Projekt in Bad Cannstatt Kicken für eine bessere Zukunft

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Der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart ermöglicht Schülern der Martin-Luther-Schule Sprachförderung und Training mit dem VfB. „Fußball trifft Kultur“ heißt das Programm, bei dem die Kinder vor allem fürs Leben lernen.

Die kleinen Kicker der Martin-Luther-Schule sehen ihren großen Vorbildern des VfB in den weißen Trikots bereits sehr ähnlich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die kleinen Kicker der Martin-Luther-Schule sehen ihren großen Vorbildern des VfB in den weißen Trikots bereits sehr ähnlich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bad Cannstatt - Die Arme um die Schultern des jeweils Nebenstehenden gelegt, stehen die kleinen Fußballer im Kreis und stecken die Köpfe zusammen. Es ertönt ein Schlachtruf aus den Kinderkehlen, dann stoben die Knirpse auseinander und jagen dem Ball hinterher, kaum hat der Schiedsrichter die Partie angegriffen. In ihren weißen Trikots sehen sie den großen Vorbildern des VfB schon sehr ähnlich.

Doch die die Schüler der Martin-Luther-Schule auf dem Seelberg streben noch längst keine Fußball- oder anderweitige Karriere an – zunächst führt sie ihr Weg auf die weiterführende Schule. Und das mit besten Voraussetzungen. Zwei Jahre lang haben sie nämlich im Programm „Fußball trifft Kultur“ nicht nur an ihren Dribbel-, sondern auch an ihren Sprachkenntnissen gefeilt. An diesem Tag zeigen sie in einer der Disziplinen, was sie gelernt haben – nämlich beim großen Abschluss-Turnier im Robert-Schlienz-Stadion.

Die Kinder sind mächtig stolz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Je rund 25 Kinder der Bad Cannstatter Grundschule und der Lerchenrainschule im Stuttgarter Süden nimmt der Förderverein Kinderfreundliches Stuttgart alle zwei Jahre in das Programm auf. Ausgewählt werden sie tatsächlich nach dem Prinzip „Wer ist der Schlechteste?“, wie die Geschäftsführerin des Vereins Roswitha Wenzl sagt. „Die Lehrer schlagen uns die Kinder vor, die die wenigsten Chancen haben“, erklärt sie. Sei es, weil sie große Probleme mit der deutschen Sprache haben oder weil sie aus bildungsfernen Haushalten kommen. Für die Kinder ist die Teilnahme aber kein Stigmata, erzählen die Organisatoren und die Verantwortlichen der Schulen. Im Gegenteil: Die anderen Kinder sind teilweise sogar neidisch. Immerhin dürfen die ausgewählten Lerchenrainschüler mit den Stuttgarter Kickers, die Cannstatter Schüler mit dem VfB trainieren.

Zwei Stunden Fußballtraining pro Woche, danach ebenso lange Sprachunterricht, zwischendurch kulturelle Ausflüge ins Museum oder die Bücherei – für die Grundschüler der dritten und vierten Klassen ist das nicht nur ein Zuckerschlecken: „Sie müssen auch lernen, sich zu disziplinieren und durchzuhalten“, erklärt die Projektleiterin Roswitha Wenzl. Die Anwesenheit sei immer Pflicht und die Kinder und Eltern müssen sich zum Beispiel gewissenhaft um Dinge wie die Pflege der gestellten Trikots kümmern. Finanziert wird das jeweils rund 25 000 Euro kostende Projekt von der Gazi-Kinderstiftung.

Mit Bewegung lernt es sich leichter

Der Baustein Fußball soll die Kinder natürlich vor allem für das Programm motivieren, sagt Jens Andrej, der Leiter der VfB-Fußballschule, die seit Projektstart vor fünf Jahren das Training an der Martin-Luther-Schule leitet. Doch natürlich lernen die Kinder dabei auch Dinge wie Selbstbewusstsein, Teamgeist und höflichen Umgang. Bewegung und Sprache seien zudem eng verwoben, erklärt Katharina Geiger, Konrektorin und Sprachtrainerin an der Cannstatter Grundschule. Sie gebe keinen Frontalunterricht, die Kinder nehmen die Sprachregeln etwa beim Theaterspielen auf. Die Fortschritte nach zwei Jahren seien immer zu erkennen – auch wenn man das nicht plakativ an Noten oder einer Empfehlung fürs Gymnasium festmachen könne. „Die Kinder haben unterschiedliche Voraussetzungen und damit auch unterschiedliche Erfolge“, sagt sie.

Vor allem haben sie aber eine Menge Spaß – das wird an diesem Nachmittag auf dem Fußballplatz deutlich. In fünf Mannschaften treten sie beim Jeder-gegen-jeden-Turnier an. Einen Sieger gibt es nicht, alle Kinder bekommen eine Medaille und natürlich eine Stadionwurst. Und für ihr Durchhalten im Projekt gibt es am Ende des Schuljahrs ein Zeugnis, das die Zusatzqualifikation bescheinigt. Damit geht es dann auf die weiterführende Schule – und in eine hoffentlich chancenreiche Zukunft.

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