Projekt im Kreis Esslingen Wegweiser für junge Flüchtlinge
Beim Projekt „Stage“ des Sozialdienstes katholischer Frauen wurde jungen Geflüchteten geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Nun wurde das Projekt beendet.
Beim Projekt „Stage“ des Sozialdienstes katholischer Frauen wurde jungen Geflüchteten geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Nun wurde das Projekt beendet.
Kreis Esslingen - Es war ein beschwerlicher Weg, den Samay Bader und Said Hashem Ibrahimi auf sich genommen haben. Die beiden 21-jährigen Afghanen kamen im Zuge der Flüchtlingskrise vor wenigen Jahren allein nach Deutschland. „Ohne die Familie ist es sehr schwierig“, erinnert sich Bader an die erste Zeit nach seiner Flucht. Hinzu kam die Sorge, zurückgeschickt zu werden. Inzwischen haben beide gute Chancen, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können.
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Ohne die Hilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der auch die Kinder- und Jugendhilfe in Neuhausen betreibt, wäre ihnen das vielleicht nicht gelungen. Im Rahmen des Projekts „Stage – Stärkung von jungen Geflüchteten bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und Pflichten“ wurden Geflüchtete, die als Minderjährige nach Deutschland gekommen waren, seit August 2019 bei Fragen zum Asyl- und Aufenthaltsrecht begleitet. Nun wurde das Projekt beendet.
Die Verantwortlichen zogen am Dienstag während eines Pressegesprächs in Neuhausen ein positives Fazit. „Es ist eine Erfolgsgeschichte“, findet Angela Risse. Sie ist die Geschäftsführerin des Sozialdienstes der katholischen Frauen. Das Ziel sei es gewesen, den überwiegend jungen Männern eine Bleibeperspektive zu geben. „Die meisten werden im Rahmen des Asylverfahrens nicht anerkannt“, weiß Risse. Im Zuge der Flüchtlingskrise sei deshalb mit dem Projekt „Welcome“ begonnen worden. Dabei wurden Ehrenamtliche gesucht, die die Geflüchteten begleiten sollten. Später begann das Projekt „Stage“. 29 Menschen wurden begleitet. 19 von ihnen haben inzwischen einen Hauptschulabschluss. Die weiteren Geflüchteten haben höhere Schulabschlüsse, machen eine Berufsausbildung oder haben ohne Abschluss die Schule verlassen.
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Wie beschwerlich der Weg zu einer Bleibeperspektive ist, davon berichtete der Jugend- und Heimerzieher Andreas Wolf. Er hat viele Menschen im Rahmen des Projekts „Stage“ begleitet. Nach 2016 hätten auch viele Jugendliche Abschiebebescheide erhalten. Zuvor sei das nicht so gewesen, erinnert sich Wolf. Oft habe man auf dem Klageweg gegen Entscheidungen vorgehen müssen. „Wir waren viel mehr in dieser rechtlichen Geschichte drin“, berichtete er. Zugute kam der Kinder- und Jugendhilfe ihre bereits vorhandenen Kenntnisse bei der Begleitung von minderjährigen Flüchtlingen. Daran erinnerte der Leider der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen Siegfried Stark. Durch den nahen Flughafen habe die Einrichtung bereits vor der Flüchtlingskrise mit Minderjährigen aus dem Ausland zu tun gehabt.
Inhaltlich sei die Einrichtung daher gut auf die Flüchtlingskrise vorbereitet gewesen. Das Problem sei die große Zahl der Menschen gewesen, die innerhalb kurzer Zeit versorgt werden mussten. Ein großes Problem sei es für viele Geflüchtete, einen Identitätsnachweis zu erbringen. Viele kommen ohne Ausweispapiere in Deutschland an, weiß der Jugenderzieher Wolf. Für einen dauerhaften Aufenthaltstitel ist das ein Nachteil. Die nachträgliche Beschaffung, beispielsweise einer afghanischen Geburtsurkunde, ist dann teuer und aufwendig.
Hinzu sei die emotionale Belastung gekommen. Die Krise in den Heimatländern sei mit der Ankunft in Deutschland nicht vorüber. „Das Elend dort läuft weiter“, so Wolf. Die Schicksale der Familienmitglieder seien belastend für die Flüchtlinge. Den meisten Teilnehmern sei nun immerhin die Sorge vor einer raschen Abschiebung genommen. „Die meisten sind in trockenen Tüchern“, meinte der Jugend- und Heimerzieher. Lediglich drei „schwierige Fälle“, seien noch offen, so Wolf. Diese Fälle müssen nun außerhalb des Projekts bearbeitet werden.
45 Geflüchtete begleitet
Begleitung
In den vergangenen Jahren wurden insgesamt 45 unbegleitete minderjährige Geflüchtete in der Kinder- und Jugendhilfe in Neuhausen betreut. Die meisten sind inzwischen wieder ausgezogen. Momentan leben noch zwei Personen dort, die als unbegleitete minderjährige Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind.
Themen
Ohne Hilfe sind Verfahren des Asyl- und Aufenthaltsrechts für Geflüchtete in der Regel nicht zu bewältigen. Im Rahmen von „Stage“ wurden die Menschen in Klageverfahren und bei Gerichtsterminen begleitet, bei der Dokumentenbeschaffung und der Ausfüllung von Formularen unterstützt sowie an Firmen, Schulen und Ausbildungsstätten vermittelt.