Projekt Superblock in Stuttgart Jung und Alt tummeln sich auf der Straße

Während der Superblock-Woche war die Straße für Autos gesperrt. Foto: Lg//Leif Piechowski
Während der Superblock-Woche war die Straße für Autos gesperrt. Foto: Lg//Leif Piechowski

Der Bezirksbeirat S-West unterstützt das Projekt „Superblock West“ mit einem Zuschuss in Höhe von 2907 Euro. Der Pilotversuch erwies sich trotz mancher Probleme als Erfolg.

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S-West - Anlässlich der Ersten Stuttgarter Mobilitätswoche hat die Initiative Superblock West vom 16. bis 22. September in der Augustenstraße zwischen Schwab- und Silberburgstraße einen Pop-up-Superblock eingerichtet. Die Initiative hat sich aus einem Zusammenschluss von Anwohnerinnen und Anwohnern unter dem Dach des Vereins „Quartierswerkstatt Augustenstraße“ gebildet. In der vergangenen Sitzung des Bezirksbeirats West im Stuttgarter Rathaus berichtete Nina Schwentesius von der Initiative über erste Erfahrungen und Eindrücke mit der versuchsweise eingeführten Superblock-Woche. Sie zog trotz einiger Schwierigkeiten und einem leicht holprigen Start noch vor Ablauf der Woche ein optimistisches Resümee: „Wir hatten überwiegend positive Rückmeldungen.“ 150 Unterschriften seien gesammelt worden. Das Leitmotiv des Projektes „Straßen für Menschen“ sei im Laufe der Projektwoche immer mehr mit Leben gefüllt worden.

Vor allem die Kinder genießen den verkehrsarmen Freiraum

Schon die Fotos auf der großen Leinwand im Sitzungssaal des Rathauses zeigten, dass durch die weitgehend für den Autoverkehr gesperrten Straßenbereiche in dem Karree mehr Raum für Kreativität, sozialen Bürgersinn und geselliges Beisammensein entstehen konnte. Jung und Alt tummelten sich auf der Straße. Es gab verschiedene Veranstaltungsflächen, die Gastronomiebetriebe und Läden beteiligten sich am Programm, es gab Konzerte, Vorführungen, Veranstaltungen und viel Informationsaustausch. „Das Viertel wurde zum Treffpunkt“, so Schwentesius.

Und es gab mitten im September Frühlingsgefühle für die Augustenstraße: So hätten vor allem die Kinder den verkehrsarmen Freiraum genossen und sich an den installierten Schranken und Baken verabredet, berichtete sie. „Die kleineren Kinder haben auf der Straße gespielt und gemalt ohne Ende, viele Menschen waren unterwegs.“ Jung und Alt hätten Gartenzaun-Gespräche geführt, seien ganz entspannt in den Parklets-Zonen im Freien gesessen und hätten miteinander diskutiert. Das Konzept, die Straße als Lebensraum den Menschen zurückzugeben, habe ganz gut funktioniert. Allerdings gab es auch verschiedene Probleme. Die Baustelle und die deshalb geänderte Verkehrsführung auf der Rotebühlstraße sei eine dieser Schwierigkeiten gewesen.

Mancher Autofahrer verlor sich im Labyrinth aus Umfahrungen

Eigentlich hätte diese Straße den mit Hilfe von Diagonalsperren wieder aus dem Superblock-Gebiet geführten Verkehr aufnehmen sollen. Doch die Baustelle verhinderte dies. So verlor sich mancher Autofahrer in einem Labyrinth aus Umfahrungen, was vor allem anfangs zu Verwirrung und Verkehrsbehinderungen führte: „Dadurch wurde praktisch die Umleitung in die Umleitung geführt“, sagte Schwentesius. Die Initiative sei von der Baustelle überrascht worden. Offenbar war die Abstimmung mit den Ämtern nicht optimal. Leider habe auch der allseits bekannte Online-Kartendienst, der übers Smartphone funktioniert und die Autofahrer über Bau- und Engstellen informiert, in diesem Falle nicht funktioniert.

6000 Flyer waren vor dem Verkehrsversuch verteilt worden

Die Fahrer der Müllabfuhr der AWS waren in die Superblock-Pläne wohl ebenfalls nicht rechtzeitig eingeweiht worden: „Sie wussten anfangs nicht wie und wohin“, sagte Schwentesius. Allerdings rückten sie die Absperrungen dann einfach zur Seite und erledigten ihren Job. Doch sie waren nicht die einzigen, die überrascht wurden. Trotz der 6000 Flyer, die vor dem Verkehrsversuch im Wohngebiet verteilt worden waren, führte der Wegfall vieler Parkplätze natürlich auch zu kontroversen Diskussionen mit motorisierten Anwohnern. Ein leichter zu lösendes Problem war die zu einfache Verschiebbarkeit der Schranken: „Die aufgestellten Baken wurden ständig hin- und hergeschoben, sie waren einfach zu leicht“, erläuterte Nina Schwentesius. Allerdings hätten auch einige Anwohner ganz pragmatisch und mit der Hand am Arm dafür Sorge getragen, dass die Schranken immer wieder aufgestellt und zurechtgerückt wurden.

Das Fazit: trotz einiger Schwierigkeiten ein Erfolg

„Trotz aller Schwierigkeiten war diese Woche ein Erfolg“, zog Schwentesius ein positives Fazit. Und Bezirksvorsteher Bernhard Mellert pflichtete bei: „Es hat trotzdem funktioniert.“ Als Unterstützung für die laufenden finanziellen Ausgaben im Zuge der Vorbereitung und Durchführung Superblock-Versuchs und die ehrenamtliche Arbeit der Initiative bewilligte der Bezirksbeirat rund 2900 Euro. Ein entsprechend lautender Antrag wurde bei drei Enthaltungen von den Mitgliedern angenommen.




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