Projekt „So wohnt Stuttgart“ Diese Mieter sind zufrieden – und diese nicht

Mieter in Stuttgart sind meist zufrieden. Doch es gibt Ausnahmen. Foto: Lichtgut//Piechowski

Unsere repräsentative Umfrage zeigt, was Mieter an ihrer Wohnung besonders schätzen. Die meisten sind mit ihrem Vermieter und ihrer Wohnung zufrieden – bis auf eine Gruppe.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Mieten sind in Stuttgart kein Aufregerthema. Warum? Die Umfrage, die unsere Zeitung beim Institut Forsa beauftragt hat, gibt die Antwort. 910 Mieter sowie 564 Vermieter aus der Region Stuttgart haben daran teilgenommen, die Studienergebnisse sind repräsentativ mit maximal drei Prozentpunkten Abweichung.

 

Klar wird: Die Mieter in der Region sind zufrieden. 86 Prozent der Befragten gaben das an, mehr oder weniger unabhängig vom Alter oder der Größe der Mietwohnung. Doch Mieter ist nicht gleich Mieter. Wir brechen die Ergebnisse auf einzelne Mietergruppen herunter.

Junge Eltern Unter den befragten Drei-Personen-Haushalten dürften sich viele Eltern mit Kind befinden. Nur jeder Fünfte aus dieser Gruppe lebt länger als zehn Jahre in der aktuellen Wohnung – Familienphase ist Umziehzeit. Doch jeder Dritte ist mit der Wohnsituation unzufrieden, mehr als die Hälfte plant einen Umzug. Da beginnen die Probleme: Nur jeder achte Befragte, der konkret gesucht hat, findet genügend Angebote.

Große Wohnung Wer in einer Wohnung mit mehr als 100 Quadratmetern lebt, ist relativ unzufrieden mit dem energetischen Status quo. Die Zufriedenheit mit Vermietern ist relativ hoch (76 %), aber niedriger als bei Menschen mit kleineren Wohnungen (88 %). Die Miete für große Wohnungen wird seltener als angemessen empfunden (67 %) als von Menschen, die in Wohnungen mit weniger als 70 Quadratmetern leben (77 %).

Über 60-Jährige Ältere hingegen sind fast durchweg damit zufrieden, ebenso mit ihrem Vermieter und der Miete. Doch vielfach plagen sie finanzielle Sorgen. Ältere müssen einen höheren Anteil ihres Einkommens (oder ihrer Rente) fürs Wohnen ausgeben als jüngere Mieter, viele mehr als 30 Prozent. Jeder Dritte sorgt sich vor finanzieller Überforderung. Bei jungen Mietern ist das nur jeder Achte.

Unter 30-Jährige Jüngere sind mit ihrem Vermieter am ehesten unzufrieden (24 %), halten die Miete häufiger als andere für zu hoch (ebenfalls 24 %), sorgen sich allerdings kaum vor finanzieller Überforderung (13 %). Stattdessen ist in dieser Gruppe der Anteil der potenziellen Wohnungskäufer mit fast zwei Drittel am höchsten.

Auch der Energieverbrauch ist wichtig: 60 Prozent sind unzufrieden mit dem energetischen Zustand ihrer Wohnung – was aber womöglich auch damit zu tun hat, dass sie sich noch keine topmoderne Behausung leisten können. Zum Vergleich: Bei den über 60-Jährigen sind nur 38 Prozent mit Heizung und Dämmung unzufrieden.

Weniger Wohlhabende Wer monatlich weniger als 2500 Euro netto zur Verfügung hat, ist zwar noch lange nicht arm. Dennoch definiert das Budget in der Region Stuttgart eine eigene Mietergruppe. 11 Prozent davon wenden mindestens die Hälfte des Einkommens fürs Wohnen auf.

Kein Wunder, dass jeder Dritte aus dieser Gruppe Sorgen hat, sich die Wohnung nicht mehr leisten zu können. Der Kauf einer Wohnung kommt für diese Gruppe kaum infrage, nur jeder Fünfte hat entsprechende Pläne. Bei Haushalten mit mehr als 4000 Euro ist es jeder Zweite.

Was Mietern wichtig ist

Es gibt also klare Unterschiede zwischen den Mietergruppen. Relativ einig sind sich die Mieter in der Region Stuttgart aber, was eine gute Wohnung ausmacht. Mit 53 % am häufigsten genannt wurde eine Terrasse oder ein Balkon. Es folgen die Größe der Wohnung (44 %), eine ruhige Lage (40 %) und eine gute ÖPNV-Anbindung (38 %).

Jeder Befragte durfte drei Aspekte nennen. Je kleiner der Haushalt und je geringer das Einkommen, desto häufiger werden Terrasse oder Balkon gewünscht. Beim Garten ist es gerade umgekehrt. Jeweils gut 40 Prozent der Ein- und Zweipersonenhaushalte sind sowohl eine gute ÖPNV-Anbindung als auch eine ruhige Lage wichtig. Bei größeren Haushalten liegen die Werte unter 30 Prozent – sie sind also weniger anspruchsvoll oder legen Wert auf andere Dinge.

Je weniger vom Einkommen man für Miete und Nebenkosten ausgibt, desto höher die Zufriedenheit mit der Wohnsituation. Neben dem verfügbaren Einkommen hat das mit den Wohnkosten zu tun. Höhere Mieten oder Nebenkosten sind Unglücklichmacher, bescheidene Vermieter machen glücklich. Oder wie einer der Umfrageteilnehmer schrieb: „In nun 15 Jahren gab es keine einzige Mieterhöhung, solche Vermieter gibt es! :)“

Besonders zufrieden sind Menschen, die seit mindestens 20 Jahren in ihrer Wohnung leben. Sie halten ihre Miete (75 %) oder den energetischen Zustand (56 %) häufiger als andere für angemessen. Wenig verwunderlich sind 91 Prozent der über 60-jährigen Mieter mit der aktuellen Wohnsituation zufrieden oder sehr zufrieden.

Was ist Ihre Geschichte?

Was bewegt Mieter in der Region Stuttgart – und wie ticken die Vermieter? Dafür freuen wir uns über Ihre Geschichten und Hinweise. Haben Sie den besten Vermieter der Stadt? Einen Geheimtipp für die Wohnungssuche? Oder wollen Sie Ihren Frust über den Wohnungsmarkt loswerden?

Dafür und alle anderen Geschichten rund ums Wohnen ist ab sofort unsere E-Mail-Adresse wohnen@stzn.de freigeschaltet. Schreiben Sie uns!

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