Projekt zur Stadtentwicklung Es fehlen Treffpunkte in der Stadt

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Bei der Abschlussveranstaltung des städtischen Projektes „Salz und Suppe“ haben neun Kochgruppen ihre Ideen für ein besseres Zusammenleben in Stuttgart präsentiert.

Gemeinsam essen ist das verbindende Element in dem städtischen Projekt „Salz und Suppe“. Foto: Nina Ayerle
Gemeinsam essen ist das verbindende Element in dem städtischen Projekt „Salz und Suppe“. Foto: Nina Ayerle

Stuttgart - Der bunte Bauwagen am Dorfrand war einst, in der Jugend, ein geschütztes Refugium, ein kleines Bollwerk gegen die Erwachsenenwelt. Meist war der Bauwagen ein aus der Not geborener Treffpunkt: Man hatte ja nichts anderes als Jugendlicher auf dem Land.

Im Stuttgarter Westen ist das Problem ähnlich, aber aus anderen Gründen: Der Stadtbezirk ist das am dichtesten besiedelte Quartier in der Innenstadt. Freie Orte zur Erholung? Fehlanzeige! „Es herrscht ein Defizit“, da war sich die Kochgruppe drei des Projektes „Salz und Suppe“ einig. Deshalb haben sie die „süße Kiste“ erfunden – ein bunter Bauwagen, mit Hochbeeten verziert, als „mobiler Lieblingsort“ für alle Stuttgarter quasi. Eine Sammelstelle zum Essen, Trinken, Musizieren, Sporteln oder Einfach-da-Sein – so stellt sich die sechsköpfige Gruppe ihren Platz vor. Die Idee hat auch den anderen Teilnehmern des städtischen Projektes gefallen. Die ­„süße Kiste“ wurde bei der Abschlussveranstaltung von „Salz und Suppe“ in der Kulturinsel in Bad Cannstatt zu den besten drei Ideen gekürt.

Exakt 54 Teilnehmer wurden im Frühjahr unter 280 Bewerbern aus ganz Stuttgart von Birgit Kastner und Ulrich Dilger vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung für das von der Nationalen Stadtentwicklung geförderte Pilotprojekt „Salz und Suppe“ ausgewählt. Sie alle einte ein Interesse an einem besseren Zusammenleben in der Stadt, einer engeren Vernetzung in den Stadtvierteln und bürgerschaftlichem Engagement.

Alle Gruppen haben ihre Ergebnisse vorgestellt

Ihre Aufgabe: An vier Abenden sollten die sechsköpfigen Gruppen, geografisch eingeteilt, zusammen kochen, diskutieren und sich überlegen, was Stuttgart und vor allem ihr Quartier lebenswerter machen würde. „Es mussten sich sechs völlig fremde Menschen finden und organisieren“, sagte Dilger. Das gemeinsame Essen diente als bindendes Element. In der Kulturinsel haben am Donnerstag nun alle neun Gruppen ihre Ergebnisse allen Teilnehmern und dem Projektteam vom Stadtplanungsamt präsentiert.

Vom Arbeitsuchenden bis zur Firmeninhaberin, von der Studentin bis zum Rentner – die Kochgruppen sollten möglichst heterogen sein, alle Schichten der Gesellschaft abdecken. Völlig fremde Menschen, die sich sonst nie begegnen würden, haben sich bei sich zu Hause an einen Tisch gesetzt und gemeinsam Pläne geschmiedet für ihre Stadt – eine Bürgerinitiative der etwas anderen Art also. „Keine einzige Gruppe hat sich aufgelöst“, sagt Ulrich Dilger zum Abschluss stolz. Und: Viele Gruppen kochen und treffen sich sogar weiter, viele neue Ideen sind entstanden. „Das Projekt ist genial. Wir brauchen solche Orte der Begegnung in einer pluralistischen Gesellschaft“, schwärmte Werner Wölfle, designierter Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration.

Parkputzen geschieht auf freiwilliger Basis

Über die drei besten Ideen wurde letztlich am Abend abgestimmt. Punkten konnten noch die wandernden Grill-Straßenfeste der Kochgruppe aus den nördlichen Stadtbezirken sowie der Wunsch der Weilimdorfer und Feuerbacher, das dortige Walz-Areal einer gemeinschaftlichen Nutzung zuzuführen. Einen vorbildlichen Einsatz zeigten – wenn auch am Ende nicht zum Sieger gekürt – die Gruppe aus Ost und Wangen: Sie haben ihre Ideen zur Verschönerung des Parks an der Villa Berg nicht nur am Esstisch gesponnen. Sie gingen raus, putzten dort und beseitigten Müll.

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