Die Stadt ist für ihr Engagement in Sachen Artenvielfalt ausgezeichnet worden. 2500 Quadratmeter Fläche sind bereits als Lebensraum für Wildbienen und Co. umgestaltet worden.

Böblingen: Rebecca Baumann (rmu)

Die Stadt Böblingen ist für ihr Engagement im Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ zur Förderung der biologischen Vielfalt auf öffentlichen Grünflächen ausgezeichnet worden. Bei einem Besuch in der vergangenen Woche übergaben Staatssekretär Andre Baumann und der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle die Projektteilnahme-Urkunde an Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne).

 

Als eine von 15 Kommunen des Projektjahrgangs 2023 bis 2025 habe Böblingen das Projekt erfolgreich abgeschlossen und fünf öffentliche Grünflächen mit einem Umfang von insgesamt 2500 Quadratmetern in artenreiche Wildblumenflächen und Wildstaudensäume umgewandelt, schreibt der Nabu in einer Pressemitteilung.

In der Calwer Straße wurde Wildblumen-Mischung für Bankette verwendet

Die Methode des Kooperationsprojekts wurde demnach inzwischen auch beim ersten Abschnitt der Baumaßnahme in der Calwer Straße auf rund 1000 Quadratmetern angewendet. Hier sei eine salzverträgliche Wildblumen-Mischung für Bankette eingesetzt worden. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts ab Frühjahr 2026 sollen dann weitere rund 6000 Quadratmeter entsprechend angesät werden.

Die Strukturelementebox bietet Insekten Schutz. Foto: Nabu

Bei einer gemeinsamen Begehung im Stadtgarten an der Murkenbachbrücke überzeugten sich Andre Baumann und Johannes Enssle gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt vom Erfolg der Umgestaltung. Baumann lobte das Engagement der Kommune: „Böblingen macht vor, was „Natur nah dran“ auszeichnet: Gut geschulte Mitarbeitende, die mit Fachwissen und Begeisterung artenreiche Wildpflanzenflächen anlegen und pflegen“, sagte er. „Dieses Know-how befähigt Kommunen, dauerhaft weitere Flächen insektenfreundlich zu gestalten. Das ist vorbildlich – und ein starkes Signal an andere Städte und Gemeinden.“

„Naturnah gestaltetes öffentliches Grün als zukunftsweisend für alle Kommunen“

Johannes Enssle betonte neben dem Artenschutz die Bedeutung naturnaher Grünflächen angesichts des Klimawandels. „Wenn Sommer heißer und trockener werden, stoßen klassische Rasenflächen schnell an ihre Grenzen. Mehrjährige Wildpflanzen sind deutlich robuster: Ihre tief reichenden Wurzeln erschließen Wasserreserven und selbst nach Trockenphasen regenerieren sie sich aus dem Samenpotenzial im Boden. Deshalb sehen wir naturnah gestaltetes öffentliches Grün als zukunftsweisend für alle Kommunen und freuen uns, dass Böblingen diesen Weg gewählt hat.“

OB Belz unterstrich den Mehrwert des Projekts für Böblingen. „Artenschutz und Klimaanpassung betreffen gerade auch uns als Stadt“, wird der OB zitiert. „Die Schulungen im Projekt haben uns Rückenwind gegeben, diese Themen konsequent und professionell weiterzuverfolgen.“ Besonders wichtig sei die Vorbildwirkung: „An gut besuchten Orten wie dem Stadtgarten oder dem Ganssee zeigen wir ganz konkret, wie artenreiche Flächen aussehen können. Damit wollen wir auch die Bürgerschaft und andere Kommunen zum Nachmachen motivieren.“

Ergänzend zu den Projektflächen setzt Böblingen weitere Akzente im Artenschutz: Zwei Strukturelementboxen mit Totholz, Sandarium und Steinhaufen bieten zahlreichen Insekten zusätzlichen Unterschlupf und Lebensraum. Beim Projekt „Bridge to Be(e)“ wurden die Balken einer abgerissenen Brücke weiterverwendet, zu Nistplätzen für Wildbienen umgebaut und anschließend von Kindern künstlerisch gestaltet. Umgesetzt wurde das Kunst- und Naturprojekt in Kooperation mit der Kunstpädagogin Laura Zimpfer vom Fachbereich Bildende Kunst der Musik- und Kunstschule Böblingen.

Weitere Informationen gibt es online unter www.naturnahdran.de und www.boeblingen.de/Insektenschutz

Das Projekt

Ablauf
 Die Stadt Böblingen hat im Rahmen von „Natur nah dran“ 13 350 Euro aus Landesmitteln erhalten. Die Umgestaltung der fünf Flächen fand im Herbst 2023 statt. Seitdem erhielten Mitarbeitende der Kommune Schulungen zur fachgerechten Anlage und Pflege der naturnahen Grünflächen.

Förderung
Das NABU-Projekt „Natur nah dran 2.0“ wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 121 Kommunen bereits fast 300 000 Quadratmeter naturnah um.