Projekt mit vielen Facetten OB mit Bienen-Erfahrung: Jetzt gibt es Honig vom Leonberger Rathaus

, aktualisiert am 14.04.2026 - 16:14 Uhr
Info in Sachen Bienen: (von links) Bernd Murschel und Gudrun Sach, beide für die Grünen im Gemeinderat, sowie OB Tobias Degode lauschen den Ausführungen der Imker Franz Reinharz und Jakob Schwarz. Foto: dpa

Der Oberbürgermeister von Leonberg bringt seine Imker-Erfahrung ein. Nun produzieren Tausende Bienen auf dem Rathausdach einen besonderen Stadthonig.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Ein besseres Zuhause hätten sich diese Bienen kaum wünschen können. Nicht nur, dass die beiden Imker Jakob Schwarz und Franz Reinharz regelmäßig nachsehen, wie die Lage auf dem Leonberger Rathausdach ist. Expertise ist ohnehin schon im Haus: Oberbürgermeister Tobias Degode beschäftigte sich in seiner alten Heimat Düsseldorf ebenfalls bereits mit Bienenhaltung und Honigproduktion.

 

Das gab der Rathauschef jetzt bei einem Ortstermin preis, bei dem das neue Projekt vorgestellt wurde. Ende Oktober 2025 hatten sich die Leonberger Imker Jakob Schwarz und Franz Reinharz der „Bienen-Bleibe“ an die Stadt Leonberg gewandt. Mit ihrem Unternehmen vermieten sie Bienenvölker an Kommunen, Firmen oder Privatpersonen. Die Betreuung übernehmen Schwarz und Reinharz – der Honig geht an die Mieter.

Motivation auf allen Seiten: Die Bienen durften aufs Leonberger Rathausdach ziehen

Ein erstes Kennenlerngespräch gab es im Dezember 2025, danach kamen das Leonberger Klimaschutzreferat und das Citymanagement ins Spiel. „Die Motivation ist gleich übergeschwappt“, erinnert sich die Klimaschutzmanagerin Aylina Scheidemantel. Schließlich nahm das Vorhaben Gestalt an, im März wurde der Vertrag zwischen der Stadt und der „Bienen-Bleibe“ unterzeichnet. Die Bienen zogen am Abend des 1. April aufs Rathausdach.

Franz Reinharz schaut nach dem Rechten. Foto: Simon Granville

an der Leonberger Marie-Curie-Schule. Sie besuchen auch andere Schulen und Kindergärten regelmäßig, um den Jungen und Mädchen die Insekten näherzubringen. „Und die Kinder sind jedes Mal geflasht“, berichteten beide auf der Dachterrasse im fünften Stock der Leonberger Verwaltungszentrale.

Auf dem Rathausdach stehen nun also zwei Bienenkörbe. „Die Völker überwintern in der Regel mit 7000 bis 10 000 Tieren“, so Franz Reinharz, „aber im Sommer werden es dann deutlich mehr, etwa 60 000 pro Volk.“ Das bedeutet also, dass bald rund 120 000 Bienen mehr in Leonberg umherschwirren werden. Einen ersten Eindruck davon ließen sich auch die Stadträte Bernd Murschel (Grüne) und Gernot Hegenbart (AfD) sowie Grünen-Rätin Gudrun Sach – passend im Ganzkörper-Bienenkostüm – nicht entgehen.

Die Tierchen haben durchaus konkrete Aufgaben: Zunächst sollen sie natürlich bei der Bestäubung von Blüten mithelfen und einen Beitrag zur Sicherung lokaler Ökosysteme und Nahrungsketten liefern. „Umweltbildung und Sensibilisierung“ nennt die Stadt als weiteren Punkt: Mitarbeitenden, Bürgerinnen und Bürgern sowie Besuchern soll die Bedeutung der Bienen vor Augen geführt werden. Außerdem sollen sie die Nachhaltigkeit im urbanen Raum sichtbar machen. Zuletzt wäre da noch die Vorbildfunktion der Verwaltung: Die Stadt will zeigen, dass nachhaltige Maßnahmen auch im Verwaltungsalltag konkret umgesetzt werden können.

Der Honig der Bienen vom Rathausdach soll vermarktet werden

Und am Ende produzieren die Bienen auch Honig, den die Stadt vermarkten möchte. Der „Rathaushonig“ soll im städtischen i-Punkt erhältlich sein und das bestehende Sortiment ergänzen. „Seit etwa einem Jahr gibt es im i-Punkt schon Fairtrade-Kaffee und -Schokolade zu kaufen“, sagt die Citymanagerin Nadja Reichert. Auch in Geschenkkörben, die immer stärker nachgefragt seien, könne der Honig seinen Platz finden.

Zusätzlich soll das Bienenprojekt ein Teil des Stadtführungsprogrammes werden. „Einmal jährlich erhalten Interessierte die Möglichkeit, bei einer Vor-Ort-Führung mit den Imkern spannende Einblicke in die Welt der Bienen zu gewinnen“, teilt die Verwaltung jetzt schon mit.

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