Projekt „Fair-Teiler“ in Waiblingen Essensretter sucht Gleichgesinnte

Von Annette Clauß 

Michael Neumann aus Waiblingen will vermeiden, dass tadellose Lebensmittel im Abfall landen. Er möchte eine Sammelstelle einrichten, an der Esswaren abgegeben und kostenlos abgeholt werden können. Nun sucht er einen Standort und Helfer.

Michael Neumann will in Waiblingen einen Fair-Teiler einrichten, damit weniger Lebensmittel im Müll landen. Foto: Gottfried Stoppel
Michael Neumann will in Waiblingen einen Fair-Teiler einrichten, damit weniger Lebensmittel im Müll landen. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Jeder kann es, und jeder darf mitmachen: Michael Neumann, 24 Jahre alt, lebt seit einem Jahr in Waiblingen und möchte die Stadt um eine sinnvolle Einrichtung erweitern: einen Fair-Teiler. Gemeint ist damit ein Schrank, ein Regal oder bestenfalls ein Kühlschrank, den jeder, der zu viele Lebensmittel hat, befüllen kann. Im Gegenzug dürfen alle, die Lebensmittel brauchen, kostenlos zugreifen und sich aus dem Fair-Teiler bedienen. So landet Essen dort, wo es hingehört: auf dem Teller anstatt im Abfalleimer (siehe „Teilen statt wegwerfen“).

Jeder kann ein Essensretter werden

Vor rund drei Jahren hat Michael Neumann zum ersten Mal von der Foodsharing-Bewegung gehört, deren Ziel es ist, Essen zu teilen statt wegzuwerfen. Die Idee leuchtete Neumann, der damals noch Student an der Uni Stuttgart war, ein. Er meldete sich in der Internet-Datenbank der Initiative an, über die Registrierte erfahren können, wo andere in ihrer Nähe welche Lebensmittel weitergeben möchten. Der Haken daran: „Im ganzen Rems-Murr-Kreis sind derzeit 44 angemeldete Mitglieder verstreut“, sagt Michael Neumann, „das ist nicht viel für solch eine große Fläche.“

Außerdem bleiben all jene, die selten oder nie Online sind, außen vor. Doch auch sie sollen Gelegenheit bekommen, Essensretter zu werden. Ein Fair-Teiler wäre da eine feine Sache, findet Michael Neumann, der nun einen Standort dafür sucht. Letzterer sollte einigermaßen zentral und gut erreichbar liegen. Angedacht sei zum Beispiel ein Lebensmittelschrank auf dem Gelände des Jakob-Andreä-Hauses der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen unweit des Postplatzes, sagt Neumann. „Wir haben eine Anfrage an den Kirchengemeinderat gestellt, der nun darüber berät“, erzählt Iris Förster, die mit Michael Neumann in Sachen Fair-Teiler aktiv ist.

Zwei bis drei Mitstreiter werden gesucht

Mindestens zwei bis drei weitere Mitstreiter wären nötig, die regelmäßig beim Fair-Teiler in Waiblingen nach dem Rechten sehen, Verdorbenes aussortieren und Lebensmittelspenden, die von Kooperationspartnern wie Lebensmittelläden, Kantinen, Cateringfirmen oder Vereinen stammen, zuverlässig abholen und zum Fair-Teiler bringen. Daher suchen Michael Neumann und Iris Förster Menschen, die Lust haben, sich in einer Essensretter-Gruppe zu organisieren und zu engagieren.

Sollte sich ein Standort finden, an dem ein Kühlschrank aufgestellt werden kann, so wäre die Fraktion der Alternativen Liste (Ali) bereit, die Stromkosten zu übernehmen, sagt Iris Förster. Sie betont, der Fair-Teiler sei keine Konkurrenz zu den Tafelläden: „Foodsharing sieht sich als Ergänzung zu den Tafeln und es werden auch andere Lebensmittel als dort angeboten.“ Laut den Foodsharing-Regeln dürfen leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Geflügel, Fleisch oder rohe Eierspeisen nicht verteilt werden, Gemüse, Obst oder Backwaren sind aber unproblematisch und erlaubt. Dass Fair-Teiler funktionieren können, beweisen mehrere Beispiele in der Region, unter anderem in Schorndorf und Stuttgart. „In Degerloch steht beispielsweise ein Fair-Teiler im Radschuppen einer WG. Der läuft richtig gut“, sagt Michael Neumann.