Projekt in Ludwigsburg Jugendliche dürfen endlich ganz legal sprayen
Normalerweise machen sich Sprayer strafbar. In Ludwigsburg gibt es jetzt eine Unterführung, die ganz legal mit Graffiti verziert werden darf.
Normalerweise machen sich Sprayer strafbar. In Ludwigsburg gibt es jetzt eine Unterführung, die ganz legal mit Graffiti verziert werden darf.
Ludwigsburg - Es ist ein mutiges Projekt, das die Stadt Ludwigsburg genehmigt hat. Und „hoffentlich nicht das letzte“, sagt Arndt Jeremias. Er ist Teamleiter der städtischen Kinder- und Jugendförderung und freut sich über den Startschuss zur ersten legalen Graffiti-Fläche in Ludwigsburg.
Rund 20 Jugendliche möchten sprayen lernen. Ihre Lehrerin Lisa-Katharina Reitinger hat die Schüler an der Eberhard-Ludwig-Schule für diesen Tag vorbereitet. Sergey hat schon ganz konkrete Skizzen in der Hand, was er nachher auf die Wand sprühen möchte. „Ich male immer zuerst den Kopf, bevor ich die Körper ergänze“, sagt die 14-jährige Sophie. Die Jugendlichen haben ihren Wunsch schon vor längerer Zeit an Jeremias herangetragen. Und Tim Scheu findet sofort den richtigen Draht zu den Schülern. Kein Wunder: der 28-jährige Realschullehrer sprüht seit seinem 15. Lebensjahr Graffiti und weiß, wovon er spricht.
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Das Problem mit Graffiti – manchmal mehr Kunst, manchmal eher wilde Sprüherei – ist in Ludwigsburg wohl nicht so groß wie in Hamburg, Berlin oder auch Stuttgart. Aber trotzdem werden immer wieder die Wände von öffentlichen oder privaten Gebäuden besprüht oder auch mit Aufklebern aller Art verunstaltet. „Zwei Kollegen beschäftigen sich mit nichts anderem“, sagt Hans-Jürgen Schroff, der Leiter Technische Dienste der Stadt Ludwigsburg. Deswegen ist er jetzt ein bisschen stolz, dass es jetzt eine ganz offizielle, legale Graffiti-Freifläche der Stadt gibt. Am Freitag wurden mehrere Flächen der Unterführung an den Junkerleswiesen in Eglosheim von Hans-Jürgen Schroff, Arndt Jeremias, Tim Scheu und nicht zuletzt von Jugendlichen der Hirschbergschule und der Eberhard-Ludwig-Schule eingeweiht.
Die Stadt Ludwigsburg habe den Eigentümern im Kampf gegen wilde Graffiti einmal eine Art 24-Stunden-Versprechen gegeben, erzählt Hans-Jürgen Schroff. „Wir wollen das so schnell wie möglich entfernen, was dann auch eine Art Abschreckung sein soll.“ Aber: „Nur mit repressiven Maßnahmen kommen wir nicht weiter“, sagt Schroff, das sei ein Kampf gegen Windmühlen. Deswegen wurde schon vor eineinhalb Jahren mit der Suche nach geeigneten Flächen für legales Sprühen begonnen. Das sei schwierig gewesen. Umso mehr freut sich Schroff, dass die Stadt Graffiti-Künstlern jetzt eine erste Fläche ähnlich der Stuttgarter Hall of Fame unter der König-Karls-Brücke anbieten kann.
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„Wir haben Zeit und Engagement investiert“, sagt Schroff. Und dieses Engagement werde weiter gehen. So wird einer der Stadtreiniger regelmäßig an der früher oft mit derben Sprüchen verunzierten Unterführung vis-à-vis zu Mannmobilia vorbeischauen und eventuelle Abfälle entsorgen. Für gebrauchte Spraydosen, die nicht in den normalen Müll gehören, hat die Stadt spezielle Mülleimer mit Deckel angebracht. Und die Suche nach weiteren Flächen geht weiter. Hans-Jürgen Schroff: „Wir haben weitere Flächen im Auge.“ Bei so viel Energie der Schüler würden diese Flächen sicher sehr schnell gefüllt. „Mit viel Spaß können sie hier ihre Grenzen legal ausloten“, ist Arndt Jeremias überzeugt.