Wie wohnen wir in der Zukunft? Die Stadt Waiblingen hofft, mit ihrem Bauvorhaben im Gebiet Korber Höhe auf die Liste der IBA’27-Projekte zu kommen. Bald fällt dazu die Entscheidung.
Winnenden, Backnang, Fellbach und Kernen haben es bereits geschafft: Sie haben sich mit einem besonderen Bauvorhaben auf der Liste der IBA’27-Projekte platziert. Das ist die Voraussetzung dafür, sich als einer der Ausstellungsorte für die Internationale Bauausstellung im Jahr 2027 zu qualifizieren. Auch Waiblingen wäre gerne im Kreise der Kommunen, die getreu den Vorgaben der IBA-Macher „mutig, modellhaft und zukunftsweisend“ planen und bauen. Mit ihren Plänen für die Entwicklung des Stadtteils Korber Höhe hat die Kommune bereits Aufmerksamkeit erregt und es in eine Art Vorauswahl, das IBA’27-Netz, geschafft.
Chancen für IBA’27-Projektliste stehen gut
Nun stehen die Chancen gut, dass das Projekt „Neues Wohnen auf der Korber Höhe“ auch den Aufstieg zum IBA’27-Projekt schafft. „Das Vorhaben wird in der nächsten Kuratoriumssitzung vor der Sommerpause beraten“, erklärte nun Patrik Henschel, der Leiter des Stadtplanungsamtes, im Planungsausschuss: „Wir dürfen davon ausgehen, dass wir ein IBA’27-Projekt werden.“ Wer auf der Projektliste steht, genießt etliche Vorteile. Zum Beispiel begleitet dann ein interdisziplinäres Team das Vorhaben. Dieses unterstützt die Stadt bei der Ausschreibung von Wettbewerben und beim Aushandeln möglicher Freiräume im Planungsrecht, vermittelt Experten und hilft bei der Beschaffung von Fördergeldern.
Im Gegenzug muss das Projekt aber Antworten darauf liefern, wie das Wohnen der Zukunft aussehen könnte. Die Stadt Waiblingen will im Gebiet Korber Höhe gleich mehrere Dinge erreichen. Zum einen sind viele der Bewohner der Großwohnsiedlung aus der Zeit der 1970er Jahre nun im Seniorenalter und benötigen barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen oder einen Platz in einem Pflegeheim, das es bislang nicht gibt. Zum anderen suchen junge Familien dort größeren Wohnraum. Da hofft die Stadt, dass mancher Senior sein Haus oder seine Wohnung gegen etwas Kleineres tauscht. Um zu erfahren, ob das realistisch ist und wie sich der Bedarf darstellt, will die Stadt zunächst eine Umfrage machen.
Überdurchschnittlich viele preiswerte Wohnungen
Die rund vier Hektar große Fläche, die entlang der bisher nur einseitig bebauten Stauferstraße für Bauprojekte zur Verfügung steht, gehört der Stadt. Nach den ersten Plänen sollen dort rund 220 Wohnungen für Singles, Familien und Senioren entstehen, aber auch Wohnformen wie Senioren-WGs oder Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen sind geplant. Nach den Vorgaben der IBA’27 liegt der Pflichtanteil an gefördertem Wohnungsbau bei 30 Prozent, die Stadt Waiblingen sieht einen zusätzlichen Anteil von 20 Prozent an „preisgedämpftem Wohnungsbau“ vor. Laut Patrik Henschel bedeutet das, dass der Preis zwei Euro unter dem allgemeinen Mietpreisspiegel liegt.
Mit einem reduzierten Stellplatzschlüssel von 0,8 statt 1,0 wollen die Stadtplaner gemäß den Zielen der IBA’27 erreichen, dass der Individualverkehr im Wohngebiet verringert wird. Eines der insgesamt vier geplanten Baufelder soll im Eigentum der Stadt bleiben, welche dort ein Quartiersparkhaus errichten will. Im sogenannten Mobility Hub finden Autos der neu Zugezogenen Platz, aber auch die Anwohner, die jetzt noch entlang der Stauferstraße parken, können sich dort einmieten. Im mehrgeschossigen Bau könnten auch Dienstleistungsbetriebe oder weitere Wohnungen untergebracht werden.
Ein Baufeld behält die Stadt, drei gehen an Investoren
Für die übrigen drei Baufelder will die Stadt zunächst Investoren finden. Diese bewerben sich mit einem Nutzungskonzept und werden von einer Jury ausgewählt. Erst in einem zweiten Schritt werden dann pro Baufeld je drei Architekturbüros und drei Büros für Freiraumplanung damit beauftragt, Entwürfe einzureichen. Investor, Stadt und IBA’27-Team machen jeweils einen Vorschlag. So seien die Auswahl und auch der Einfluss der Stadt größer, erklärte Patrik Henschel. Einige Räte äußerten Bedenken angesichts des reduzierten Stellplatzschlüssels und der recht hohen Sozialquote. Letztere verhindere, dass das Projekt kostendeckend umgesetzt werden könne. Andere kritisierten die Flächenversiegelung. Trotzdem stimmte eine Mehrheit dafür, dem Gemeinderat zu empfehlen, die Pläne abzusegnen.