Projekt von „Helfen statt Hamstern“ Bunte Lego-Rampen für mehr Barrierefreiheit in Sindelfingen

Eine Rampe aus Legosteinen gibt es bereits in Stuttgart. Foto: Helfen statt Hamstern

Die Initiative „Helfen statt Hamstern“ möchte fünf Rampen aus Legosteinen bauen, und so Menschen im Rollstuhl die Teilhabe am öffentliche Leben erleichtern. Dafür sammelt sie nun kleine bunte Klemmsteine und sucht Lego-Begeisterte.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Sie sind bunt und echte Hingucker: Rampen aus Legosteinen. Schon bald sollen sie vor einigen Geschäften und öffentlichen Gebäuden in Sindelfingen, Maichingen und Darmsheim aufgestellt werden. Denn die Stufen zu einem Gebäude sind zwar oft nur wenige Zentimeter hoch, aber für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator eine echte Hürde. Diesem Problem will der Sindelfinger Verein „Helfen statt Hamstern“, der sich nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine und dem verheerende Erdbeben in der Türkei und in Syrien mit Sammelaktionen einen Namen gemacht hat, entgegenwirken. Die Mitglieder des Vereins haben sich das Ziel gesetzt, bis August kommenden Jahres fünf Rampen aus Legosteinen zu bauen. Dafür benötigt die Sindelfinger Initiative aber nicht nur jede Menge bunter Klemmsteine, sondern auch helfende Hände, die die Rampen bauen. Im Foyer des Sindelfinger Rathauses können Bürger seit Montag ihre gebrauchten Legosteine oder andere mit Lego kompatiblen Bausteine abgeben. Dafür stehen zwei große, beschriftete Papiertonnen bereit. „Die Größe und Farbe der Legosteine ist völlig egal“, erklärt Maximilian Reinhardt, der Vorsitzende der Initiative „Helfen statt Hamstern“.

 

Falls Legosteine übrig bleiben, werden weitere Rampen gebaut

Sobald genug Steine zusammengekommen sind, geht es los. Kommen mehr Legosteine zusammen als man für die geplanten fünf Rampen braucht, können sich die Initiatoren vorstellen, das Projekt auf den gesamten Landkreis Böblingen auszuweiten. Auf die Idee mit den Rollstuhl-Rampen aus Lego kam Maximilian Reinhardt in Tübingen, wo er bis Juli studiert hat. „Dort sah ich auf einer Video-Wand einen Beitrag über die Lego-Oma Rita Ebel. Sie fertigte mit einem Team Rampen aus Klemmbausteinen an, um für mehr Barrierefreiheit in der Stadt zu sorgen“, erklärt Reinhardt. Begeistert von der Idee habe er das Projekt seinen Vereinskollegen vorgestellt und Zustimmung erhalten.

Zuvor wollte er sich jedoch erst mal selbst von einer Lego-Rampe, die es bereits in einigen deutschen Städten gibt, überzeugen. „Das Perückengeschäft Lofty in Stuttgart hat die einzige Lego-Rampe für Rollstuhlfahrer in der Region“, sagt der Diplom-Jurist. Dort arbeitet die Sindelfingerin Petra Hernandez, die ihm von ihren Erfahrungen mit der Rampe berichtete. Die Kunden seien von der Rampe begeistert gewesen und hätten die Idee prima gefunden, erzählte sie, das Stuttgarter Ordnungsamt hingegen weniger.

Wo die Rampen stehen werden, ist noch nicht klar

Dennoch war für Reinhardt danach klar: „Helfen statt Hamstern“ sammelt gebrauchte Legosteine und baut aus den bunten Steinchen Rampen. Die Bauanleitung dazu gab es von der Lego-Oma Rita Ebel. Damit die Steinchen so fest halten, dass ein Rollstuhl darüber fahren kann, müssen sie nämlich verklebt werden. Rund 7000 bis 8000 Steinchen braucht man für eine Rampe. Mit den Lego-Rampen soll ein barrierefreier Zugang zu Geschäften mit kleineren Stufen ermöglicht werden. „Es können sich auch noch Geschäfte, Restaurants oder öffentliche Einrichtungen bei uns melden, die eine Rampe benötigen“, betont Reinhardt. Denn noch stehe nicht fest, wo die kostenlosen Rampen schließlich aufgestellt würden.

Nicht nur Rollstuhlfahrern soll so geholfen werden, sondern auch Menschen mit Rollator, mit Kinderwagen oder auch Menschen mit Sehbehinderung – denn die bunten Steine helfen, die Stufen schneller zu erkennen. Wichtig ist Reinhardt und seinen Mitstreitern bei dem Projekt auch: „Dass Menschen anderen Menschen helfen, mit dem, was sie haben.“ Denn alle Bausteine sind gebraucht.

Wann mit dem Bau der Rampen begonnen werden kann und wann das erste Exemplar fertig ist, steht derzeit noch in den Sternen. „Es kommt ganz auf die Lego-Spendenbereitschaft der Sindelfinger an“, sagt Reinhardt. Aber er sei guter Dinge.

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