Projekt in Bad Cannstatt Kritik an Neubauvorhaben der SWSG
Im Bad Cannstatt sollen etwa 300 Wohnungen entstehen. Doch das Projekt gefällt nicht jedem.
Im Bad Cannstatt sollen etwa 300 Wohnungen entstehen. Doch das Projekt gefällt nicht jedem.
Bad Cannstatt - F ür Diskussionsstoff im Cannstatter Bezirksbeirat sorgen seit geraumer Zeit die Pläne für die Wohnhäuser im Bereich Düsseldorfer/Bottroper Straße im Stadtteil Hallschlag. Die derzeit 114 Wohneinheiten werden abgerissen. Stattdessen soll ein Neubau mit mehr als 300 Wohnungen inklusive Familienzentrum, Kindertagesstätte, Wohngemeinschaften für Menschen mit Pflegebedarf und Tiefgaragen entstehen. Bauherr ist die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Ein Planungswettbewerb wird in den kommenden Monaten ausgeschrieben. Dafür sprach sich das Gremium mehrheitlich aus, Bezirksbeiräte des Fraktionsbündnisses „Die Fraktion“ stimmten indes dagegen.
Das betroffene Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von etwa 17 600 Quadratmetern, zwischen Düsseldorfer Straße, Bottroper Straße, der Straße Am Römerkastell und dem Helga-Feddersen-Weg. Die Baumaßnahme ist Teil des Rahmenplans Hallschlag. Zentraler Kernpunkt dieses Städtebaukonzepts ist die Umgestaltung der Straße Auf der Steig zum so genannten „Grünen Rückgrat“ des Quartiers. Außerdem will die Stadt den Wohnungsbestand, die Wohnungsvielfalt, den Ausbau des sozialen Mietwohnungsbaus und der sozialen Infrastruktur stärken. Eine Analyse hat laut Stadtverwaltung ergeben, dass im Quartier Düsseldorfer/Bottroper Straße die Gebäude nicht mehr den zeitgemäßen Standards in Bezug auf Statik, Heizungstechnik, Wärme- und Schallschutz entsprechen. Deshalb soll ab 2023/2024 neu gebaut werden. Bezugsfertig könnten die Wohnungen dann ab 2025/2026 sein.
Als „notwendigen Impuls“ bezeichnete Roland Schmid, der Sprecher der CDU-Fraktion, die Pläne. Er mahnte jedoch, dass in den geplanten Tiefgaragen ausreichend Stellplätze zur Verfügung stehen müssten. Gerhard Veyhl, Sprecher der Freien Wähler, hält es für richtig, durch Nachverdichtung in diesem Bereich neuen Wohnraum zu schaffen. „Den Grundgedanken bezahlbaren und mehr Wohnraum zu schaffen“, begrüßt auch die FDP, wie deren Fraktionssprecher Timur Lutfullin sagte.
Ebenso unterstützen die Grünen das SWSG-Vorhaben. Fraktionssprecher Peter Mielert wollte aber über die Sozialdaten der Bewohner und deren Einstellung zum Projekt informiert werden. Der Grund: Die Fraktionen des Bezirksbeirats hatten ein Schreiben erhalten, in dem sich eine Initiative vehement für den Erhalt der alten Gebäude einsetzt. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner argumentieren, dass den bisherigen Bewohnerinnen und Bewohnern zwar Ersatzwohnungen im Hallschlag angeboten werden sollen, doch viele sich solche Mieten nicht mehr leisten könnten.
In die gleiche Kerbe stieß die Kritik der Fraktionsgemeinschaft „Die Fraktion“. Sie stört sich ebenfalls daran, dass neu gebaut statt modernisiert oder saniert werde. Die Mieten würden deutlich teurer nach einem Neubau und die könnten sich viele nicht mehr leisten, so Siegfried Deuschle. Ein mögliches Szenario, das auch SPD-Fraktionssprecher Marcel Schlatter sieht. Lars Hoffmann von der SWSG versicherte indes, dass man bei diesem Thema in engem Austausch mit den betroffenen Mietern stehe. „Jedem werden Alternativwohnungen angeboten“, sagte Hoffmann, der auf den Zustand der Gebäude im Projektgebiet nicht noch einmal näher eingehen wollte. Die Zahlen der SWSG aus bereits realisierten Bauvorhaben wie in der Lübecker Straße zeigen, „dass ein Großteil der Bewohner im Hallschlag bleibt“. 89 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner konnten mit einer SWSG-Wohnung neu versorgt werden, von diesen würden wiederum 70 Prozent im Stadtteil bleiben. Die Verantwortlichen der städtischen Tochter, die seit mehr als zehn Jahren auf dem Hallschlag aktiv sind, verwehren sich gegen den Vorwurf der Verdrängung.