Projekt vor dem Aus Buslinie zur Waldebene wird eingestellt

Von Sebastian Steegmüller 

SSB AG hat sich in Aufsichtsratssitzung gegen die Fortsetzung des Projekts ausgesprochen

Ein Bus der Linie 64 an der Haltestelle Waldebene Ost.Foto: Sebastian Steegmüller

Frauenkopf - In den vergangenen Wochen haben sich sowohl die Vereine auf der Waldebene als auch die Handels- und Gewerbevereine Gablenberg und Stuttgart-Ost dafür stark gemacht, dass die Buslinie 64 auch nach der eineinhalbjährigen Projektphase über die Waldebene Ost zum Buchwald fährt. Das Engagement war laut Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaiervergebens. Sie habe jetzt von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) negative Rückmeldung erhalten. Der Aufsichtsrat habe am 26. Juni einstimmig beschlossen, dass „der Probebetrieb auf der Linie 64 mit der Verlängerung von der Haltestelle Stelle über die Waldebene Ost zur Haltestelle Buchwald zum Fahrplanwechsel im Dezember nicht verlängert wird“, so die Bezirksvorsteher.

Ab dem Sonntag, 9. Dezember verkehrt die Linie 64 also wieder auf ihrem ursprünglichen Linienweg zwischen Frauenkopf und Stelle. „Als Begründung wird eine geringe Auslastung angegeben“, so Strohmaier. „Ich kann mich hier nur vollumfänglich der Argumentation der Vereine auf der Waldebene Ost in ihrem berechtigten Brandbrief und des Handels- und Gewerbevereins anschließen. Durch die Optimierung der Taktung an den Bedarf vor Ort und eine Verlängerung der Linie würde die Fahrt attraktiver werden. Es würden sich mehr Fahrgäste für den ÖPNV entscheiden, was die Rentabilität erhöhen würde.“

Lange Umnsteigezeiten schrecken ab

Die Bezirksvorsteherin ist überzeugt, dass die teils langen Umsteigezeiten in Folge von Verspätungen der Linie 45 potenzielle Fahrgäste abschrecken. „Gleichzeitig dürfen nicht nur bloße Verkaufszahlen in den Bussen als Bewertungsgrundlage herangezogen werden. Insbesondere die vielen Kinder- und Jugendlichen in den Vereinen der Waldebene Ost aber auch Besucher der gastronomischen Angebote nutzen eine Monats- oder Jahreskarte.“ Eine gute Anbindung an den ÖPNV sei wichtig für die Weiterentwicklung der Vereine auf der Waldebene Ost. „Sie leisten mit ihrem sozialen Engagement für Kinder und Jugendliche aus Stuttgart-Ost auch einen großen Beitrag zum Miteinander in dem Stadtbezirk“, so Strohmaier. Die Anbindung der Waldebene Ost an den ÖPNV bereichere das Angebot der SSB und stelle einen Anreiz dar, eine Jahreskarte zu kaufen. „Aber dazu muss das Angebot verlässlich funktionieren.“

Aus Sicht der Bezirksvorsteherin trage die Anbindung der Waldebene Ost dazu bei, die Umwelt zu schonen und in dem Naherholungsgebiet die Luftverschmutzung und die Lärmbelästigung zu verringern. „Ebenfalls reduziert ein attraktives ÖPNV-Angebot, das an Wochenenden auf der Waldebene Ost bestehende Parkplatzproblem. „Teilweise sind die Straßen und Wege beidseitig zugeparkt, sodass Fußgänger behindert werden. Es ist doch blanker Hohn, wenn der von der Unesco zertifizierte Natura Trail auf der Waldebene nur mit dem Auto erreichbar ist.“

Bezirksvorsteherin bedauert SSB-Entscheidung

Die Entscheidung des SSB-Aufsichtsrats bedauert Stohmaier. „Erst im Juni liefen zwei Aktionen zur Unterstützung der Busverbindung an. Der HGV Gablenberg sponsert mit Werbung die beiden schwarzen Kleinbusse, und macht diese als ÖPNV erkennbar. Gleichzeitig liegen in den Bussen die neuen Bonus-Karten aus, mit denen die Fahrgäste Vergünstigungen bei Gastronomen auf der Waldebene bekommen können. Beide Ideen brachten Vereine und HGV schon vor Beginn der Testphase im Jahr 2017 ein. Der Umstand, dass die Umsetzung durch die SSB erst so spät erfolgte und die Wirksamkeit der Maßnahmen nun gar nicht evaluiert wurde, stimmt nachdenklich.“ Es sei ein Dämpfer für viele engagierte Bürger.

Um der SSB die Möglichkeit der Stellungnahme zu geben und dem Bezirksbeirat und den Bürgern die Möglichkeit Argumente vorzutragen, hat Strohmaier einen Vertreter der SSB in die nächsten Sitzungen des Bezirksbeirates geladen.