Projekt an Stuttgarter Gymnasium Die Mitschüler als Lebensretter

Sie sind schnell da, wenn jemand beispielsweise auf der Treppe umgeknickt ist: Ersthelfer des Schulsanitätsdienstes. Foto: InsideTeam

In den Kolpingschulen im Cannstatter Neckarpark wird derzeit ein Schulsanitätsdienst aufgebaut. Er soll einen entscheidenden Beitrag zu mehr Sicherheit leisten. Auch das Klima an der Schule soll sich dadurch verbessern.

Reporter: Sebastian Steegmüller (seb)

Es ist kurz vor der großen Pause. Mitten im Unterricht klingelt plötzlich das Handy einer Schülerin in der dritten Reihe. Böse Blicke ihres Lehrers erntet sie jedoch nicht, stattdessen ist es völlig selbstverständlich, dass die 17-Jährige das Klassenzimmer ohne große Kommunikation verlassen darf. Die Jugendliche ist an diesem Tag im Schulsanitätsdienst eingeteilt, kann im Notfall vom Sekretariat alarmiert werden.

 

Im vergangenen Jahr haben eben solche ausgebildeten Ersthelfer in einem Gymnasium in Pforzheim einem Mitschüler das Leben gerettet. Die Person befand sich offenbar in einem kritischen Gesundheitszustand – bis dann die Notfallsanitäter vor Ort eintrafen, haben die Ersthelfer die nötigen Maßnahmen vorbildlich eingeleitet. Weil im Notfall jede Sekunde zählt, setzen jetzt auch die Kolping-Schulen im Cannstatter Neckarpark auf solch einen Schulsanitätsdienst.

Der Verein will junge Menschen sensibilisieren

Unterstützt werden sie dabei von „InsideTeam“, einem gemeinnützigen Verein, der das Rettungswesen und seine Schnittstellen in Baden-Württemberg fördert. Kosten für die mehrtägige Grundausbildung, für künftige Weiterbildungen und auch für die Notfallrucksäcke, die auch mit Beatmungsmasken bestückt sind, entstehen den Schulen nicht. Sie müssen lediglich verbrauchtes Verbandsmaterial erneuern.

„Es klingt nicht nur nach einer guten Sache, es ist eine“, sagt Enrico Thoma, der Leiter des Projekts „Retter an Schulen“. „Wir haben stets das Bestreben, möglichst kostenfrei oder mittels Sponsoring unsere Aktivitäten unentgeltlich zu gestalten.“ Ein Ziel sei es, junge Menschen zu sensibilisieren und die Hemmschwelle herabzusetzen. „Damit sie sich trauen, im Notfall Erste Hilfe zu leisten“, sagt Thoma.

Der im Jahr 2019 gegründete Verein, dessen Mitglieder größten Teils Rettungs- und Notfallsanitäter sind, betreut mittlerweile mehrere Schulen im Land. Der Auftakt wurde 2021 in Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) gemacht, auf das Gymnasium in Pforzheim und die Kolping-Schulen Neckarpark folgt im Frühjahr ein Gymnasium in Vaihingen an der Enz. In Bad Cannstatt ist man voll des Lobes für das Projekt.

„Beeindruckend ist dabei das Engagement der beteiligten Ausbilderinnen und Ausbilder sowie der rund 20 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, die mit großer Motivation an diesem Projekt arbeiten“, sagt Schulleiter Philipp Gschwind. Er ist der Überzeugung, dass der Schulsanitätsdienst einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit an der Schule leisten werde. „Darüber hinaus bietet er die Möglichkeit, theoretische Inhalte aus den gesundheitsbezogenen Bildungsgängen praktisch anzuwenden und durch wertvolle Alltagserfahrungen zu vertiefen.“

Schulsanitätsdienst stärkt das Gemeinschaftsgefühl

Der Schulsanitätsdienst stärke die Verantwortungsbereitschaft und sozialen Kompetenzen der teilnehmenden Schüler. „Da sich junge Menschen aus verschiedenen Klassen und Bildungsgängen engagieren, fördert das Projekt nicht nur das gegenseitige Verständnis, sondern auch ein positives Schulklima und ein starkes Gemeinschaftsgefühl“, sagt Gschwind. Nach Freiwilligen musste er nicht suchen: Die Initiative sei von Schülern des Sozial- und Gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums und des Berufskollegs Gesundheit ausgegangen.

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