Projekt „Mind Spring“ im Landkreis Böblingen Schmerzhafte Erinnerungen in Hoffnung umwandeln
Das Projekt „Mind Spring“ soll Menschen mit Migrationshintergrund im Landkreis Böblingen dabei helfen, Stress und Traumata besser zu bewältigen.
Das Projekt „Mind Spring“ soll Menschen mit Migrationshintergrund im Landkreis Böblingen dabei helfen, Stress und Traumata besser zu bewältigen.
Tetiana Vlasiuk und Khalifa Asuleiman haben beide Migrationserfahrung – und helfen nun anderen Geflüchteten und Migranten im Landkreis Böblingen dabei, sich zurechtzufinden. Die Ukrainerin und der Syrer sind Trainer beim Projekt „Mind Spring“, in dem Themen wie Stressbewältigung, Verlust und Identität behandelt werden. Im Landratsamt informierte sich nun Manfred Lucha in seiner Funktion als Integrationsminister über das Projekt.
Tetiana Vlasiuk ist im Jahr 2022 auf das Projekt „Mind Spring“ gestoßen, seither hat sie zehn Kurse abgehalten. Jeder Kurs besteht aus neun Workshops und wird in der Muttersprache der Trainer und Trainerinnen abgehalten, die von Fachkräften unterstützt werden. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Kurs vielen Menschen dabei hilft, ihren Alltag zu bewältigen“, erzählt die 23-Jährige. Viele der Menschen mit Migrationshintergrund hätten traumatische Erfahrungen gemacht. Der Kurs helfe dabei, Stress zu bewältigen, die eigenen Emotionen besser zu verstehen und Gedanken zu ordnen, erzählt Tetiana Vlasiuk.
Das Ziel des Kurses sei es, neue Kraft zu schöpfen, sagt auch Dusan Minic, Dezernent für Jugend und Soziales. Viele Teilnehmende würden mit neuer Hoffnung den Kurs beenden, erzählt eine Trainerin. Während der Präsentation wird auch klar, dass die Ausbildung den Trainerinnen selbst hilft: Eine Teilnehmerin aus einem der anderen Landkreise, die an dem Projekt teilnehmen, erzählt, wie sie durch ihren ehrenamtlichen Einsatz wieder Mut geschöpft hat.
Sich eine neue Identität aufzubauen, wenn man alles verloren habe, sei schwer, erzählt sie. Diese Erfahrung haben mehrere Trainerinnen in dem Kurs gemacht: Viele Teilnehmende beschreiben sich am Beginn des Kurses nur als „Flüchtling“ oder „Asylbewerber“. Durch die Fluchterfahrung gehe die eigene Identität ein Stück weit verloren, erzählt eine Trainerin. Alle Marker, die das eigene Leben definiert haben – Wohnung, Job, Freundschaften – würden mit der Flucht in ein anderes Land verschwinden. Ein Zustand, der viele Migranten und Asylbewerber aus der Bahn werfe.
In Deutschland wird das Projekt in drei Landkreisen durchgeführt. Neben dem Landkreis Böblingen nehmen auch der Enzkreis und der Ostalbkreis teil. Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt über die Stiftung für Prävention seit über drei Jahren. In Zukunft soll das Konzept auch auf Kinder und Jugendliche ausgeweitet werden. Tetiana Vlasiuk hat ihre Ausbildung dafür bereits abgeschlossen.
Auch Berthold Weiß, der die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Ellwangen im Ostalbkreis leitet, wo das Projekt ebenfalls umgesetzt wird, plädiert an den Gesundheitsminister, früh mit den Kursen anzufangen. Für viele Konflikte in den LEAs seien Zukunftsängste der Auslöser. Wichtig sei es, den Menschen Bewältigungsstrategien an die Hand zu geben, sagt Lucha.