Projekt in S-Mitte Eine intelligente Sitzbank für die Königstraße

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Die Bezirksbeiräte wollen dem Jugendrat Mitte bei einem Projekt helfen. Sie möchten eine Sitzbank mit kostenlosem WLAN aufstellen. Dafür gilt es nun, Sponsoren zu finden.

Eine Smart Bench stand bereits  während des letzten Wintereinbruchs im März 2018 zur Probe vor dem Rathaus. Foto: Cedric Rehman
Eine Smart Bench stand bereits während des letzten Wintereinbruchs im März 2018 zur Probe vor dem Rathaus. Foto: Cedric Rehman

S-Mitte - Nur zum Abhängen, wie es im Jugendjargon heißt, ist die intelligente Bank fast zu schade. Die von einem kroatischen Unternehmen hergestellte Smart Bench produziert mit einem in die Sitzfläche integrierten Solarpaneel Strom. Passanten können über USB-Anschlüsse ihre Smartphones aufladen. Sie leuchtet auch im Dunkeln und kann so zur öffentlichen Sicherheit beitragen. Außerdem stellt sie der Umgebung kostenloses WLAN zur Verfügung.

Der Jugendrat Mitte will, dass eine solche Bank künftig auf der Königstraße oder alternativ auf dem Berliner Platz steht. Die Smart Bench durchzusetzen stehe ganz oben auf der Prioritätenliste des Jugendrats, erklärte Jonathan Dawit dem Bezirksbeirat Mitte bei seiner jüngsten Sitzung. Er bat das Gremium um eine Finanzierung der Bank aus dem eigenen Budgettopf. Die Kosten bezifferte Dawit mit 10  000 Euro.

Bezirkschefin nennt Kosten erheblich

Bezirkschefin Veronika Kienzle merkte an, dass dies eine stattliche Summe sei. „Auf einer Bank können nur zwei Leute sitzen. Von 10 000 Euro könnten viele Dinge finanziert werden, von denen mehr Menschen profitieren“, sagte sie. Dawit erwiderte, dass wesentlich mehr als zwei Menschen das kostenlose WLAN nutzen könnten, das die Smart Bench zur Verfügung stellt. Einige Bezirksbeiräte sprachen sich dafür aus, zunächst zu klären, welcher Betreiber das WLAN zur Verfügung stellt. Es gehe um Datensicherheit, meinte zum Beispiel der SPD-Bezirksbeirat Heinrich Huth.

Bezirksbeiräte plädieren für Königstraße

Er schlug eine Smart Bench vor, die das WLAN der nicht kommerziellen Initiative Freifunk nutzen sollte. Freifunk will ein freies Funknetz aus selbstverwalteten Computernetzwerken etablieren und ist auch in Stuttgart aktiv. Die Bezirksbeiräte waren sich außerdem einig, dass die belebtere Königstraße sich eher für ein Pilotprojekt eigne als der Berliner Platz .

Die Bezirksbeiräte kennen die intelligente Bank übrigens schon. Eine solche Bank stand probeweise im Frühjahr vor dem Rathaus. Die Lokalpolitiker rätselten damals, um was es sich bei der futuristisch anmutenden Sitzgelegenheit handelt. Wie sich herausstellte, hatte die Stuttgart Marketing GmbH einen vierwöchigen Testbetrieb der Solarstrom produzierenden Bank vor dem Rathaus vermittelt. Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Stuttgart Marketing, zeigte sich damals überzeugt vom Potenzial der Multifunktionsbank. Stuttgart könnte einen weiteren Schritt in Richtung Smart City gehen, wenn sie solche Sitzgelegenheiten aufstelle, meinte er.

Testbetrieb war Vorbild

Stadtplaner verstehen unter dem Konzept der „Smart City“ eine vernetzte Stadt, die das Leben der Anwohner durch Digitalisierung leichter macht. Der Jugendrat nimmt den Ball nun auf. „Wir sind durch die Smart Bench vor dem Rathaus auf die Idee gekommen“, sagte er.

Die Bezirksbeiräte einigten sich darauf, das Vorhaben des Jugendrats zu unterstützen. Bezirkschefin Kienzle will das Gespräch mit der Stadt suchen, um auszuloten, wie Kooperationspartner für das Projekt gefunden werden könnten. Zum einen gehe es um Sponsoren aus der Wirtschaft, die eine Bank finanzieren, erklärte sie. Aber auch eine wissenschaftliche Begleitung sei wichtig. „Ich denke zum Beispiel an das Fraunhofer Institut“, sagte sie. Kienzle versprach, im Januar mit Vorschlägen auf den Jugendrat zuzugehen.

Jugendräte sammeln Kippen

Die Bezirksbeiräte zollten dem Jugendrat auch für ein anderes Projekt Respekt. Die Jungpolitiker wollten sogenannte Kippster im Bezirk betreuen. Das sind Boxen für Zigarettenstummel. Eine plakative Frage wie „Lieber Spätzle oder Maultaschen“ soll Raucher animieren, ihre Kippen in einer der Behälterkammern zu entsorgen, statt sie auf dem Boden ausdrücken. Der Jugendrat will die Entleerung der Kippster selbst vornehmen. Bezirkschefin Kienzle staunte. „Das ist doch ganz schön eklig“, sagte sie. „Für die Umwelt machen wir das gerne“, erwiderte eine Vertreterin des Jugendrats.

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