Projekt im Stadtbezirk Ein total warmherziges Labor im Stuttgarter Süden

An Erwins Bude gibt es gerettete Lebensmittel für lau. Foto: MüZe
An Erwins Bude gibt es gerettete Lebensmittel für lau. Foto: MüZe

Die Initiative Labor Süd bündelt die guten Geister und die sprühenden Ideen des Stadtbezirks in Zoom-Konferenzen und demnächst auch in einem Laden und auf dem Schwarzen Brett im Internet. Wer mag, kann sich einbringen, mittun oder einfach mal reinhören.

Innenstadt: Kathrin Wesely (kay)

S-Süd - Das Labor Süd war eine „Corona-Idee“, sagt Barbara Bansbach, Koordinatorin des Mütterzentrums MüZe im Generationenhaus in Heslach. „Ab 16. März letzten Jahres war plötzlich alles zu, unsere ganze Planung dahin. Das lähmte erst mal. Aber dann war da plötzlich auch so viel Kreativität und Solidarität – damals, beim ersten Lockdown.“ Bansbach, ihre Kollegin Anette Runge und die Künstlerin Uta Weyrich wollten diese positiven Energien nutzen und auf einer Plattform bündeln. „Wir haben dieses erzwungene Innehalten dazu genutzt, zu überlegen, was uns Nachbarschaft bedeutet, was wir wollen und was wir von all dem jetzt in die Zeit nach dem Lockdown hinüberretten wollen“, so Bansbach.

Parole: Lächeln!

Die Idee war zunächst: Konstatieren, was es alles schon im Stadtbezirk gibt – welche Aktivitäten, Initiativen, welche kulturellen und sozialen Einrichtungen. „Der komplette Bezirk sollte angesprochen werden, auch der Handel und die Gastronomie“, berichtet Barbara Bansbach, um zusammengebracht zu werden, gemeinsame Ideen zu entwickeln, Synergien zu entdecken, um letztlich gute Nachbarschaft zu gestalten. Auch Doppelstrukturen können auf diesem Wege entdeckt und die Kapazitäten besser genutzt werden, sagt die MüZe-Koordinatorin. Wegen des Abstandsgebotes fanden die Labor-Süd-Treffen bislang immer online statt, und vorerst bleibt das auch so. Doch im Grunde zielt die Labor-Idee auf die echte Begegnung miteinander ab.

Im Laufe des vergangenen Jahres sind so einige Projekte ins Rennen gegangen wie der „Heslacht“-Button, der die Menschen auffordert, einander zu zu lächeln. „Das zeigt, man ist in Gemeinschaft, man ist nicht für sich allein“, meint Bansbach. Lächeln und Begrüßen sollten mit dem Button „als neue Kommunikationskultur“ im Stadtbezirk etabliert werden. Außerdem nahm das Foodsharing-Projekt Erwins-Bude an der Matthäuskirche, wo gerettete Lebensmittel verteilt werden, seinen Anfang. „Es ist eine wunderbare Kooperation vom MüZe Süd, dem Alten Feuerwehrhaus und dem Freundeskreis Flüchtlinge“, sagt Bansbach. Die Geflüchteten seien froh, bei der ehrenamtlichen Tätigkeit endlich mal wieder die Gelegenheit zu haben, Deutsch zu sprechen, berichtet Bansbach.

Das Labor Süd beteiligte sich ferner an der kostenlosen Suppenverteilung Supp-Optimal der Bürgerstiftung sonntags auf dem Marienplatz. Initiativen und deren Unterstützer machen aufeinander aufmerksam, unterstützen sich gegenseitig – so auch beim Plaudertelefon der Bürgerstiftung oder bei der Einrichtung eines öffentlichen Bücherregals.

Nächste Woche findet nun schon die vierte Labor-Besprechung per Zoom-Konferenz statt. Teilnehmen kann, wer eine Idee hat, wer mitdiskutieren, wer sich bei bestehenenden Projekten einklinken oder einfach erst mal bloß hören will, was geht. Die nächste Labor-Süd-Konferenz per Zoom findet am Mittwoch, 3. März, von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr statt. Den Link zur Teilnehme erhält man per E-Mail an die Adresse ­laborsued@mueze-stuttgart.de

Das Basislager im Uhrenladen

Die Labor-Initiatorinnen wollen, dass sich die Projekte verstetigen und dass Labor Süd nach der Pandemie zu mehr persönlichen Begegnungen im Bezirk führt. Aus diesem Grund, hat das MüZe an der Böblinger Straße 44 einen leer stehenden Laden angemietet, der dem Labor künftig als Treffpunkt und Besprechungsraum dienen wird. Hier wird man, sagt Bansbach, „jenseits der herkömmlichen Schienen neue und kreative Denkansätze entwickeln und einen Orte des Dialogs schaffen, an denen unkonventionelle Ideen und unerwartete Verknüpfungen wachsen und entstehen“. Zugleich dient das ehemaligen Uhrengeschäft dem MüZe, das im Mehrgenerationenhaus einen eher geschützten Raum hat, als Scharnier in die Öffentlichkeit. In Arbeit ist derzeit auch eine Internetseite, die als eine Art Anlaufstelle und Schwarzes Brett im Süden dienen soll.




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