Projekt für Flüchtlinge in Sillenbuch Ein Rückzugsraum für die Bewohner

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Der Freundeskreis Flüchtlinge hat einen Container an der Notunterkunft an der Gorch-Fock-Straße aufgestellt. In ihm soll eine Lern- und Spielecke Platz finden. Ein weiterer Container soll folgen. Er soll als Aufenthaltsraum für Erwachsene genutzt werden.

In dem Container an der Flüchtlingsunterkunft sollen künftig Kinder lernen und spielen. Bald soll ein weiterer Container, Platz für Erwachsene bieten. Foto: Cedric Rehman
In dem Container an der Flüchtlingsunterkunft sollen künftig Kinder lernen und spielen. Bald soll ein weiterer Container, Platz für Erwachsene bieten. Foto: Cedric Rehman

Sillenbuch - Erst mal heißt es warten. Eva Dessecker vom Freundeskreis Flüchtlinge steht mit Vertreterinnen der Frauen-Service-Organisation Inner Wheel vor der Notunterkunft für Flüchtlinge an der Gorch-Fock-Straße. Die Firma, die den ersten von zwei Containern für das Asylheim anliefert, kann den vereinbarten Termin nicht einhalten und bittet um Geduld. Ein freiwilliger Helfer macht sich auf, Kaffee zu kochen. Eva Dessecker nutzt die Zeit, um den Vertreterinnen von Inner Wheel zu erklären, was der Freundeskreis mit ihrer Spende von 3500 Euro zu tun gedenkt.

Für 3000 Euro haben die Helfer der Flüchtlinge einen Container erworben. Er soll mit dem Rest der Summe hergerichtet und ausgestattet werden, damit sich die Kinder der Unterkunft darin wohl fühlen. „Bisher waren die Kinder meist bei ihren Eltern im Schlafsaal, wenn sie nicht draußen gespielt haben“, sagt Dessecker. Das soll sich nun ändern. Ziel sei es, in dem Container eine Lern- und Spielecke einzurichten. So sollen die Kinder etwa bei Regenwetter einen Ort haben, Schulaufgaben zu machen oder auch mal zu toben, ohne ihre Eltern zu stören.

Flüchtlinge leiden unter mangelnder Privatheit

Eva Dessecker sieht in dem Mangel an Privatheit das größte Problem für die Bewohner der Notunterkunft. Mal ein paar Minuten durchschnaufen ohne Kinderlärm oder ein Gespräch unter Eheleuten führen, dem kein Fremder lauschen kann, ist eigentlich nur unter freiem Himmel möglich.

Die Flüchtlinge leben gemeinsam in zwei ehemaligen Klassenräumen. Die Familien wohnen in einem Raum, in dem sie ihr Abteile notdürftig mit Tüchern vor fremden Blicken schützen. Die alleinstehenden jungen Männer haben das zweite Klassenzimmer bezogen. Viele würde nachts schlecht schlafen, weil es doch recht unruhig sei, berichtet Dessecker. Sie betont, dass nun ein großer Wunsch der Bewohner in Erfüllung gegangen ist. „Es belastet die Bewohner, dass sie kaum mal für sich sein können“, sagt die ehrenamtliche Helferin.

Raum für die Erwachsenen

Künftig soll es auch für die erwachsenen Flüchtlinge einen Rückzugsraum geben. Dem ersten Container soll ein zweiter folgen, der doppelt so breit ist. In ihm sollen die Erwachsenen einen Ort finden, wenn ihnen in der Notunterkunft die Decke auf den Kopf fällt.

Den größeren Container stellt der Stuttgarter Bauunternehmer Gustav Epple dem Freundeskreis zur Verfügung. Er muss allerdings erst instand gesetzt werden, bevor er als Aufenthaltsraum für Erwachsene genutzt werden kann. „Im Moment ist es schwer zu sagen, wann wir damit fertig sein werden“, sagt Eva Dessecker.

Handwerker müssen werkeln

Die Flüchtlinge werden so viel wie möglich selbst an dem Container arbeiten. Manches gehöre aber in die Hände von Handwerkern, sagt Eva Dessecker. „Zum Beispiel muss das Dach mit Folie abgedeckt werden. Dazu brauchen wir jemanden, der sich auskennt“, sagt sie. Auch die Stromversorgung und der Blitzschutz müssten von Fachleuten eingerichtet werden.

Wenn die Instandsetzung abgeschlossen ist, soll es in dem größeren Container unter anderem ein Bücherregal und eine Leselampe geben. So soll auch ein Lernort für die Flüchtlinge entstehen, die dann in Ruhe Deutschvokabeln pauken können. Der Freundeskreis setzt weiter auf Spenden für die Einrichtung der Container. Die ehrenamtlichen Helfer seien sehr dankbar für die bisherige Unterstützung aus der Bevölkerung mit Einzelspenden, heißt es in einer Erklärung des Freundeskreises.

Ein weiteres Ziel sei die Bereitstellung von WLAN. Die Flüchtlinge sollen nicht mehr auf teure Handyverträge angewiesen sein, um mit Angehörigen in den Herkunftsländern zu kommunizieren. Gemeinsam mit dem Verein Freifunk soll ein kostenloser WLAN-Zugang im Asylheim eingerichtet werden. Künftig gibt es auch einen Platz in der Notunterkunft, an dem die Flüchtlinge mit ihren Verwandten in den Kriegsgebieten sprechen können.

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