Projekt zum Stadtjubiläum Ditzingen Zwei Orte werden in einer Oper vereint

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Bürger bringen die Geschichte von Ditzingen und Hirschlanden auf die Bühne. In Worten und mit Musik wird viel mehr präsentiert als die reine Historie der beiden einst selbstständigen Dörfer.

Die Instrumentalisten haben vielfach getrennt von den Darstellern   geprobt. Foto: factum/
Die Instrumentalisten haben vielfach getrennt von den Darstellern geprobt. Foto: factum/

Ditzingen - Es ist eine Geschichte über die Geschichte der Stadt, erzählt von Bürgern aus dem Ort. Und doch hat der Schuldekan Andreas Hinz „keinen reinen Bilderbogen der Geschichte“ inszenieren wollen. Hinz hat die Texte verfasst, die Musik für die Stadtoper stammt aus der Feder des Ditzinger Bezirkskantors Andreas Gräsle.

Hinz ging es nach eigenem Bekunden darum, zu zeigen, was die Menschen im Lauf der Zeit für Erfahrungen gemacht haben. Auch die Ausgangsposition ist der Realität entlehnt: Ein Stadtjubiläum steht an und der Festausschuss berät, was diesem Anlass angemessen ist. Wie in der Wirklichkeit feiern Ditzingen und Hirschlanden im Stück ihr erste urkundliche Erwähnung vor 1250 Jahren. Im Schauspiel fragen sich die Akteure, an welche Zeiten und Menschen sie erinnern sollen. „Die Männer wollen die großen Helden vergangener Zeiten in den Mittelpunkt stellen, die Frauen hingegen erinnern an ihre bedeutende Rolle in der Geschichte“, heißt es in der Ankündigung.

Natürlich haben auch der Ditzinger Komponist Konrad Kocher und der Forscher Theodor von Heuglin ihren Auftritt. Und der Dichterfürst Friedrich Schiller macht auf seiner Flucht nach Mannheim Station in Ditzingen. Das freilich ist der dichterischen Freiheit des Autors geschuldet. „Oberensingen ist belegt“, sagt Hinz über Schillers Aufenthalt im heutigen Landkreis Nürtingen.

Der Festausschuss streitet zunächst

Im weiteren Verlauf streitet der Festausschuss darüber, wer mitspielen darf. Auf die Anmerkung hin, es dürfe nur mitwirken, wer echter Ditzinger und Hirschlander sei, leert sich die Bühne schnell – haben sie doch alle Vorfahren, die nicht aus der Region stammen. Hinz zeichnet das Bild von einem „offenen Heimatbegriff“, wie er es formuliert, ein Begriff, „der nicht auf Kosten anderer geht“.

50 Akteure werden dies auf der Bühne umsetzen. Ohne die dunkle Seite der Geschichte – etwa des Dreißigjährigen Kriegs – zu vernachlässigen. Wie Ditzingen künftig aussehen soll, bringt die Impro-Theatergruppe des Gymnasiums ein: auf Zuruf aus dem Publikum.

Der Bezirkskantor an der Konstanzer Kirche hat die verschiedenen Epochen und Emotionen der Szenen in Musik umgesetzt. 60 Chorsänger und 40 Instrumentalisten lassen das Werk erklingen.

Alle Generationen sind beteiligt

Mehrere Kinderchöre sind ebenso beteiligt wie Kirchenchöre, das Sinfonieorchester der Jugendmusikschule und Solisten. Und weil auch bei den 50 Schauspielern alle Altersgruppen beteiligt sind, spricht Andreas Gräsle von einem „Generationenprojekt“.