Projekt Leonhardsvorstadt Zukunft des Züblin-Areals völlig offen

Ob das Rotlichtviertel weiter Bestand hat, wird eine entscheidende Frage für Investoren der Neuen Mitte in der Leonhardsvorstadt sein. Foto: Mario Esposito

Auch das neue Parkhaus von Breuninger und das Haus für Film und Medien hinken dem Zeitplan hinterher. Der Gemeinderat entscheidet im Herbst über die künftige Entwicklung im Rotlichtviertel.

Die Verantwortlichen der Internationalen Bauausstellung IBA ´27 reagieren auf die anhaltende Debatte über die Verzögerungen bei Bau und Planung der Neuen Mitte in der Stuttgarter Leonhardsvorstadt – also die Fläche des heutigen Züblin-Parkhauses – mit einer Durchhalteparole: Das Ausstellungsjahr 2027 sei nach wie vor „eine riesige Chance, das um- oder neugebaute Züblin-Parkhaus als exemplarische Stadtreparatur präsentieren zu können“.

 

Die Zeit sei zwar knapp und die Investorensuche schwierig. „Der Ausnahmezustand auf Zeit“, in dem eine IBA agiere, die Dringlichkeit der geschürten Erwartungen und die Perspektive auf einen „Leuchtturm sanfter und sozial verträglicher Quartiersentwicklung“ könnten „aber Kräfte freisetzen, die das Schwierige noch möglich machen“.

Keine Realisierungschance

Allerdings wird das Züblin-Parkhaus nach Informationen unserer Zeitung intern nur noch in einer Kategorie für aufgegebene Projekte geführt. Die Aussage von Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle, das eine weitere jahrelange Zwischennutzung des Gebäudes in der heutigen Ausprägung – also als Parkhaus mit Kulturcafé und einem Garten auf dem Dach, in dem Veranstaltungen mit gedämpfter Musik stattfinden – kein IBA-Projekt sei, hat Intendant Andreas Hofer zudem unterstrichen.

Er scheint in Bezug auf die Leonhardsvorstadt insgesamt etwas desillusioniert zu sein, weil der Eindruck nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Stadtverwaltung gleich mehrere – zeitlich und inhaltlich voneinander abhängige - Projekte nicht auf die Reihe bekommt und dadurch die Transformation des Betonklotzes auf die lange Bank geschoben werden muss. Dies mit der Konsequenz, dass er auch in den nächsten vier Jahren Parkhaus bleiben dürfte.

Abhängigkeit von anderen Projekten

Die IBA-Verantwortlichen haben auf ihrer Internetseite die Lage neu beschrieben und klar gemacht, dass man seit 2020 in einem „vorbildlichen, zielgeführten und erfolgreichen Prozess“ die Neue Mitte Leonhardsvorstadt als Verbindung von Bohnen- und Leonhardsviertel entwickelt habe. Sie verweisen auch auf die Abhängigkeit zu den benachbarten Projekten Mobility Hub als Ersatz für das Breuninger-Parkhaus mit seinen rund 600 Stellplätzen und dem Haus für Film und Medien. Die Verzögerung beim Mobility-Hub, der nächstes Jahr fertiggestellt werden sollte, aber noch nicht einmal begonnen wurde, hat Auswirkungen auf das Filmhaus (Planungsverfahren noch nicht beendet) und das Züblin-Parkhaus, das von Anfang an als Interim für die wegfallenden Parkplätze für Breuninger vorgesehen war.

Bei der IBA hätte man sich gewünscht, dass die Konzeptvergabe für die Nachfolge des Parkhauses bereits 2021 erfolgt wäre, um ein starkes Signal auszusenden. Nun hat Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne) deutlich gemacht, dass damit erst Anfang kommenden Jahres zu rechnen sei. Damit verzögert sich alles um mehr als ein Jahr. Den ursprünglichen Zeitplan zugrunde gelegt, würde die Fertigstellung der Neuen Mitte dann nicht vor dem Jahr 2028 gefeiert werden können.

Was passiert im Rotlichtviertel?

Allerdings ist die Frage, ob das Parkhaus für die Neuordnung durch einen großen oder mehrere kleine Investoren abgerissen oder im Bestand saniert wird, nur eine von vielen unbeantworteten. Wichtig erscheint auch, wie sich das benachbarte Rotlichtviertel entwickelt – ein Thema, um das sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat seit zwölf Jahren drücken.

Der für einen Beschluss längst vorbereitete Bebauungsplan hat laut Baurechtsbehörde das Zeug, Genehmigungen der dort angesiedelten Prostitutionsbetriebe zu verhindern, was mit dem Versuch verbunden würde, diese dann zu schließen. Das würde sicher vor Gerichten enden. Es erscheint aber auch denkbar, dass die bürgerlichen Parteien im Gemeinderat mit Hilfe der AfD dafür plädieren, alles zu belassen, wie es ist.

Das hätte zur Konsequenz, dass in bestehenden Bars künftig wieder Prostitution angeboten würde und zudem weitere Häuser dafür hergerichtet würden. Potenzielle Investoren für die Neue Mitte dürften diese Ratsentscheidung abwarten. Sie wird im Herbst erwartet. Zuvor findet noch eine Anwohnerbefragung am 28. September statt.

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