Schorndorf - Von einem Tag auf den anderen mussten vor etwa vier Jahren 20 geflüchtete Kinder an der Reinhold-Maier-Grundschule in Schorndorf-Weiler aufgenommen werden. Kinder, die kein Wort Deutsch konnten, die teilweise noch nie in einem Schulsystem waren, keine Regeln kannten. „Und das sollte eine Lehrkraft bewältigen“, erzählt die Schulleiterin Petra Schiek.
Umso dankbarer war sie damals für die Unterstützung des Kinderschutzbundes Schorndorf/Waiblingen. Zwei Ehrenamtliche kamen im Rahmen des Wir-Projekts in die Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge, erklärten Arbeitsaufträge, übten im Nebenzimmer. Schauten, dass die Hausaufgaben eingepackt und die Stifte gespitzt waren.
Bedarf nicht nur bei geflüchteten Kindern
Als die geflüchteten Kinder irgendwann in die Regelklassen wechselten, blieben die ehrenamtlichen Helfer. Nicht nur in Weiler, sondern an allen sieben Schorndorfer Grundschulen, an denen Wir-Begleiter im Einsatz waren und sind. „Wir haben gemerkt, dass der Bedarf auch bei anderen Kindern da ist, unabhängig ihrer Herkunft“, erzählt Projektleiterin Ulrike Wohland. Und Magdalena Hecker-Rost, die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, sagt: „Das soll keine Konkurrenz zu den Lehrern sein. Aber die Zuwendung steigert die Motivation.“ Deswegen wurde die Unterstützung durch das spendenbasierte Projekt zum Schuljahr 2018/2019 auf weitere Kinder ausgeweitet. In Weiler kommen drei bis vier verschiedene Klassen in den Genuss von Wir-Begleitern.
Projektstart in Waiblingen
Und das Projekt soll weiter ausgebaut werden. Von März an wird es an einer Waiblinger Schule starten. Und es gibt als Weiterentwicklung das MITSprache-Projekt, das in den Startlöchern steht. „Dabei sind die Ehrenamtlichen nicht nur in der Schule dabei, sondern sie verbringen zusätzlich noch einige Stunden bei einem Kind zu Hause, gehen mit zu Schulfesten oder zum Elternabend“, erläutert Ulrike Wohland. Damit soll eine Brücke zwischen Schule und Familie gebaut werden.
Trotz Lockdown geht das Projekt weiter
Wie wichtig solche Projekte sind, merken die Beteiligten gerade jetzt. „Wir versuchen trotz Corona irgendwie weiterzumachen“, erzählt Ulrike Wohland. Im ersten Lockdown, als die Schulen komplett geschlossen waren, haben sich in Weiler Wir-Begleiterinnen mit ihren Schützlingen im Sitzungssaal des benachbarten Rathauses getroffen. „Es gibt einfach die Gefahr, dass uns Kinder verloren gehen“, sagt Ulrike Wohland. Deswegen sind auch jetzt im zweiten Lockdown wieder rund 15 Wir-Begleiter im Einsatz. Sie treffen sich jeweils allein mit einem Kind. Manchmal täglich, manchmal nur alle zwei Tage.
Hilfe für die Kinder, deren Not am größten ist
„Aber das ist so wichtig. Vielen Kindern ist komplett die Struktur verloren gegangen. Und man sieht an den Aufgaben, die bearbeitet werden, was sich für Rückstände aufbauen“, sagt Petra Schiek. Wer zu einer bestimmten Uhrzeit in der Schule sein müsse, habe wieder einen Tagesrhythmus. „Wir haben bei uns im Kollegium besprochen, bei welchen Kindern die Not am größten ist“, erzählt sie. Nicht immer geht es dabei um schulische Defizite: „Manche Kinder wollen wir zeitweise holen, weil wir wissen, dass die häusliche Situation angespannt ist“, sagt Petra Schiek. „Es ist für die Kinder so wertvoll, wenn sie wenigstens eine Stunde Aufmerksamkeit bekommen und bemerkt werden“, ergänzt Ulrike Wohland.