sich Andreas Schütz aus dem Urlaub im hohen Norden Deutschlands telefonisch. Das klappt besser. Technische Schwierigkeiten sollen ihn und seinen Kollegen Daniel Schelb, der in Herrenberg verweilt, nicht daran hindern, über ihr Projekt zu sprechen. Das wird sie stark einspannen – und soll für mehr Sicherheit auf den Schulwegen der Gäustadt sorgen.
Die beiden gehören seit 2023 dem Gesamtelternbeirat (GEB) Herrenberg an, der ein Zusammenschluss der Elternbeiräte der 14 Schulen ist. Im Arbeitskreis (AK) Verkehr haben sich Andreas Schütz und Daniel Schelb auf die Fahne geschrieben, mit einem Erfassungstool des Landes Daten für neue Schulwegpläne zu sammeln und Gefahrenstellen für Schüler im Verkehr ausfindig zu machen. Dabei setzen sie auf die Beteiligung der Eltern und Kinder in einer Online-Befragung – und dann auf das Handeln der Verwaltung.
Ihr auf Herrenberg lokalisiertes Projekt rückt auch die konkreten Schulwege der Kinder in den Fokus, ähnelt ansonsten aber dem unserer Zeitung. Denn auch bei diesem Vorhaben sind die Gefahrenstellen ein großes Thema. „Wir möchten Probleme nicht so weit kommen lassen, bis es zu einem Unfall kommt und erst dann handeln. Wir sehen tatsächlich einen Handlungsbedarf. Das ist auch die Motivation“, nennt Andreas Schütz, GEB-Delegierter vonseiten der Pfalzgraf-Rudolf-Grundschule, einen der Gründe für das Vorhaben.
Ist die „Vision Zero“ erreichbar?
Der Umsetzungsschwäche, die der 51-Jährige in Deutschland sieht, möchten die beiden entgegenwirken. Gefahren sehen sie vor allem bei Sichteinschränkungen durch parkende Autos und bei Straßenquerungen, aber auch bei Baustellen und überhöhten Geschwindigkeiten. Solche wurden oft am Gänsbergring gemeldet oder ortsauswärts, berichtet Daniel Schelb über Vorfälle in seinem Stadtteil Gültstein. Dort ist der 40-Jährige, der zwei Kinder hat und in der IT-Branche arbeitet, Elternbeirat der Grundschule.
Daniel Schelb lebt seit 2015 in Gültstein und weiß, welche Gefahrenstellen dort auf Schulwegen lauern. Foto: privat
Mit Andreas Schütz will er auch die „Vision Zero“ unterstützen – also dazu beitragen, dass es keine Todesfälle oder Schwerverletzten mehr im Straßenverkehr gibt. Und: Sie wollen die Zahl der Elterntaxis – viele Väter und Mütter holen die Kinder im Auto an der Schule ab – reduzieren. Und sie möchten von den Eltern und Kinder erfahren, welche Wege sie tatsächlich nutzen.
Andreas Schütz sieht in Herrenberg durchaus einen Handlungsbedarf, wenn es um die Sicherheit auf den Schulwegen geht. Foto: privat
Der ehrenamtliche GEB greift mit diesem Projekt den eigentlich Zuständigen unter die Arme. „Bei diesen rein technischen Aufgaben können wir sowohl Schule als auch Verwaltung entlasten und unterstützen, weil beide unter Personalmangel leiden“, erklärt Andreas Schütz, beruflich als Verkehrsplaner tätig, warum der AK partnerschaftlich die Initiative ergreift – und vorwiegend den Schulen, aber teils auch der Verwaltung hilft.
Im Erlass „Sicherer Schulweg“ des Landes heißt es: „Geh- und Radschulwegpläne sollen alle drei Jahre aktualisiert werden.“ Die Routen für die jungen Fußgänger müssen in Herrenberg im kommenden Jahr neu vorliegen „Was aber sehr veraltet ist, ist die Radschulwegplanung“, weiß Schütz, der Vater dreier Kinder ist. All das möchte das Duo aufarbeiten. Und zwar so wie die Schulen, die gemäß des Erlasses Strecken und Gefahrenstellen bei ihren Schülern abfragen. Dafür nutzen nun die GEB-Vertreter das übliche Erfassungstool des Landes, in das die Schulen integriert sind.
Nun müssen Andreas Schütz, der aktuell von einem „guten Dialog mit dem Ordnungsamt“ spricht, und Daniel Schelb Eltern und Kinder über das Projekt informieren. Im Oktober möchten sie die Daten erheben, noch vor dem Jahreswechsel, spätestens aber im Januar 2025 der Verwaltung dann die Datenbasis für neue Schulwegpläne und Problemstellen zeigen.
Was Andreas Schütz von der Verwaltung erwartet
„Wir wollen auch einen gewissen Druck erzeugen, damit die Sicherheit wirklich ein deutliches Plus erhält“, kommentiert Andreas Schütz die Zielsetzung. Wohlwissend, dass das nicht von heute auf morgen möglich ist, sagt er: „Probleme sollen erkannt werden, um sie dann auch zu beseitigen. Das erwarte ich von der Verwaltung.“
Für ihn und Daniel Schelb bedeutet das: Die kommenden Monate werden auch abseits des Jobs arbeitsintensiv. Für eine täglich maximal sichere Strecke für ihre und viele weitere Kinder in Herrenberg, nehmen sie sich diese Zeit aber gerne.
Projekt „Achtung, Schulweg!“
Aktion Unsere Redaktion möchte in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wissen, wie sicher die Schulwege im Kreis Böblingen sind. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe. Über ein einfaches Online-Tool können Sie Gefahrenstellen dokumentieren. Wir berichten über eine Auswahl und konfrontieren die Stadtverwaltungen damit. Das Ziel ist es, Gefährdungen von Schülern zu reduzieren.
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