Der Weg zur Schule ist für viele Kinder mit Gefahren verbunden. Mal halten Autofahrer sich nicht an geltende Verkehrsregeln, mal entstehen durch Elterntaxis gefährliche Situationen. Foto: Peter Kneffel/dpa
Bei unserer Schulwege-Umfrage beziehen sich mehrere Meldungen auch auf Sindelfinger Schulen. Wie das Ordnungsamt auf die Meldungen reagiert, was es bislang unternommen hat und was es nun plant.
Elterntaxis, zu hohes Tempo der vorbeifahrenden Autos trotz Tempo-30-Zone, schlechte Sicht auf die Straße: Der Schulweg ist für viele Kinder mit Gefahren verbunden. So auch in Sindelfingen, wo es eine Vielzahl an Schulen gibt. Leser, die an unserer Online-Umfrage zum Projekt „Achtung, Schulweg!“ teilgenommen haben, haben uns 16 Problemstellen gemeldet, die sie in der Stadt ausgemacht haben.
Wir haben das Ordnungsamt der Stadt Sindelfingen mit den Ergebnissen konfrontiert und stellen nun drei Gebiete exemplarisch vor.
Gemeinschaftsschule Goldberg Südlich des Schulgebäudes verläuft die Weimarer Straße. Für Kinder, die sie kreuzen müssen, gebe es „kaum eine Möglichkeit, dies sicher zu tun“, meldet ein Teilnehmer, der auch von überhöhten Geschwindigkeiten der vorbeifahrenden Autos trotz Tempo-30-Zone berichtet. Die Folge: „Wir Eltern begleiten die Kinder – nur wegen dieser Straße – trotz kurzem Schulweg.“
Nach einem Austausch mit der Stadt sei ein Parkverbot erweitert worden, doch nun nutzten Elterntaxis diese Möglichkeit. Ein Zebrastreifen sei aus Kostengründen abgelehnt worden.
Die Weimarer Straße in Sindelfingen zieht sich von der Magdeburger Straße bis zur Goldbergstraße. Foto: Stefanie Schlecht
Konfrontiert mit dieser Gefahrenstelle teilt das Ordnungsamt der Stadt Sindelfingen mit, dass ein Fußgängerüberweg auf Höhe der Weimarer Straße und ein beidseitiges Halteverbot vor der Schule künftig möglich sein sollen. Umgesetzt werden solle das Ganze „im Rahmen der Kapazitäten des Bauhofs“.
Oberhalb der Schule führen schon jetzt Zebrastreifen über die Dresdner Straße zum Berliner Platz. Doch diese seien „schlecht sichtbar und werden oft überfahren“, heißt es in einem weiteren Beitrag im Online-Tool. Ausgehend von der Goldmühlestraße herrsche bis dort hin auch viel Verkehr, überhöhte Geschwindigkeit sei ebenfalls ein Problem. Dem Ordnungsamt zufolge stehe in der Goldmühlestraße „hin und wieder“ der Blitzanhänger, „er wird dort wiederkehrend zum Einsatz kommen“.
Der Umfrageteilnehmer findet indes deutliche Worte: „Bisher geht seit Jahren alles gut, aber der Aufschrei kommt immer erst, wenn es zu spät ist.“ Und: „Elterntaxis verringern eher die Gefahren, da der Schulweg umgangen wird.“
Ein Umfragteilnehmer kritisiert Autofahrer, die in der Dresdner Straße unvorsichtig unterwegs sind. Foto: Stefanie Schlecht
Grundschule Klostergarten Anders sehen das einige Eltern, deren Kinder in die Grundschule Klostergarten gehen. „Eltern fahren trotz Durchfahrtsverbots von der Oberen Vorstadt kommend in die Klosterstraße. Zusätzlich werden die Kinder durch umdrehende Fahrzeuge auch auf dem Gehweg gefährdet“, schreibt beispielsweise ein Teilnehmer der Umfrage, der den Elterntaxis deshalb kritisch gegenüber steht.
Dieses Durchfahrtsverbot „kann nur durch beziehungsweise in Zusammenarbeit mit der Landespolizei geahndet werden“, teilt das Ordnungsamt als Reaktion darauf mit. Es fügt an, dass es zusätzlich zur Stadt-Kampagne „Sindelfingen parkt fair“, die zum Schulstart verlängert worden sei, Kontrollen des Vollzugsdienstes gebe. Dieser führe „im Bereich der Schulen verkehrserzieherische Gespräche“ mit Elterntaxi-Fahrern und ahnde Verstöße. Dies wird auch in mehreren Meldungen gefordert.
Grundschule Darmsheim In dem Sindelfinger Stadtteil kristallisiert sich das Thema überhöhte Geschwindigkeiten als Hauptproblem heraus – etwa in der Kinzigstraße. „Kinder müssen zwischen Autos und aus den Ausfahrten auf die Straße treten, mehrmals mussten sie zurückweichen und die Autos notbremsen“, schreibt eine Person, die an der Umfrage teilgenommen hat.
Das Ordnungsamt will zur Verbesserung der dortigen Situation eine Geschwindigkeitsanzeigetafel mit einem Smiley anbringen – und zwar „bei nächster Gelegenheit“. Den Verkehr will es im Auge behalten und weitere Maßnahmen auf der Grundlage der gesammelten Daten prüfen. Auch die Olgastraße wird in der Umfrage als Gefahrenstelle genannt. In deren Bereich sei zuletzt im Juli geblitzt worden, heißt es von Amtsseite. Und: „In jüngster Vergangenheit sind zwei Tempo-30-Markierungen auf der Fahrbahn angebracht worden.“
Ob dort, wo der Bus an der Grünanlage Aibachgrund vorbeifährt, ein Zebrastreifen nötig ist, wie es ein Teilnehmer fordert, werde „spätestens in der nächsten Verkehrsschau in diesem Quartal“ geprüft, teilt das Ordnungsamt mit.
Aktion Unsere Redaktion wollte in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wissen, wie sicher die Schulwege im Kreis Böblingen sind. Über ein einfaches Online-Tool konnten Sie Gefahrenstellen dokumentieren – und es sind mit Ihrer Hilfe fast 300 davon zusammengekommen. Wir konfrontierten die Stadtverwaltungen mit den Beiträgen und berichteten über die Problemstellen. Das Ziel ist es, Gefährdungen von Schülern zu reduzieren.
Übersicht Hier finden Sie die Karte mit den Gefahrenstellen sowie jegliche Artikel, die sich mit verschiedenen Schulweg-Themen befassen.